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18. Verfilmung von Johanna Spyris Roman "Heidi"

Verirrt zwischen Alm und Asphalt

120 Jahre hat `Heidi", der berühmte Kinderroman von Johanna Spyri, schon auf dem Buckel. Höchste Zeit also für eine Radikalkur dieser altmodischen Geschichte vom Naturkind, das sich auf hartem Großstadtpflaster zurechtfinden muss.

Der Schweizer Markus Imboden, ein Landsmann von Spyri, `beamt" in seiner am 21. Februar in den Kinos anlaufendem `Heidi"-Version das arme Mädchen in die computerisierte Konsumwelt des 21. Jahrhunderts - oder was man sich darunter so vorstellt.

Mailen statt Melken

Die `upgedatete" Heidi, gespielt von Cornelia Gröschel und älter als im Roman, lebt ihrer verwitweten Mutter in einem Alpendorf. Gleich zu Beginn wird sie von ihrem neuen Freund Peter in die Kunst des E-Mailens eingeweiht. Von da an weiß man schon, warum Heidi sich aufs Mailen statt aufs Melken konzentriert, und warum Spyris `Geißenpeter" zum trendbewussten Schnösel mutieren musste, dessen amerikanische Eltern ausgerechnet in das abgeschiedene Schweizer Dorf gezogen sind: die elektronische Post wird als dramaturgische Krücke zum Überwinden von Lücken in der Story dienen.

Nach dem düster ausgewalzten Tod der Mutter zieht Heidi zum widerstrebenden Alm-Öhi (Paolo Villaggio), ein beängstigend grimmiger Opa. Noch schlimmer ist die dominahaft gestylte Tante Dete (Marianne Denicourt) mit ihrer schwarzen Lederkluft, die Heidi, gerade als sie sich mit dem alten Zausel angefreundet hat, nach Berlin schafft. Dort wird Heidi jedoch von ihrer verzogenen Kusine Clara aus dem Haus geekelt. Es sollte Imboden eigentlich zu denken gegeben haben, dass die süßliche und platt animierte japanische Heidi-Version aus den Siebzigern nach wie vor ein Dauerbrenner bei Kindern ist.

Regisseur überzieht zu sehr

In seiner Abneigung gegen Heidis Image hat er ins Gegenteil übertrieben: Heidi haut ab, schläft unter Zeitungen, bettelt, wird von Straßenkindern angegriffen. Hilfe kommt, logisch kaum nachvollziehbar, via Internet-Cafe und E-Mail. Bei den Vorführungen des Films auf einem Kinderfilmfestival begeisterte die Kleinen am meisten jene Szene, in der Heidi ihrem verlotterten Alm-Öhi im Freien vor der Hütte eine heiße Dusche bereitet, bei der der Alte stolz seinen Bauch über seinen Fritz-Walter-Gedächtnisshorts vorwölbt.

Beängstigend: Tante Dete als Karrieretussi

Solche liebevoll ausgemalten Szenen sind die Ausnahme: Details vom Leben in der Natur, wie Heidis Zuneigung für des Alm-Öhis putzige Zicklein, kommen wegen des kopflastigen Asphalt-Melodrams zu kurz, das ebenso wenig `realistisch" ist wie Spyris heile Welt. Der hervorstechendste Schwachpunkt ist Dete, Zerrbild einer hektischen Karrieretussi, die Clara vernachlässigt. Dabei sind die Lebensumstände der reichen Modedesignerin, deren Atelier sich direkt unter ihrer luxuriösen Wohnung befindet, ideal für eine allein erziehende, arbeitende Mutter.

Um Claras Biestigkeit glaubwürdiger zu gestalten, fabrizieren die Drehbuchautoren einen doppelten verdrängten Vaterkonflikt, der die Handlung noch schwerfälliger macht. Skandinavische Regisseure machen seit langem vor, wie man Kinder und Natur ohne Kitsch zusammenbringt. Imboden dagegen verzichtet von vorneherein darauf, die Erfahrungen von Heidi in der abgeschiedenen Alpenwelt überhaupt zu illustrieren. Durch die Überfrachtung mit verquaster Sozialkritik und Schmalspur-Psychologie wird dieser Film aber weder lehrreicher und schon gar nicht unterhaltsamer.

Birgit Roschy, AP


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Zuletzt geändert am 19. Februar 2002 11:23 von to

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