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Karneval in Rio lenkt Millionen vom Elend ab:

Die "Größte Party der Welt"

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Samba, Pomp und nackte Haut: Karneval in Rio.

Rio de Janeiro - Rossana bekommt leuchtende Augen, wenn sie an die bevorstehenden tollen Tage denkt. Mit den Ersparnissen eines ganzen Jahres hat sich die fünffache allein erziehende Mutter und Putzfrau ein umgerechnet 200 Euro (391 Mark) teures Kostüm gekauft, mit dem sie bei der weltberühmten Karnevals-Parade in Rio de Janeiro auffallen will.

"Karneval verdrängt meine Traurigkeit und gibt mir Kraft für den Rest des Jahres", sagt die 30-jährige Mulattin, die im Slum unweit des Tijuca-Viertels wohnt. Die "größte Party der Welt", wie der Karneval zu Recht getauft wurde, lenkt in Rio Millionen vom Alltagselend ab.

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Entstanden ist der Karneval im 17. Jahrhundert in Brasilien, als die aus Afrika gebrachten Sklaven das Recht bekamen, ein paar Tage im Jahr ausgelassen zu feiern und ihre Herren mit Liedern offen zu kritisieren. Den befürchteten Aufständen sollte so vorgebeugt werden. In der Hinsicht hat sich bis heute wenig geändert. Rossana vergisst dank des Karnevals, dass sie mit einem Mindestgehalt von 180 Real (etwa 90 Euro) auskommen muss, dass sie im Bus und auf der Straße mehrfach überfallen wurde und ihr Bruder von den Drogen-Banden, die die "Favela"-Slums beherrschen, vor kurzem erschossen wurde.

"Das ist doch ein ewiger Orgasmus"

"Solange es in Brasilien Karneval gibt, wird es hier nie eine Revolution geben, das ist doch ein ewiger Orgasmus", sagte der berühmte peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa bei einem Karnevalsbesuch 1999 ebenso treffend wie kritisch und bewundernd. Der Umzug zieht gekrönte Häupter, Politiker, Intellektuelle und Filmstars zum Zuckerhut. Für die diesjährigen Paraden haben sich unter anderen Arnold Schwarzenegger, Jim Carey und Liv Tyler angesagt. Die meisten von ihnen dürften kaum ahnen, dass der Umzug im Karnevalsstadion "Sambodrom" vor jeweils 70 000 Zuschauern und Millionen vor den TV- Geräten nicht nur "Opium fürs Volk", sondern auch Sozialarbeit ist.

In einer alten Werkhalle in Tijuca klebt der 15-jährige Joao dieser Tage trotz brütender Hitze Papierstreifen auf eine riesige Holzfigur. Hunderte von Männern, Frauen und Jugendlichen nähen, malen und schneiden in der Samba-Schule Salguero rund um die Uhr an Kostümen und Allegorie-Wagen.

"Karneval hat mich von der Straße geholt"

"Das wichtigste für mich ist, dass Karneval mich von der Straße geholt hat", meint Joao, der bis vor wenigen Jahren drogenabhängig und Scherge der Drogenmafia war. Die 14 Samba-Schulen ("Escolas"), die bei der Parade im Wettkampf gegeneinander antreten, haben ausnahmslos in den Slums ihre Wurzeln. Salguero beschäftigt das ganze Jahr über nicht nur rund 300 fest angestellte Mitarbeiter zur Vorbereitung der Parade. Mit den im Karneval eingenommenen Geldern organisiert die Schule Gratiskurse in Lesen und Schreiben, Informatik und Sprachen.

"Immer mehr Arme werden verbannt"

"Karneval ist zu professionell geworden, immer mehr Arme werden von der Parade verbannt, während Reiche und Ausländer die Plätze besetzen", klagt der Gouverneur des Landes Rio, Anthony Garotinho. Viele kehren dem Karneval in Rio auch freiwillig den Rücken und fahren einfach weg. Denn sie wollen nicht, dass ihre Frauen von Fremden belästigt werden.

Sorgen bereiten in diesem Jahr auch eine Denguefieber-Epidemie, die in Rio bereits sieben Todesopfer gefordert hat, und die Wettervorhersage: An den Karnevalstagen soll es heftig regnen.

dpa - Archivfotos: dpa, AP


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Zuletzt geändert am 8. Februar 2002 10:54 von aj

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