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Chaostage in Köln: Manager tritt zurück, kein Trainer in Sicht

Hilferuf an Overath und Thielen

Köln - Beim 1. FC Köln herrscht Chaos, Resignation und Endzeitstimmung: Der dreimalige deutsche Fußball-Meister steht zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte vor dem bitteren Gang in die zweite Bundesliga. Zwei Wochen nach dem Rauswurf von Trainer Ewald Lienen wurde nun außerdem der Rücktritt von Sportmanager Hannes Linßen vollzogen.

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Nimmt seinen Hut: FC-Manager Hannes Linßen.

"Wir haben uns darauf verständigt, die Zusammenarbeit zu beenden", erklärte Vereins-Präsident Albert Caspers vor einigen Pressevertretern. Der 52-jährige Linßen hatte bereits zuvor seine Demission angeboten: "Ich nehme alles auf mich und gehe."

Horstmann übernimmt das Zepter

Hauptgeschäftsführer Claus Horstmann, Westfale, ehemaliger Zeitsoldat und Finanzmanager des Klubs, übernimmt kommissarisch auch die Manageraufgabe. Seine vordringlichste Aufgabe: Die Suche nach einem neuen Cheftrainer, der den erfolglosen Interimscoach Christoph John ablöst. Horstmann: "Wir suchen einen Trainer, gefunden haben wir ihn noch nicht."

Overath soll Teamchef werden

In Köln rufen sie unterdessen in ihrer Verzweiflung nach Karl-Heinz Thielen und Wolfgang Overath. Folgendes Modell wird diskutiert: Der ehemalige Vize-Präsident Thielen soll als Sportdirektor fungieren, der einstige FC-Mittelfeldregisseur Overath könnte als Teamchef die Mannschaft übernehmen.

"Abstieg wäre eine Katastrophe"

Overath, 81-maliger Nationalspieler und Weltmeister von 1974, nannte einen erneuten Abstieg "eine absolute Katastrophe. Wenn das passieren würde, woran wir im Moment noch nicht glauben, dann würde die Euphorie der letzten zwei Jahre nicht so schnell wiederkommen". Auch für die Stadt, die sich als WM-Austragungsort 2006 beworben hat und 2004 die neue Fußball-Arena präsentieren will, "wäre die Zweitklassigkeit ganz, ganz schlimm", äußerte der frühere FC-Star, der sich allerdings bislang bei der Vergabe von Klub-Ämtern stets dezent zurückgehalten hatte.

Christoph Daum ist kein Thema

Der von den Fans vehement geforderte Trainer Christoph Daum wird dagegen nicht zum "Geißbockheim" zurückkehren. Der 48-Jährige war 1990 beim FC entlassen worden, eine erneute Verpflichtung in Köln kommt nicht in Frage. "Es gibt eine Grundsatzentscheidung des Präsidiums, und die lautet, dass Christoph Daum für uns nicht in Frage kommt. Schließlich läuft ein Prozess gegen ihn", sagte Horstmann. Der Kokain-Prozess gegen Daum in Koblenz wird noch mehrere Wochen andauern.

Chaos in der Führungsetage

In der Führungsetage herrscht derweil das blanke Chaos. Caspers selbst war nach dem erneuten 0:4-Debakel am Sonntag beim Hamburger SV in die Schusslinie der Kritik geraten. Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende von Ford hatte die Klub-Führung 1997 übernommen. Allerdings fehlt ihm die Fußball-Kompetenz, er ließ den "Fachleuten" Linßen und Lienen weitestgehend freie Hand. Ein fataler Irrtum. In seiner Verzweiflung bot er in Hamburg seinen Rücktritt an ("Wenn ich es bin, an dem es liegt, dann würde ich zurücktreten"), ließ aber schon am Montag alles wieder dementieren.

In der Trainerfrage herrscht beim FC derweil Ratlosigkeit. Wunschkandidat Frank Pagelsdorf sagte ab, der 44-jährige Fußball-Lehrer scheute das FC-Himmelfahrtskommando. Beim erneuten "Krisengipfel" am Karnevalsdienstag war nur noch Friedhelm Funkel auf dem Markt. Vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen weiß aber niemand, wie nach fast 13 Stunden ohne Bundesligator (779 Minuten) der Hebel noch einmal umgelegt werden kann. Zumal der französische Neuzugang und Stürmer Lilian Laslandes nach seiner Roten Karte in Hamburg vom DFB-Sportgericht für drei Pflichtspiele gesperrt wurde.

Auflösungserscheinungen deuten sich an

Innerhalb der Mannschaft gibt es erste Auflösungserscheinungen. Die Junioren-Nationalspieler Hanno Balitsch und Christian Timm besitzen jeweils nur Verträge für die erste Liga. Sie würden den Klub im Falle des Abstiegs verlassen. Der 1. FC Kaiserslautern bzw. Hertha BSC Berlin sind als mögliche neue Arbeitgeber bereits im Gespräch. Marc Zellweger und Rigobert Song sowie Laslandes, der letzte Fehleinkauf der Ära Lienen/Linßen, dürften ebenfalls weg sein, sollte der Klassenerhalt verpasst werden. Perspektiven kann der Klub derzeit weder einem Trainer noch einem Sponsor bieten. Die VPV-Versicherungen steigen zum Saisonende 2002 aus, ein Nachfolgeunternehmen ist nicht in Sicht. Endzeitstimmung beim FC.

Von Christoph Fischer, sid - Foto: dpa

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Zuletzt geändert am 12. Februar 2002 13:59 von sab

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