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Fr 21.12.2001
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Weihnachts-Stress einmal anders: Jutta Kleinschmidt vor Paris-DakarTestfahrten statt PlätzchenbackenMünchen - Sie ist die "Dakar-Queen", die prominenteste Frau am Steuer - und derzeit mitten im "Weihnachtsstress". Doch an den bevorstehenden Festtagen liegt das nicht. Wenn andere noch hektisch Geschenke kaufen, die Tanne aussuchen oder Plätzchen backen, trainiert Jutta Kleinschmidt von früh bis spät. Für sie hat der Countdown zum wichtigsten Rennen des Jahres begonnen.
Bis kurz vor Heiligabend stehen das Trainingslager in Frankreich und das Einfahren des Mitsubishi Pajero auf dem Programm, drei Tage später die technische Abnahme der Autos für die Rallye Paris-Dakar. Da bleibt für Fest-Vorbereitungen keine Zeit. Nicht so schlimm, findet Jutta Kleinschmidt: "Ich bin nicht so eine große Weihnachts-Beschenkerin." Im Rampenlicht wie nie zuvor Aber einen großen Wunsch hat die Diplom-Ingenieurin, die im Jahr 2001 als erste Frau die abenteuerlichste Rallye der Welt gewann, ganz bestimmt. "Nochmals Paris-Dakar zu gewinnen, das wäre Klasse", sagt sie. Am 28. Dezember beginnt das Rennen in Arras bei Paris. Als Siegerin steht sie im Rampenlicht wie nie. Willi Weber jetzt als Manager Sie hat das erfolgreichste Jahr ihrer Karriere hinter sich. Mit dem Dakar-Triumph schrieb sie Motorsport-Geschichte und strafte alle Skeptiker Lügen, die Frauen immer noch für schlechtere Autofahrer halten. Im neun Rennen umfassenden Marathon-Weltcup wurde die 39- Jährige Zweite. Mittlerweile ist Willi Weber ihr Manager ("Eine Super-Hilfe"). Sie gewann die Sportler-Wahl der ARD, wurde ADAC- Motorsportlerin des Jahres. "Es ist schön, wenn man mit einer Sportart, die nicht so im Mittelpunkt steht, solche Preise bekommt", sagte sie. "Vor allem die Publikums-Wahl der ARD war ein tolle Geschichte. Da sehe ich, dass das interessiert die Leute." "Frauen können das auch" Jutta Kleinschmidt hat gründlich mit Vorurteilen aufgeräumt. Zwar ist der Aspekt "Frau in einer Männerwelt" für sie persönlich eher nebensächlich, "mehr ein Thema für die anderen". Aber: "Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, zeigen zu können, dass Frauen das auch können. Es motiviert auch, Vorreiterin zu sein." Wüsten-Rallyes sind extreme Herausforderungen. Bis zu 70 Grad Hitze müssen die Fahrerin und Co-Pilot Andreas Schulz im Cockpit ertragen, fünf bis sechs Kilo nimmt Jutta Kleinschmidt während der Dakar-Rallye ab. "Formel 1 würde mich interessieren" Sie hält auch die "Königsklasse" des Motorsports nicht für einen exklusiven Männer-Club. "Formel 1 würde mich interessieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Frau das nicht kann. Es ist halt noch keine so weit gekommen. Und die, die Formel 1 gefahren sind, waren nicht gut." Dass Frauen im Motorsport meist Nebenrollen spielten, hat ihrer Ansicht oft statistische Gründe. "Von Anfang an sind schon mal mehr Jungs an Autos und Technik interessiert." In Einstiegsklassen wie Kart und Motorrad sind Mädchen die Minderheit. Später haben Frauen oft andere Prioritäten: "Man muss wirklich den Willen haben." Benachteiligung von Frauen im Motorsport kennt Jutta Kleinschmidt dennoch. "Wenn anfangs keiner an einen glaubt. Das beste Material bekommt man erst, wenn man schon etwas gezeigt hat", erklärte sie. Heute bekommt sie das beste Material, doch Vorurteile gibt es immer noch, "oft von Frauen". Erst Rodlerin, dann Physik studiert Die gebürtige Kölnerin, die in Berchtesgaden aufwuchs und heute in Monaco lebt, ging immer ungewöhnliche Wege. "Irgendwas Verrücktes" wollte sie tun. Sie war Rodlerin, studierte Physik. Auf dem Motorrad begann die Wüsten-Karriere. Sie gewann mehrfach die Damen-Wertung der Dakar-Rallye, stieg 1999 aufs Auto um. Ihr schärfster Rivale ist ausgerechnet ihr ehemaliger Lebensgefährte Jean-Louis Schlesser. Der verkraftet ihre Erfolge manchmal nur schwer. Ein eigenes Unternehmen besitzt Jutta Kleinschmidt auch: In der "Wüsten-Akademie" gibt sie ihrer Erfahrungen als Trainerin weiter. Autos und Motorräder sind eben ihr Fachgebiet. Nur in den überfüllten Straßen ihrer Wahlheimat steigt sie lieber um: "In Monaco fahre ich fast nur Fahrrad." Von Andrea Wimmer, dpa - Foto: dpa |
Diese Umfrage gibt es nicht mehrDonnerstag, 15. Januar 2004, © RZ-Online GmbH | |||||||||||
Zuletzt geändert am 21. Dezember 2001 10:05 von sab