IVWPixel Zählpixel

  Ticker    Wetter    Foto des Tages    Archiv    Übersicht 

Home     Kontakt     Site Map  

Do 10.01.2002

 Nachrichten

   vom 10.01.02

Blick in die
Mitte des Himmels

Prozess: Mord "im Auftrag des Teufels"?
El-Kaida-Kämpfer auf dem Weg nach Kuba
Telefon & Internet: Ende des Preiskriegs
Belfast: Schule nach Unruhen geschlossen
Vergeltung: Israel
zerstört Häuser

Pakistan warnt vor
versehentlichem Krieg

Virus für neues Microsoft-Programm
Chinas Offiziere müssen abspecken
Wetter: Ideal für
den Wintersport

Karikatur
Foto des Tages


 Sport



 Magazin



 Internet

[an error occurred while processing this directive]

Satanismus-Szene liegt für die meisten im Dunkeln - Tendenz steigend

Harmlose bis verbrecherische Strömungen

Es waren 66 Messerstiche und Hammerschläge, die den Tod brachten, und die Begründung der mutmaßlichen Täter lautete: "Satan hat uns die Tat befohlen." Der grausame Ritualmord an einem 33-Jährigen, der seit Donnerstag vor dem Landgericht Bochum verhandelt wird, wirft wieder einmal ein Schlaglicht auf die in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Satanisten-Szene. Hinter dem Begriff Satanismus verbergen sich ganz unterschiedliche Strömungen, die von harmlos bis zu extrem gefährlich reichen.

"Ich schätze die Zahl der gefährlichen Satanisten in Deutschland auf 3.000 bis 7.000, mit Tendenz nach oben", sagt Ingolf Christiansen, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche Göttingen. Darunter verstehe er diejenigen, "die gedanklich Ritualtötungen in Kauf nehmen". Auch wenn ein Fall wie der Ritualmord in Witten eine Ausnahme sei, seien Menschenopfer bei dieser speziellen Form des Satanismus' "systemimmanent", da Blut als Energieträger angesehen werde. "Das Gefährliche ist vor allem die Vermischung von neofaschistischem, keltisch-germanischem und satanistischem Gedankengut", erklärt der Satanismus-Experte.

"Nicht jeder 'Schwarze' ist auch gleichzeitig ein Satanist"

Was Satanismus eigentlich ist, ist nicht einfach zu definieren, da es keine fest gefügte Weltanschauung oder Ritual-Praxis gibt. "Nicht jeder 'Schwarze' ist auch gleichzeitig ein Satanist", empört sich etwa im Internet ein Anhänger der Gothic-Szene, die wegen ihrer schwarzen Kleidung oftmals unberechtigt in Zusammenhang mit der Satanisten-Szene gebracht wird. Auch der so genannte Jugend-Satanismus ist oft nur ein extremes Pubertäts-Syndrom. "Das ist ein 'testing the lines', um die eigenen Angst- und Ekelschwellen herauszufinden und zu sehen, wie weit man Eltern und Lehrer - also Autoritäten - provozieren kann", erklärt Werner Gross vom Psychologischen Forum Offenbach.

Es gebe viele verschiedene Szenen, deren Übergänge fließend seien und über deren Gefährlichkeit keine allgemeine Aussage getroffen werden könne. "Die entscheidende Frage ist, welche Bedeutung das Ganze für die Person hat." Gefährlich werde es dann, wenn der Satanismus zum zentralen Lebensinhalt werde, nach dem alles strukturiert werde, bis hin zum Bruch mit Familie und Freunden. "Das hat dann starke Ähnlichkeit mit Suchtverhalten", erklärt Gross.

Selbstvergottung des Menschen

Die Ursprünge des Satanismus reichen von der alt-ägyptischen Mythologie über Kelten, Wicca-Kulte, westafrikanische Voodoo-Praktiken bis hin zum dualistischen Weltbild der antiken und mittelalterlichen Gnostik. So ist eine Form der Luziferismus, der den gefallenen Engel Luzifer - den "Lichtbringer" - überwiegend positiv sieht. "Diejenigen, die wirklich an Satan als Person glauben, sind meist Leute, die früher sehr gläubig waren", erklärt Gross.

Den neuzeitlichen Satanismus kennzeichnet im allgemeinen aber ein Grundsatz: "Es ist kein Gott, außer dem Menschen." Im Vordergrund steht daher paradoxerweise nicht Satan, sondern die Selbstvergottung des Menschen, der als Maß aller Dinge gesehen wird. Alle Formen dieses Satanismus' verbindet die bewusste Entwertung ethischer Prinzipien bis hin zur quasi religiösen Verklärung des Bösen und der Selbstidentifizierung mit ihm.

Entscheidend ist für diesen rituellen Satanismus laut Christiansen der Amerikaner Aleister Crowley (1875 bis 1947), der sich für die Reinkarnation des Bösen schlechthin hielt. Die sexual- und lebensfeindliche Erziehung seiner puritanischen Mutter schuf die Grundlage für seine sexualmagischen Versuche und Opferrituale, die gegen jegliche gesellschaftlichen und christlich-religiösen Konventionen verstießen.

Tötung von Menschen als "ureigenes Recht"

Er stellte Gesetze auf, die bis heute von den meisten Gruppen als Leitlinien akzeptiert werden, darunter "Der Mensch hat das Recht, nach seinem eigenen Gesetz zu leben" und "Der Mensch hat das Recht, all diejenigen zu töten, die ihm diese Rechte zu nehmen suchen". In einem seiner Bücher schrieb er auch den Satz: "Opfert Tiere, kleine und große und danach ein Kind." Crowleys Anhänger zählt Christiansen zu der wachsenden Gruppe der gefährlichen Satanisten.

Bei Exzessen wie Tieropfern, Vergewaltigung oder sogar Mord liegt die Ursache laut Gross aber fast immer "in der persönlichen Pathologie der Person", die bereits bestimmte, auf schwere ungelöste Konflikte zurückgehende Persönlichkeitsstörungen habe. Auch Christiansen weiß aus seiner Erfahrung, "dass bei einem Teil der Involvierten in einem nicht unerheblichen Maß psychopathologische Auffälligkeiten festzustellen sind".

AP


Zum SeitenanfangZum Seitenanfang

 Suche in RZ-Online

 RZ

Web


Schnee-Spaß Ski-Special



Sonderteil zur Bundesliga
Sonderteil zur Fußball-Bundesliga



Zuletzt geändert am 10. Januar 2002 15:56 von aj

» Artikel druckenDruckversion
» Schriftgröße einstellen
» Impressum