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Di 25.12.2001

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Unser Redakteur stand an Heiligabend 14 Stunden im Stau:

Albtraum weiße Weihnacht

Montabaur - Kann der Verkehrsfunk lügen? "Schneewehen behindern den Verkehr auf der A 3 und der A 48 in Richtung Koblenz", hatte die sonore Stimme im Radio gewarnt. Kein Wort von Stau, kein Wort von Umleitung, kein Wort von dem Horror, der in fünf Minuten beginnen - und 14 Stunden dauern sollte.

15.45 Uhr: Nur noch drei Kilometer bis zum Dernbacher Dreieck. Draußen trüben Schneewehen die Sicht. Eine Stunde hat die Fahrt von Wiesbaden bis hierher auf der A 3 verschlungen. Der Verkehr kriecht.

16 Uhr: Die endlose Blechkarawane kommt zum Stillstand. Noch zwei Kilometer bis zum Dernbacher Dreieck. Was ich noch nicht weiß: Das Autobahnkreuz werde ich nicht mehr erreichen.

17 Uhr: Die Wartenden lassen Motoren und Heizungen laufen. Überall Abgasfahnen, die der raue Wind auflöst. Die Autos schneien ein. Draußen tobt ein kleiner Schneesturm. Vor meinem Wagen kämpft sich ein Ingenieur durch den eisigen Wind. Er leiht mir sein Handy.

18 Uhr: Autos und Lkw stauen sich bis zum Horizont und haben sich seit zwei Stunden keinen Zentimeter bewegt. Es schneit. Die ersten Fahrer schalten den Motor ab, um Sprit zu sparen. Allmählich gehen die Lichter aus. Ich habe weder Nahrung noch eine Decke im Auto. Hinter mir stößt jemand entnervt Urschreie aus. Im Radio ist von einem kleinen Stau die Rede, dann säuselt Bing Crosby "White Christmas". Draußen pfeift der Wind. Uns hat die Welt vergessen.

19.30 Uhr: Der Motor ist abgeschaltet. Es wird kalt. Auf der A 3 ist es gespenstisch still, nur noch vereinzelt fällt das gedämpfte Licht der zugeschneiten Scheinwerfer auf die Straße. Eine Frau bittet um ein Überbrückungskabel. Die Autobahnpolizei kündigt Hilfe an: Tee, warmes Essen, Decken und medizinische Versorgung für die Kinder. Nichts geschieht. Stundenlang. Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt.

21 Uhr: Der nette Ingenieur hat mir in seiner gut beheizten Limousine Kälte-Asyl gewährt. Glück gehabt. Im Radio wird vor einem 12-Kilometer-Stau gewarnt. Wir müssen lachen. Zuvor war vom Kriseneinsatz in Afghanistan die Rede. Warum hilft uns bloß keiner?

22.15 Uhr: Blaulicht im Rückspiegel. Ein Krankenwagen. Jemand sucht hilfsbedürftige Kinder. Ein Autofahrer mit aschfahler Miene pflaumt los: "Was ist hier los? Wir warten seit Stunden. Das gibt's doch gar nicht."

2.30 Uhr: Die "versprochene Hilfe" ist da. Ein junger Mann vom Technischen Hilfswerk hat auf einem Handkarren Tee und Brühe durch den Schnee geschleift. Um ihn sammelt sich eine Menschentraube. "Sollen wir auch gleich das Frühstück ordern?", fragt einer. Keine Decken, nichts zu beißen.

5.30 Uhr: Jemand von der Straßenmeisterei klopft an die Scheibe. Eine Spur ist freigeräumt. Wir schlittern über glatte Straßen zu einer anderen Auffahrt. Fahrzeuge bleiben stecken. Die erste Raststätte wird von hungrigen Menschen nahezu gestürmt.

8 Uhr: Wieder in Wiesbaden mit nur einem Wunsch: ein warmes Bett und endlich schlafen.

Dietmar Brück (RZ); Foto: Mirko Moskopp


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Zuletzt geändert am 25. Dezember 2001 20:26 von jo

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