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Berlinale: Emotionen um Hochhuth-Verfilmung "Amen. Der Stellvertreter"

Das schreckliche Schweigen des Papstes

"Amen"-Szene mit Ulrich Tukur

Berlin - Mit seinen Priestern besitzt "der Vatikan den größten Geheimdienst der Welt". Das behauptet ein zynischer SS-Mann in dem Film "Amen. Der Stellvertreter" von Constantin Costa-Gavras, der am Mittwoch im Wettbewerb der 52. Berlinale zu sehen war.

Trotz ihres Wissens um die Vorgänge in den Konzentrationslagern habe die Kirche nicht interveniert, meint der in Frankreich lebende griechische Regisseur. In seinem Film, basierend auf Rolf Hochhuths berühmtem Theaterstück, geht es um "das schreckliche Schweigen" der Katholischen Kirche zum Mord an sechs Millionen Juden.

Für einen Moment flammt die alte Debatte wieder auf

Das Thema bleibt heiß: Diskussionen und Ehrungen um "Amen" - hier überreicht Berlinale- Chef Dieter Kosslick (l) dem Regisseur Constantin Costa- Gavras (M) die Berlinale Kamera (rechts Armin Mueller Stahl)

Nicht länger schweigen konnte bei der anschließenden Pressekonferenz ein freundlicher alter Herr mit Tonsur, der sich als Journalist von "Radio Vaticano" zu erkennen gab. Wortreich beklagte er, dass die Filmemacher nicht alle Dokumente über die Rolle der Kirche während des Zweiten Weltkriegs beachtet hätten. Für einen Moment schien die Debatte wieder aufzuflammen, die schon 1963 bei der Erstaufführung von Hochhuths Drama die Gemüter erhitzt hatte. Der deutsche Dramatiker, ebenfalls auf der Pressekonferenz anwesend, erwiderte: "Es wäre unmöglich gewesen, den Holocaust fortzusetzen, wenn Pius XII nur ein Wort gesagt hätte."

Katholische Kirche will gerichtlich gegen Filmplakat vorgehen

In Frankreich will die Katholische Kirche gerichtlich gegen das Filmplakat vorgehen, bei dem auf einem roten Hakenkreuz der Filmtitel "Amen" steht. "Amen. Der Stellvertreter" erzählt die wahre Geschichte des Wissenschaftlers Kurt Gerstein (Ulrich Tukur), zuständig für die Beschaffung von Zyklon B und das Funktionieren der Gaskammern, der unablässig versucht, das Ausland und den Vatikan über den Massenmord an den Juden zu informieren. Unterstützung bekommt er von einem jungen Priester (Mathieu Kassovitz), der mehrmals bei Papst Pius XII vorstellig wird und sich immer spitzfindigere Argumente anhören muss, warum der Papst nicht sein Wort erhebt.

Redliche und nüchterne Umsetzung von Hochhuths Drama

In seiner redlichen und nüchternen Umsetzung von Hochhuths Drama zeigt Gavras den verzweifelten Wettlauf gegen die Zeit, bei dem Gerstein und der Priester vergeblich gegen verschlossene Türen anrennen und niemand, weder die Amerikaner noch Freunde und schon gar nicht die Katholische Kirche, ihnen Gehör schenken. Derweil, das zeigt der Film, fahren unablässig Viehwaggons von West nach Ost, vollbeladen mit "Einheiten", wie die Organisatoren des Holocaust die deportieren Juden nennen.

"Guckt nicht feige weg"

Wie sehr das Thema immer noch bewegt, bewies auch eine Zuhörerstimme, die Gavras des "Verrats an den Juden" beschuldigte, weil er aus einem politischen Diskurs einen "Kostümfilm" gemacht habe. Empörung auf dem Podium und im Publikum: "Ein Film ist etwas anderes als ein Theaterstück" verteidigte Hochhuth den Regisseur und bescheinigte ihm, das "Maximum" bei der Umsetzung des Textes in Bilder geleistet und die mehr denn je aktuelle Kernaussage bewahrt zu haben: "Guckt nicht feige weg".

Birgit Roschy, AP


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Zuletzt geändert am 14. Februar 2002 11:54 von to

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