IVWPixel Zählpixel

  Ticker    Wetter    Foto des Tages    Archiv    Übersicht 

Home     Kontakt     Site Map  

Do 10.01.2002

 Nachrichten

   vom 10.01.02

Blick in die
Mitte des Himmels

Prozess: Mord "im Auftrag des Teufels"?
El-Kaida-Kämpfer auf dem Weg nach Kuba
Telefon & Internet: Ende des Preiskriegs
Belfast: Schule nach Unruhen geschlossen
Vergeltung: Israel
zerstört Häuser

Pakistan warnt vor
versehentlichem Krieg

Virus für neues Microsoft-Programm
Chinas Offiziere müssen abspecken
Wetter: Ideal für
den Wintersport

Karikatur
Foto des Tages


 Sport



 Magazin



 Internet

[an error occurred while processing this directive]

Anklage wegen Anstiftung zum Mord an der Ehefrau:

Ex-Minister Jochen Wolf vor Gericht

Anklicken zum Vergrößern
Soll zweimal erfolglos die Ermordung seiner Ehefrau in Auftrag gegeben haben: Jochen Wolf.

Potsdam - Zum Auftakt seines Prozesses wegen Anstiftung zum Mord erlebte der frühere brandenburgische Bauminister Jochen Wolf noch einmal ein Medieninteresse wie zu seinen besten Politikerzeiten.

Im Landgericht Potsdam bekam der 60-Jährige am Donnerstag, was er immer so geliebt hatte: Blitzlichtgewitter und Scharen drängelnder Reporter. Allerdings musste der einst vor einer glänzenden Karriere stehende Wolf, der 1993 wegen einer Immobilienaffäre von der politischen Bühne verschwand, dafür erst sehr tief fallen. Ihm wird vorgeworfen, einen vermeintlichen Killer gedungen zu haben, um seine Ehefrau loszuwerden. Kaum jemals sah sich ein einst hochrangiger deutscher Politiker mit einer so schwerwiegenden Anklage konfrontiert.

Anklicken zum Vergrößern
Wolf (l) mit Anwalt Stefan Waldeck.

Staatsanwalt Peter Mitschke warf dem früheren SPD-Minister, der 1990 sogar als Ministerpräsident in Potsdam im Gespräch war, versuchte Anstiftung zum Mord an seiner Ehefrau Ursula in zwei Fällen vor. Dazu soll er 1997 einem Bekannten 10 000 Mark (5113 Euro) für einen Dritten übergeben haben. Den Betrag erhielt er jedoch 1998 zurück, ohne dass der Auftrag erfüllt wurde.

Immerhin galt Wolf nach der Wende als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des brandenburgischen Ministerpräsidenten, bevor Manfred Stolpe von der SPD auf den Schild gehoben wurde. Im Gerichtssaal stellte sich Wolf, der keine Handschellen trug, dem Anschein nach äußerst gelassen, beinahe arrogant den Fotografen. "Wer begrüßt mich denn?", schnarrte er die Reporter an. Um Fragen auszuweichen, verwies er auf seinen Anwalt - der spreche für ihn.

Beweislast scheint erdrückend

Pflichtverteidiger Stefan Waldeck gab denn auch gleich nach Prozessbeginn bekannt, dass sein Mandant sich zunächst nicht äußern werde. Wann und wie Wolf reden werde, sei eine Frage der Strategie. Allerdings wird der junge Anwalt wohl eine sehr gute Taktik brauchen, um den Ex-Politiker herauszuhauen. Die Beweislast scheint erdrückend: Wolf hatte nach der Verhaftung im Juli vorigen Jahres in der Vernehmung bereits gestanden, jemanden für einen Mord angeheuert zu haben. Zudem liegen mitgeschnittene Aufzeichnungen von Telefongesprächen vor, in denen Wolf das Mordkomplott bestätigte.

Der mit dem Verbrechen beauftragte Mann hatte sich nämlich der Polizei offenbart und in deren Auftrag zwischen März und Juli 2001 sechs Telefonate mit Wolf geführt. Sie alle wurden von den Fahndern mitgehört. Ein psychiatrisches Gutachten sieht keine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit Wolfs zum Tatzeitpunkt; damit wäre er unvermindert schuldfähig. Im Falle einer Verurteilung muss er mit bis zu 15 Jahren Haft rechnen. Für den Prozess sind zunächst 10 Verhandlungstage angesetzt; unter den 14 Zeugen ist auch die Frau, die Wolf umbringen lassen wollte - seine vierte Ehefrau Ursula.

Geliebte erschoss sich in der gemeinsamen Wohnung

Zum Prozessauftakt ließ Staatsanwalt Peter Mitschke das - nach nach seiner Überzeugung zweifelsfrei erwiesene - Geschehen Revue passieren, das Wolf auf die Anklagebank brachte: versuchte Anstiftung zum Mord in zwei Fällen. Zunächst soll Wolf 1997 einem Bekannten 10 000 Mark (5113 Euro) für einen Dritten übergeben haben, der Ursula umbringen sollte. Grund: Sie habe ein dauerhaftes Zusammenleben mit seiner Geliebten verhindert. Den Betrag erhielt Wolf jedoch 1998 zurück, ohne dass der Auftrag erfüllt wurde.

Im selben Jahr geriet Wolf in die Schlagzeilen, als sich seine ukrainische Geliebte Oksana in der gemeinsamen Wohnung erschoss. "Nun wollte er seine Frau für diesen Selbstmord bestrafen", sagte Mitschke. Im Jahr 2000 habe Wolf daher einen zweiten Versuch unternommen, seine Frau aus dem Weg räumen zu lassen. Er bot dem vermeintlichen Killer dafür umgerechnet knapp 7700 Euro. Der Mann offenbarte sich jedoch der Polizei. Nachdem dieser angebliche Killer schließlich im Auftrag der Fahnder Wolf mitgeteilt hatte, der Auftrag sei ausgeführt, wurde der Ex-Minister am 28. Juli vergangenen Jahres in Berlin verhaftet.

"Ich weiß nicht genau, wie es mir geht"

In der Untersuchungshaft versuchte Wolf kurz darauf, sich umzubringen. Auf die Frage von Reportern, wie er sich nun vor Gericht fühle, sagte Wolf nur: "Ich weiß nicht genau, wie es mir geht." Vielleicht aber wollte er darüber - anders als zu seinen politischen Glanzzeiten - lieber gar nicht sprechen. Am nächsten Dienstag muss Wolf wieder auf der Anklagebank Platz nehmen.

dpa - Fotos: dpa


Zum SeitenanfangZum Seitenanfang

 Suche in RZ-Online

 RZ

Web


Schnee-Spaß Ski-Special



Sonderteil zur Bundesliga
Sonderteil zur Fußball-Bundesliga



Zuletzt geändert am 10. Januar 2002 11:45 von aj

» Artikel druckenDruckversion
» Schriftgröße einstellen
» Impressum