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Zwischen Nordallianz und Taliban herrscht Stellungskrieg

Fliegen, Tee und Haschpfeifen

Kala Sahi - Mohammed Kasim steckt in paar Drähte in eine Autobatterie, und schon fängt sein Funkgerät an zu knacken. "Igitt, Turbane!", ruft der Kämpfer der oppositionellen Nordallianz in das Walkie-Talkie. "Igitt, Pakul", kräht der Kommandeur einer Taliban-Truppe in Anspielung auf die traditionelle Kopfbedeckung der Oppositionellen zurück. An der Front rund 45 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kabul tauschen die Gegner fast täglich Unflätigkeiten über Funk aus.

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Ihre Stellungen sind gerade einmal 300 Meter voneinander entfernt. Oppositions- Kämpfer Kasim versucht, die feindlichen Taliban hinter dem nächsten Hügel mit verbalen Obszönitäten zu provozieren. Doch deren Truppführer bleibt höflich: Mullah Rasak bietet einen Tee an. "Komm 'rüber, dann kannst du deinen Tee haben", pöbelt Kasim zurück. Sekunden später schlägt nur ein paar Dutzend Meter neben ihm eine Granate ein.

Seit drei Jahren Stellung gehalten

Die verbalen Attacken gehören zu den Höhepunkten im Kriegsalltag der Männer um Amir Abdul Wahid, dem Kommandeur des Oppositions- Postens. Von Flöhen und Fliegen geplagt, sitzen Wahids Soldaten nun seit fast drei Jahren in ihren Bunkern herum. So lange ist es her, dass sich die Front das letzte Mal verschoben hat. Schon seit einem halben Jahr haben die Kämpfer keines ihrer Gehälter von umgerechnet 32 Mark monatlich erhalten. Außerdem geht die Munition zur Neige, und die versprochene Verstärkung ist noch lange nicht in Sicht. Die letzte Offensive der Taliban an diesem Frontabschnitt ist etwas mehr als einen Monat her.

Die meiste Zeit verbringen die Kämpfer der Nordallianz damit, über Lehmhügel hinweg die Positionen ihrer Gegner auszumachen. Gegen Langeweile rauchen die Waffenbrüder Cannabis, kauen auf zähem Brot herum oder essen fettigen Reis, den sie mit Tee hinunterspülen. "Die Amerikaner haben uns Hilfe versprochen, aber wir haben hier noch nichts davon gesehen", mäkelt Kämpfer Mirsa Chodscha. Deprimiert verscheucht er einen Hornissenschwarm, der in seinem Graben umherschwirrt. "Wir brauchen Munition, Essen, alles."

"Das ist kein Krieg - das ist Betrug!"

Ein paar Kilometer weiter, in der Nähe von Dschabal Seraj, bringt ein Trupp ausländischer Journalisten Abwechslung in den öden Alltag des Stellungskriegs. Gastfreundlich bieten die Kämpfer der Nordallianz den Reportern einen Tee nach dem anderen an - was die Medienvertreter aber wirklich wollen, bekommen sie hier nicht. Kämpfe finden an diesem Frontabschnitt nicht statt. "Das ist noch nicht mal ein richtiger Krieg", brüllt ein genervter Korrespondent in sein Satelliten-Telefon. "Das ist Betrug!" Den Kameraleuten zu Gefallen ballern die Oppositionskämpfer hin und wieder ein paar Raketen ins Leere. Aber statt mit den Taliban wirklich zu kämpfen, kaufen sie sie lieber. Zumindest die gemäßigteren Mitglieder der radikalislamischen Milizen sind mit Geld zu ködern, wie einige Überläufer freimütig gestehen. Essen ist knapp in Afghanistan.

Offiziell sprechen die Anti-Taliban-Kämpfer schon seit längerem von einer unmittelbar bevorstehenden Offensive auf Kabul. Nach einem Besuch an der Front sehen Journalisten das mittlerweile skeptisch. Ein Angriff auf die Hauptstadt könnte schon kommende Woche gestartet werden, vielleicht aber auch erst in einigen Monaten - oder nie, ist ihre Erkenntnis. Die Kämpfer in den Bergen gehen das ganz realistisch an: Ohne eine bessere Ausrüstung wäre der Versuch eines Vormarsches unsinnig, glaubt Chodscha. "Es ist leicht, anzugreifen und eine Position einzunehmen", sagt er. "Aber wir können keine Stellung halten, weil wir zu wenig Männer und zu wenig Munition haben."

AFP

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Zuletzt geändert am 21. Oktober 2001 13:30 von jo

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