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Amüsante-bitteres Buch: Kullmanns "Generation Ally"

Allround-Kämpferin oder Lifestyle-Lusche?

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Katja Kullmann: "Generation Ally - Warum es heute so kompliziert ist eine Frau zu sein" - Eichborn Verlag, Frankfurt/M., 224 S., 14,90 Euro - (ISBN 3-8218-3918-x)

An ihrem 31. Geburtstag spendiert eine beruflich etablierte Single-Frau ihren Freunden in einer "angesagten" Bar ein paar Cocktails, geht dann allein nach Haus und guckt sich zum Einschlafen auf Video "Ally McBeal" an. Auch in dieser Folge scheitert die überdrehte US-Anwältin auf der Suche nach einem Mann mit Herz, Kopf und Sexappeal - und das Geburtstagskind, diagonal in seinem 1,40 Meter breiten Bett liegend, schläft ein mit dem beruhigenden Gefühl: Ich bin nicht allein.

"Generation Ally" hat Katja Kullmann diese weiblichen "Thirty-Somethings" genannt, die zwischen 1965 und 1975 geboren sind, und ihnen - aber nicht nur ihnen - ein amüsantes und auch bitteres Buch gewidmet.

Vergleiche zu Florian Illies' Bestseller "Generation Golf" liegen schon vom Titel her nahe. Allerdings hat sich die Journalistin Kullmann, Jahrgang 1970, ihre weibliche Zielgruppe wesentlich genauer angeschaut und geht über das bei Illies vorherrschende Namens- und Marken-Dropping hinaus. Sie will nichts weniger als die Misere der gut ausgebildeten, engagiert arbeitenden und dennoch an sich selbst und dem Karriere-Kind-Drama verzweifelnden Frauen sezieren.

Dazu geht sie bis in die 70er Jahre und ihre eigene, wohlsortierte Kindheit mit Hausfrau-Mutter zurück. Eine Jugend in den 80ern folgte: Und damit ein Hin- und Hergerissensein zwischen Marken-Kult und Ökobewusstsein, Popper-Hedonismus und Grunge-Attitüde, Weltkriegsangst, Lebenslust und Friedensbewegung.

Survival of the fittest, lautete die Devise

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Heraus kam eine Heerschar von selbstbewussten und meist bereits in mehreren Ego-Style-Varianten erprobten Abiturientinnen, die ihren Weg in Studium und Beruf mit Durchsetzungskraft gehen wollten. Survival of the fittest, lautete die Devise, und für das Gros von ihnen war "Frauenquote" ein Art Schimpfwort und Feminismus so attraktiv wie ein Döner mit ordentlich Tsatsiki. "Müffelt übel, abgestanden, peinlich", schreibt Kullmann. Doch wie unangenehm ist das Erwachen einige Jahre später, als sich ehedem minderbemittelte Studienkollegen auf den natürlich höher dotierten Posten finden - womöglich noch als eigener Chef, der einem im Vorstellungsgespräch die Gretchenfrage stellt: Sag, wie hältst Du's mit dem Kinderwunsch?

Irgend etwas ist da schief gelaufen

Spätestens hier, so räsoniert Kullmann, fällt der Groschen: Irgend etwas ist da schief gelaufen mit dem weiblichen Marsch durch die Institutionen. Und auch im durchdesignten Privatleben läuft längst nicht alles nach Plan. Als Vertreterin der "Generation Ally" ist man gewohnt, sich die eigene Identität aus vorgefertigten Angeboten zusammenzusetzen. Hier ein bisschen Girlie, dort ein bisschen Indie, dazu etwas Meisterköchin, Sporthasserin oder Flipperqueen, fertig ist der Ego-Cocktail. Doch zeigt es sich, dass diese oftmals auseinander strebenden Facetten, gekrönt von einem Sahnehäubchen unbedingten Freiheitsdrangs, in einer Partnerschaft nur schwer auszuleben sind - auch wenn da gleichzeitig der Wunsch nach der großen und vielleicht sogar ewigen Liebe ist.

Biologische Uhr schickt "Killer-Karrieristinnen" in "Teilzeitfalle"

Tickt dann erst einmal die biologische Uhr vernehmlich, so geraten auch viele "Killer-Karrieristinnen" erst an einen dicken Bauch und dann in die "Teilzeitfalle". Zu wenig gesetzlich vorgesehene Väterpflichten, zu wenig Kinderbetreuungsplätze - da werden die vielbeschworenen "neuen Mütter" berufstechnisch letztlich doch schnell ausgebremst. Zumindest wenn sie nicht Madonna heißen, Kinder vor allem als Teil ihres Lifestyle-Konzepts sehen und von Nannys versorgen lassen. Der Kragen platzt so manch einer "Ally" jedoch - und Kullmann ganz besonders -, wenn sie nicht nur Männer, sondern auch eine spezielle Gattung Frauen an sich vorbeiziehen sieht: Neuerdings "Luder" genannte Weibchen a la Verona Feldbusch, deren Naivität möglicherweise nur Erfolgsstrategie ist. Darüber kann man zetern, darüber könnte man aber auch lachen - Kullmann tut mit ersterem Jenny Elvers und Co. zu viel der Ehre an.

Prägnant und witzig, schnodderig und streitbar

Pragmatische Kämpferin oder unpolitische Lifestyle-Lusche - "Generation Ally" ist ein Thema in unzähligen Variationen. Viele potenzielle "Allys" haben das alles so ähnlich schon in unzähligen Kolumnen gelesen, von "Cosmopolitan" bis "Emma". Dennoch dürften sie es so prägnant und witzig, so schnodderig und streitbar doch noch nicht gelesen haben. Und sie legen schmunzelnd das Buch zur Seite und schlafen ein mit dem beruhigenden Gefühl: Wir sind nicht allein.

Andrea Barthelemy, dpa


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Zuletzt geändert am 6. Februar 2002 13:06 von to

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