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Hintergrund:

Aufstieg und Fall der Taliban

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Von der Nordallianz gefangene Taliban- Kämpfer.

Kabul - Sie schienen lange Zeit durch nichts und niemanden aufzuhalten zu sein und stürzten am Ende doch schneller als erwartet: Zermürbt von dem zweimonatigen Dauerbombardement der US-Luftwaffe kapitulierten die Taliban am vergangenen Freitag in ihrer letzten Hochburg Kandahar.

Der Verbleib ihres Anführers, Mullah Mohammad Omar, war ungewiss. Nach dem Willen des designierten Chefs der Übergangsregierung, Hamid Karsai, soll Omar in Afghanistan vor Gericht gestellt werden. Was immer auch mit Omar geschehen wird, seine Bewegung, die noch vor einem Monat 90 Prozent des Landes kontrollierte, wird in der Geschichte Afghanistans nur ein kurzes Kapitel einnehmen.

Überlegenheit im Chaos

Der Aufstieg der Taliban begann, als das zentralasiatische Land nach dem Abzug der Sowjettruppen 1989 im Chaos und Krieg der zerstrittenen Sieger versank. Omar gründete die Taliban aus Religionsschülern im benachbarten Pakistan. Mit ihnen begann er einen Kampf gegen die ehemaligen Muschahedin-Kommandeure, die in seinen Augen vom Islam abgerückt waren und Verbrechen zu ihrem persönlichen Vorteil begingen. Die Taliban wurden rasch zu einer Massenbewegung, die wegen ihrer Geschlossenheit und Disziplin ihren Gegnern überlegen war.

Radikales System errichtet

1995 nahmen sie im Westen Herat ein und kontrollierten damit die wichtigste Verbindung zwischen Iran und Turkmenistan. Ein Jahr später vertrieben sie die Regierung aus Kabul. Aus dieser ging die Nordallianz hervor, die nun wiederum mit Unterstützung der USA in die Hauptstadt zurückgekehrt ist. Die Taliban errichteten gemäß ihrer Interpretation des Islam ein radikales System, in dem jegliche weltliche Vergnügungen, wie etwa Kino, Fernsehen, Sport und Musik, verboten waren. Frauen durften weder zur Schule gehen noch arbeiten oder ohne männliche Begleitung in die Öffentlichkeit gehen - selbst dann mussten sie sich mit einer Burka komplett verschleiern. Auch Männer traf der Bannstrahl. Schnitt sich einer den Bart, landete er im Gefängnis.

International stets isoliert

1998 nahmen die Taliban die Stadt Masar-i-Scharif im Norden des Landes ein. Zwei Jahre später drängten sie die Nordallianz in einen kleinen Flecken des Landes im Nordosten zurück. Der endgültige Sieg schien kurz bevorzustehen. Doch international blieben die Taliban stets weitgehend isoliert. Anerkannt wurden sie nur von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die sich schließlich nach den Anschlägen vom 11. September von ihnen abwandten.

Buddha-Statuen zerstört

Bereits zuvor waren die Taliban in Konfrontation mit der internationalen Gemeinschaft geraten. Die Zerstörung der von ihnen als Götzen bezeichneten antiken Buddha-Statuen von Bamijan in diesem Jahr rief auch in islamischen Staaten Proteste hervor. Im August nahmen die Taliban acht ausländische Entwicklungshelfer, darunter vier deutsche, fest, weil diese christliche Missionierung betrieben hätten. In den Wirren des Krieges gelangten diese schließlich in die Freiheit.

Schicksal mit Osama Bin Laden verknüpft

Die Taliban hätten sich vielleicht noch lange an der Macht gehalten, hätte Omar ihr Schicksal nicht mit dem Osama bin Ladens verknüpft. Schon 1998 hatten die USA Ziele der El-Kaida-Organisation Bin Ladens in Afghanistan bombardiert. Anlass waren die Anschläge auf zwei US-Botschaften in Ostafrika, die die USA Bin Laden zur Last legten.

Nach den Flugzeug-Anschlägen in New York und bei Washington stellte US-Präsident George W. Bush die Taliban vor die Wahl: Entweder Bin Laden auszuliefern oder dessen Schicksal zu teilen. Omar wies die Aufforderung der USA bis zuletzt zurück und steht nun vor den Scherben seiner Bewegung. Bin Laden, so scheint es zumindest derzeit, wird die Bewegung überleben, die ihn so lange Gastrecht gewährt hat. Nach dem Fall von Kandahar war sein Aufenthaltsort am Wochenende zunächst unklar.

Von Sayed Salahuddin - Foto: AP


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Zuletzt geändert am 10. Dezember 2001 12:02 von aj

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