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Di 27.11.2001
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Unverbrauchte Gesichter in Timms Komödie "Der Zimmerspringbrunnen"Eine Idee beglückt den deutschen Osten
Hinrich Lobek ist keineswegs alt. Aber er hat, so scheint es, die beste Zeit seines Lebens schon hinter sich. Denn der Ostberliner mit dem schütteren Haar und dem müden Gesicht gehört zu den Verlierern der Wende. In der verblichenen DDR war Lobek als Vertreter der Kommunalen Wohnungs-Verwaltung (KWV) in den gigantischen Plattenbau-Bezirken eine wichtige Figur. Doch nun ist Lobek zum Hausmann wider Willen degradiert, der sich selbst und seiner beruflich ungleich erfolgreicheren Frau Julia auf den Nerv geht. Schließlich schafft es die resolute Julia doch noch, ihren Mann zu aktivieren: Er bewirbt sich bei der Kölner Firma Panta Rhein, die Zimmerspringbrunnen produziert und vertreibt. Lobek nimmt an einem ebenso hochkomischen wie verlogenen Crash-Kurs für Außendienst-Vertreter teil, zweifellos der Höhepunkt des Films "Der Zimmerspringbrunnen", der am 29. November in die Kinos kommt. Aber der Ossi schlägt sich tapfer und soll nun mit dem dicklichen Wessi Uwe Strüver die Wohnzimmer der nicht mehr ganz so neuen Bundesländer mit abgrundtief kitschig gestalteten Wasserspielen verschönern. "Auferstanden aus Ruinen"
Lobek beginnt die Tour mit dem mächtig abgefeimt mimenden Strüver in Berlins Plattenbauwüste Marzahn. Dabei zeigt sich schnell, dass der Wessi mit seinen Verkaufsstrategien eine Niederlage nach der anderen erleidet. Lobek hingegen findet den richtigen Ton. Aber er ist drauf und dran, seine Frau an den smarten Hamann, Kollege Julias im Architektenbüro, zu verlieren. Es gibt Streit, doch in der Nacht hat Lobek einen genialen Einfall: Er hat die Vision eines neuen Zimmerspringbrunnens, bei dem sich zur Melodie der ausgedienten DDR-Hymne der Miniatur-Fernsehturm vom Alexanderplatz aus einem See hebt und lossprudelt. Widerstand gegen das Diktat der Warengesellschaft Julia reagiert auf die Idee ihres Mannes allerdings gar nicht gut, sie flüchtet fast panikartig zu einer Freundin. Der, den sie für verrückt geworden wähnt, lässt sich indessen nicht beirren, bastelt seine Vision in Serie und erzielt sensationelle Verkaufserfolge. Bei Panta Rhein ist der unscheinbare Mann nun der Star, die Beförderung zum Verkaufsleiter Ost ist sicher. Aber es gibt ja auch noch Julia, Weihnachten steht vor der Tür, und eine Überraschung winkt, eine schöne sogar... Verfilmung des Sparschuh-Romans
Peter Timm hat diese so liebenswerte wie hintergründige deutsche Komödie nach dem Roman von Jens Sparschuh für die Leinwand inszeniert. Mit Götz Schubert als Lobek und Simone Solga als dessen Frau Julia hat er glaubwürdige, unverbrauchte Darsteller gefunden, denen man mit wachsender Sympathie zuschaut. Besonders Schubert überzeugt als träger, sperriger, aber auch gewitzter Ossi, der sich dem Diktat der Warengesellschaft zwar nicht entziehen kann, sich diesem aber auch nicht unterwerfen will. Sein Widerstand ist wenig aussichtsreich, aber doch ermutigend. Weder Euro-Pudding noch Hollywood-Abklatsch Timm und seinen beiden Drehbuchautoren hat leider der Mut gefehlt, die satirische Härte der Crash-Kurs-Szenen, die den ganz normalen Wahnsinn der Verkaufsideologie amüsant enthüllen, im gesamten Film durchzuhalten. Da menschelt es doch später allzu sehr, verliert die Handlung an Tempo und wird vorhersehbar. Aber das sind Schwächen, die man verzeiht, weil "Der Zimmerspringbrunnen" von deutschen Zusatänden handelt, also weder Euro-Pudding noch Hollywood-Abklatsch ist. Und wir sehen einen Mann, der ein klassischer Antiheld ist, also einer von uns. Wolfgang Hübner, AP |
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Zuletzt geändert am 27. November 2001 14:16 von tea |
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