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Fr 11.01.2002
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Immer mehr "Techno-Hippies" feiern auf Goa-Partys:Trance mit Nepalhosen und Tee
Der Duft von Räucherstäbchen und süßlichem Patschuli liegt in der Luft. Ein monotoner, treibender Rhythmus wummert durch die mit Schwarzlicht-Installationen dekorierte Halle im Frankfurter Bahnhofsviertel. Die Bewegungen vieler Tänzer im "Space Place" erinnern an indianische Stammestänze, das Gros trägt dabei ein entspanntes Lächeln zur Schau. Überhaupt geht es trotz der drangvollen Enge sehr harmonisch zu. Rund 900 Leute vom Teenager bis zum Mittvierziger wollen an diesem Abend "Goa" hören: eine Mischung aus Technobeats, Rock- und Ethnoklängen. Immer mehr "Techno-Hippies", wie Goa-Fans genannt werden, tanzen sich auf Partys in Trance. Die Goa-Szene im Rhein-Main-Gebiet wächst stetig. Goa-Jünger werden älter Szene-Kenner Alex Sabo zufolge ist das Publikum bei Goa-Partys in der Regel nicht so jung wie bei anderen Techno-Veranstaltungen. "Goa-Leute sind die, die den Techno auch im späteren Leben noch mögen", sagt er. Auch im Kleidungsstil unterscheiden sich die Goa-Jünger vom normalen Raver: Statt teurer, figurbetonter Marken-T-Shirts und extrem weiter Synthetik-Schlaghosen dominieren Batikhemden, leichte weite Baumwollhosen aus Nepal, bunte Tücher und Amulette. Pause im "Chill Out Space" Wer eine Tanzpause machen will, wechselt in den "Chill Out Space", einen zweiten Raum, genau so groß wie die Tanzfläche, aber zum Entspannen gedacht. Ruhige, fließende Klänge, manchmal auch nur die Geräusche fließenden Wassers, schweben durch den Raum. An einem Stand kann man duftenden indischen Gewürztee, Räucherstäbchen, indianische Traumfänger und Ethnoschmuck kaufen. An den Wänden wabern von Projektoren erzeugte Lichtmuster, in der Mitte des Chill Out-Raumes stehen Sofas zum Abhängen. Ein weiterer Unterschied zur Techno-Szene: Es wird viel miteinander gesprochen. "Es ist wahnsinnig voll heute, und wenn Du irgendwo durch willst, musst Du drängeln. Da kommt in anderen Szenen schnell Aggressivität auf. Aber hier rempelst Du jemanden an und kriegst als Reaktion ein Lächeln", sagt einer der Veranstalter. Zu der entspannten Atmosphäre tragen sicher auch die "Zauberpilze" bei: Pilze, die eine Art natürliches LSD enthalten und von vielen als Rauschmittel gegessen werden. "The Doors", "The Grateful Dead" oder "Pink Floyd" Der Goa-Sound ist noch relativ jung. Er entstand Ende der 80er Jahre in Indien, genauer: in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Goa an der westindischen Küste. Dort hatte eine Hippie-Aussteiger- Szene überlebt, die am Strand Psychedelic Music-Partys feierte. Als Psychedelic Music werden die Sounds bezeichnet, die Gruppen wie "The Doors", "The Grateful Dead" oder "Pink Floyd" Mitte der sechziger Jahre erzeugten - meist von Drogen inspirierte Klangexperimente, die das Bewusstsein erweitern sollten. Touristen brachten Ende der 80er Jahre Technoklänge in die Hippie-Enklave Goa. Einige Alt-Hippies waren angetan von den elektronisch erzeugten Beats und mischten sie mit der Musik, zu der sie bislang getanzt hatten. Psychedelic Trance war geboren - landläufig Goa genannt. Einer der bekanntesten DJs der ersten Stunde ist der mittlerweile 50 Jahre alte Musiker Goa Gil. Mitte der 90er Jahre schwappte der Goa-Sound nach Europa. "Goa ist Philosophie"
Goa-Fans möchten getreu dem Hippie-Geist die Welt verbessern. Der Veranstalter im "Space Place" etwa, Stefan Ludley, finanziert mit einem Teil seiner Einnahmen gemeinnützige Einrichtungen, wie der sympathisch wirkende Rasta-Mann selbst sagt. "Wir wollen keine dicken Autos, sondern weltweit Kinder, die genug zu essen und einen Grund zum Träumen haben." Dieser Geist ist es auch, der den 23 Jahre alten Rene immer wieder auf Goa-Partys zieht. "Goa ist Philosophie. Wir sind eine große Familie. Bei uns geht es nicht so kommerziell zu wie bei anderen Techno-Partys." Die typische Goa-Party findet im Sommer im Freien statt. Das gemeinsame Erleben des Tanzens bis weit nach Sonnenaufgang ist es, was viele so fasziniert. Seit einigen Jahren gibt es im Winter auch Indoor-Partys. Goa-Hardliner schütteln darüber verächtlich den Kopf, denn Goa und geschlossene Räume passen ihrer Meinung nach nicht zusammen. Weniger puristische Goa-Fans verkürzen sich gern mit Clubveranstaltungen die Wartezeit bis zum nächsten Sommer. Dann reist die mobile Szene wieder durch ganz Deutschland und trifft sich auf Open-Air-Partys mit so klangvollen Namen wie "Lovefield", "Voov Experience" oder "Antaris Project". dpa |
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Zuletzt geändert am 11. Januar 2002 17:25 von to |
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