IVWPixel Zählpixel

  Kino    Musik    Lifestyle    Reise    Übersicht 

Home     Kontakt     Site Map  

[?] [an error occurred while processing this directive]

"Gut betucht" und "dufte":

Sinn und Unsinn in der Sprache

Anklicken zum Vergrößern

Dufte, das Adjektiv und Adverb, hat nichts mit Duft zu tun und betucht nichts mit Tuch. Das wissen vielleicht auch viele Sprachkundige nicht. Ebenso wenig, wie ihnen das Entstehen von pseudoenglischen Worten wie Musikbox und Twen bekannt ist.

Immerhin haben das Interesse für Sinn und Unsinn in der Sprache und ihre Thematisierung zugenommen. Die Entwicklung und der Wandel von Worten und ihren Bedeutungen, auch durch neue fremde Einflüsse, haben die sprachliche und sprachhistorische Aufmerksamkeit verstärkt.

Unter den Spezialisten für solchen Wandel ist der Linguistikprofessor Christoph Gutknecht von der Universität Hamburg. "Wortgeschichten" sind das Thema seines neuen Buchs "Lauter blühender Unsinn" (Verlag C.H. Beck, 227 S., 9,90 Euro, ISBN 3406475574). Zu "gut betucht" verweist er auf die so lautende Überschrift eines Modeberichts zu einer neuen Art von Kopftuch. Betucht hat allerdings nicht mit Textilien zu tun, sondern mit Geld. Es ist vom hebräischen Wort für sicher, zuverlässig abgeleitet: batuach. Also: Nicht jede Frau mit einem Kopftuch muss auch gut betucht sein.

Viele Beispielen aus der Sprachpraxis

Ein anderes von Gutknechts vielen Beispielen aus der Sprachpraxis: Eine Modernisierungsfirma empfiehlt den Einbau neuer Fenster mit den Worten, als Mieter empfinde man es als angenehm, wenn es nicht mehr "zieht wie Hechtsuppe". Diese gängige Redensart hat höchstwahrscheinlich nichts damit zu tun, dass Suppe aus Hechtfleisch lange ziehen muss. Eher dürfte sie aus dem Jiddischen kommen. Da bezeichnet hech supha einen starken Wind.

Viele andere gängige Wendungen gehen ebenfalls auf Jiddisches zurück. So etwa "in den Miesen sein" - auf dem Bankkonto oder beim Kartenspiel. "Dufte" hat nichts mit duftig zu tun, sondern mit dem Jiddischen tow (= gut). Duftig dürfte aber die Eindeutschung begünstigt haben. Auch die Werbung eines Parfümerieunternehmens machte sich den Anklang kürzlich mit dem Wortspiel "Dufte Geschenkideen zum Muttertag" zu Nutze.

"Schmuser" ist ursprünglich ein Gauner

"Jeder Reibach hat ein Ende", konstatierte im vergangenen Jahr eine Zeitung beim "Aufstand" der Kleinaktionäre nach dem Verfall der Aktienkurse. Reibach im Sinne von Gewinn, Profit stammt aus der Gaunersprache. Das gilt auch für den "Schmu", den leichten Betrug. Hierher gehört auch der "Schmuser": ursprünglich der Gauner, der jemand durch allerlei Geschwätz ablenkte, damit er oder ein Komplize unbemerkt stehlen konnte. In der heutigen Bedeutung "schmusen" hat sich das liebevolle Wort zur Liebeshandlung gewandelt.

Ein Beispiel für einen recht schillernden Gebrauch ist das schlichte Wort Nummer. "Die Aufgabe war für ihn eine Nummer zu groß", heißt es etwa, vielleicht in Ableitung aus dem Bekleidungsbereich. Ein Kompliment war, als es kürzlich in einem Sportbericht hieß "Die Russen sind eine Nummer für sich". Eine Zeitschrift wusste unlängst ganz genau: "Auch auf dem Couchtisch lässt sich eine Nummer schieben". Diese Art von Nummer ist sprachlich seit etwa 150 Jahren geläufig. Sie mag ihren Ursprung in mancher Zählweise in der Bordellwelt haben.

Sprachliche Probleme auch mit dem Geruch

Sprachliche Probleme gibt es gelegentlich auch mit dem Geruch. "Schlechter Geruch" kann in die Nase steigen. Es kann aber auch jemand in "schlechtem Geruch" stehen. Dieser Geruch hat nicht mit riechen zu tun, sondern mit Gerücht oder Ruf und Ruch, was dasselbe ist, da in Mundarten die Laute f und ch oft wechseln. Andererseits kann Fehlverhalten bekanntlich auch "stinken", so gibt es ja auch die Redensart "Eigenlob stinkt".

Ein Beitrag in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Ruhr-Universität Bochum "Rubin" zeigt auf, wie Sprichwörter dieser Art lange überdauern. Schon im biblischen "Buch der Sprüche" von König Salomo heißt es: "Lass dich einen andern loben, und nicht deinen Mund". Es gibt auch Neuinterpretationen. Johann Wolfgang von Goethe differenzierte: "Man sagt, eitles Lob stinket. Das mag sein; was aber fremder und ungerechter Tadel für einen Geruch haben, dafür hat das Publikum keine Nase". Neuerdings versuchen Stellenangebote mit dem Aufruf "Eigenlob stinkt - nicht bei uns" Bewerber zu Vorstellungsgesprächen zu bewegen.

Rudolf Grimm, dpa


Zum SeitenanfangZum Seitenanfang

 Suche in RZ-Online

 RZ

Web


 Was läuft im Kino? 

 Was läuft sonst? 


Schnee-Spaß Ski-Special



Zuletzt geändert am 24. Januar 2002 17:04 von to

» Artikel druckenDruckversion
» Schriftgröße einstellen
» Impressum