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Diplomatischer Kampf um die Macht in Kabul

Poker auf dem Petersberg

Bonn - Der entscheidende Poker begann auf dem Petersberg im Zustand der fortgeschrittenen Erschöpfung der Spieler. Als größte Hürde stand vor der Afghanistan-Konferenz am Sonntag die Aufteilung der Macht in einer Übergangsregierung für das Land. Zahlreiche Namen wurden zwar auf den Gängen genannt, doch Listen lagen bis zum Nachmittag nicht vor. Ohne konkrete Namen aber wollten die Vereinten Nationen die Delegierten nicht entlassen. Denn ein zu weiches Abkommen in Bonn dürfte im Vielvölkerstaat Afghanistan nach dem Sturz des Taliban-Regimes kaum Bestand haben.

In der Nacht war den 38 Delegierten der Entwurf für ein Abkommen für eine zweijährige politische Übergangsphase unter den Türen durchgeschoben worden. Da hatte die Konferenz schon fünf Tage und Nächte hartes Feilschen und Handeln hinter sich. Im islamischen Fastenmonat Ramadan bedeutete dies: Frühstück gegen fünf Uhr morgens, fasten bis zum Einbruch der Dunkelheit, Abendessen und dann Konferenzrunden bis in die tiefe Nacht. Doch mit Beginn des entscheidenden Kampfes dürften die Delegierten wieder hellwach geworden sein. "Ich bin sicher, dass sie ihre Stifte angespitzt und am Morgen eine Menge Anmerkungen geschrieben haben", sagte UN-Konferenzsprecher Ahmed Fausi.

"Zaungäste" griffen ein - und durch

Widerstand aus Kabul hatte die Konferenz am Wochenende ins Stocken gebracht. Dann griffen diejenigen ein, die auf dem Petersberg eigentlich nur als Beobachter fungierten und den Konferenzsaal nicht betreten durften. In einem diplomatischen Kraftakt machten die USA - mit Dutzenden Beobachtern vertreten - sowie Deutschland, Großbritannien, die Anrainerstaaten Afghanistans und die Vereinten Nationen das Schiff wieder flott.

Dabei wurde auf diplomatische Weise und per Standleitung von Bonn nach Kabul der Führer der Nordallianz und amtierende Präsident Burhanuddin Rabbani praktisch ausgeschaltet. Rabbani, der als "Auslaufmodell" für das neue Afghanistan gilt, hatte von Kabul aus versucht, die Bildung einer Übergangsregierung zu verhindern. Wohl in dem Wissen, dass darin für ihn kein Platz mehr ist.

Rabbani zog den Kürzeren

Die Zukunft Afghanistans wird mit einem jungen Trio einflussreicher Tadschiken der Nordallianz verbunden: Außenminister Abdullah Abdullah, der Verhandlungsführer der Nordallianz auf dem Petersberg, Sicherheitschef Junus Kanuni, sowie der Militärchef Mohammed Fahim. Beobachter sprechen von einem Machtkampf in der Nordallianz zwischen diesen charismatischen jungen Politikern und Rabbani, der mitschuldig an der Zerstörung Kabuls zwischen 1992 und 1996 ist.

Die siegreiche Nordallianz möchte so wenig Macht wie möglich abgeben. Doch die Bevölkerungsmehrheit in Afghanistan stellen die Paschtunen. Diese könnten sich Chancen auf den Posten des Regierungschefs ausrechnen. Auf den Gängen kursiert seit Beginn der Konferenz der Name des einflussreichen südafghanischen Paschtunen-Führers Hamid Karsai. Karsai wäre sicher "ein Anker" für die paschtunische Erwartungen, hieß es.

Keine Vereinbarung - kein Geld

Das wesentliche Druckmittel für einen Erfolg in Bonn hatten letztlich die UN in der Hand: Keine Vereinbarung - kein Geld. Ohne eine tragfähige Einigung wird die Afghanistan-Unterstützer-Gruppe am kommenden Mittwoch in Berlin wohl keine Milliarden Dollar für den Wiederaufbau fließen lassen.

dpa

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Zuletzt geändert am 2. Dezember 2001 20:51 von jo

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