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Bombenopfer in Kabul fordern Wiedergutmachung:

"Amerika muss helfen"

Kabul - Die Bombe löste ein Erdbeben aus. Fünf Familien wurden unter den Trümmern ihrer Lehmhäuser verschüttet. "Amerika muss helfen, unser Haus wieder aufzubauen", sagt Ahmed Schah. Er lebte in einem Armenviertel in der Nähe des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul. Gleich zu Beginn der US-Angriffe schlug eine Bombe in dem Viertel ein. Nun steht Ahmed auf einem Schutthaufen. "Ich bin zu Verwandten in einem anderen Viertel gezogen", sagt er.

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Vor den Resten seinens Elternhauses in Kabul sitzt der zwölfjährige Sabiullah. Nach dem Einschlag einer US- Bombe in dem Viertel, die ein kleines Erdbeben auslöste, war er unter den Trümmern des Hauses in einem Armenviertel in der Nähe des Flughafens der afghanischen Hauptstadt verschüttet worden.

"Do Saraki Maidan Hawai" ("Zwei Straßen am Flughafen") heißt das Armenviertel nur. Ein Mensch sei durch die Bombe getötet worden, elf elf hätten Verletzungen erlitten, erzählen die Anwohner. Die Bombe bohrte sich mehrere Meter tief in den Boden eines winzigen Hofes vor einem der Häuser, bevor sie explodierte. Die Erschütterungen pflanzten sich in der Erde fort und ließen fünf Häuser einstürzen. Sie waren aus ungebrannten Ziegeln gebaut, eingeschossig, mit leichten Dächern. Das rettete den meisten Bewohnern das Leben.

"Alles fiel runter, aber irgendwie haben wir es geschafft, heraus zu kommen", erzählt der zwölf Jahre Sabiullah. "Danach wollte ich nicht wieder hierher, ich hatte Angst. Aber dann hat meine Mutter gesagt, die Taliban sind weg, ich kann wiederkommen, es passiert nichts mehr."

"Meine Mutter möchte, dass ich Pilot oder Arzt werde"

Er hat zwei Brüder und eine Schwester, sein Vater ist tot. In der Schule habe er nichts gelernt als Religion, sagt er. Aber er will lernen. "Meine Mutter möchte, dass ich Pilot oder Arzt werde." Jetzt, da die Taliban weg sind, hat er Hoffnung. "Es ist jetzt besser, niemand wird mehr geschlagen, meine Mutter kann wieder alleine aus dem Haus gehen."

Tadschwar Nauroso ist 50 Jahre alt und trägt, anders als fast alle Frauen in Kabul, keinen Schleier. Ihr Haus steht noch, aber ihre Existenz liegt trotzdem in Trümmern. "Ich hatte eine Bäckerei, die ist kaputt", sagt sie. Die Bäckerei war ein kleines Haus mit einer riesigen Tonschüssel darin. Solche Schüsseln dienen als Backofen in Afghanistan. Am Boden wird Feuer gemacht, den Teig der Fladenbrote kleben die Bäcker an die heißen Wände.

"Gott und Amerika sollen mir helfen"

Nauruso verkaufte das Brot und finanzierte so den Lebensunterhalt für sich und ihre fünf Töchter. Ihr Mann ist tot. Er kam um, als Anfang der 90er Jahre in Kabul der Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Mudschahedin-Gruppen tobte. "Gott und Amerika sollen mir helfen", sagt Nauruso.

Auch Mardina lebte in einem der Häuser, die jetzt Ruinen sind. Sie ist 15, kann aber weder lesen noch schreiben. "Ich konnte nicht zur Schule gehen, weil es keine Schule gab unter den Taliban", sagt sie. Sie möchte das gerne nachholen. Auch sie hat keinen Vater. Ihre Mutter hätte nichts dagegen, wenn sie zur Schule ginge. Und wenn in der selben Schule auch Jungen wären? Sie lacht nur: "Na und, warum denn nicht?", fragt sie.

Kettenreaktion mit Explosionen von ungeheurer Wucht

Zehn Kilometer vom Flughafen entfernt liegt das Viertel Deraraban. Es ist eigentlich ein Dorf mitten in der Stadt, nahe der Technischen Hochschule. Die Gassen sind eng, die Höfe mit hohen Lehmmauern umgeben. 2000 Menschen leben hier. Bomben sind nicht eingeschlagen in Deraraban, aber Steinbrocken. Und die Detonationen im nahen Militärstützpunkt haben die Fenster und einige Wände bersten lassen.

US-Jets hatten die Taliban bombardiert und ein Munitionslager getroffen. Es gab eine Kettenreaktion mit Explosionen von ungeheurer Wucht, die Steine wie Kanonenkugeln durch die Gegend schossen. Das Haus, das Abdul Ghani gemietet hat, verlor seine Fenster. Damit die eisige Winterluft nicht hineinweht, hat er Plastikplanen, verteilt vom Roten Kreuz, hineingehängt. "Warum wurden wir dafür bestraft, dass die Taliban hier einen Stützpunkt hatten?", fragt er.

dpa - Foto: dpa


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Zuletzt geändert am 7. Dezember 2001 12:31 von aj

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