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Bernhard Jagoda im Porträt:

Der Sturm war zu stark

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Nürnberg - Erst ganz zuletzt verlor Bernhard Jagoda, was er sich in gut neun Jahren als Präsident der Bundesanstalt für Arbeit quasi als Markenzeichen aufgebaut hatte: seine ungebrochene Zuversicht.

"Ich bin in einer schwierigen Situation", sagte er am Mittwoch, bevor er sich dem Sozialausschuss des Bundestags stellte. Diese Äußerung war untertrieben - sein Rückzug aus dem Amt stand wohl bereits fest, schon am Donnerstag verkündete Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) im Bundestag einen personellen Neuanfang der Bundesanstalt ohne Jagoda.

Zum Verhängnis werden dem 61-Jährigen ausgerechnet die Vermittlungen von Arbeitslosen, auf die er unermüdlich und mit einigem Stolz verwiesen hatte. Vor zwei Wochen, kurz nachdem die Vorwürfe des Bundesrechnungshofs über geschönte Vermittlungsstatistiken öffentlich wurden, glaubte er noch, die Affäre durchzustehen: "Ein Kapitän geht, wenn Sturm ist, nicht von der Brücke. Und jetzt ist Sturm", sagte Jagoda.

Die schlummernde Bombe im Schreibtisch

Doch wurde der Druck zu stark, nachdem nach Grünen und FDP auch die SPD von Jagoda abrückte. "Erneuerungswillen und Gestaltungskraft sehe ich bei Jagoda nicht", sagte etwa der Vize-Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Franz Thönnes. Für den von Bundeskanzler und SPD-Chef Gerhard Schröder geforderten Umbau der Behörde galt Jagoda zunehmend als der falsche Mann. Der eigene Vorstand legte ihm als Schwäche aus, den Bericht des Rechnungshofs zwei Wochen unter Verschluss gehalten zu haben. "Es kann nicht sein, dass 14 Tage lang eine solche Bombe im Schreibtisch schlummert" sagte der Vorstandschef der Behörde, Christoph Kannengießer, der Jagoda als einer der ersten zum Rückzug drängte.

Der Präsident habe mit seinem Vorgehen versucht, seine Mitarbeiter zu schützen, erklärt einer seiner engsten Vertrauten. Auf die 90.000 Beschäftigten der Behörde, die von außen nicht nur wegen der monströsen Hauptverwaltung in Nürnberg als Koloss wirkt, ließ Jagoda nichts kommen. Fast reflexartig stellte sich der Behördenchef vor seine Mitarbeiter, als der Rechnungshof unterstellte, sie würden ihre Arbeitsleistung weit übertrieben darstellen: Schließlich seien sie "an einem sozialen Brennpunkt" eingesetzt, argumentierte ihr Chef.

Erstmals muss ein BA-Chef vorzeitig gehen

Dass ein Präsident der Bundesanstalt für Arbeit vorzeitig gehen muss, ist einmalig in der Geschichte der Behörde, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Noch im November, als es um die Verlängerung seiner achtjährigen Amtszeit ging, galt der CDU-Politiker Jagoda als unumstritten. Der SPD-Politiker Riester erteilte Ambitionen von Sozialpolitikern aus der eigenen Partei, etwa von Rudolf Dreßler, auf den Chefsessel eine Absage.

Über mangelnde Loyalität des Präsidenten konnte sich die Bundesregierung nie beklagen. Kritische Äußerungen zur Arbeitsmarktpolitik der rot-grünen Bundesregierung ließ sich Jagoda kaum entlocken. Das war unter der unionsgeführten Regierung freilich nicht anders gewesen. Vorgaben und Ideen wie die "Green Card" für ausländische Computer-Fachleute setzte Jagoda rasch und ohne großes Aufsehen um.

Arbeitslosigkeit in neun Jahren kaum gesenkt

An der hohen Arbeitslosigkeit vermochte Jagoda aber wenig zu ändern. 4,82 Millionen übernahm er im Januar 1993 inmitten der tiefen Rezession in Deutschland von seinem Vorgänger Heinrich Franke. Nur gut eine halbe Million darunter lag die letzte Zahl, die er jetzt Anfang Februar vermelden durfte. Angesichts dessen war der Plan zum Scheitern verurteilt, wonach sich die Bundesanstalt 2002 ohne Zuschuss aus der Bundeskasse würde selbst finanzieren können.

Gegen die Vorwürfe verkrusteter Strukturen hatte Jagoda die Arbeitsverwaltung stets beharrlich verteidigt - nicht ohne an ihnen zu arbeiten. Vom Missbrauch der Arbeitslosen-Unterstützung wollte er nichts hören. Auch Hinweise aus der Wissenschaft und der Politik, nur die Hälfte der registrierten Arbeitslosen suche überhaupt wieder eine Beschäftigung, ließ der Herr über die 181 Arbeitsämter nicht als Ausrede gelten. Die Arbeitsämter müssten versuchen, alle zu vermitteln, Arbeitgeber könnten nicht nur "Olympioniken" erwarten, wiederholte der als "Gesundbeter der Nation" apostrophierte Behördenchef fast gebetsmühlenartig.

Renommee als CDU-Bundestagsabgeodneter erworben

Renommee hatte sich Jagoda als CDU-Bundestagsabgeodneter erworben. 1987 holte ihn der damalige Arbeitsminister und Parteifreund Norbert Blüm, der inzwischen in der TV-Rateshow "Was bin ich?" auftritt, als Staatssekretär. Der in Oberschlesien geborene Jagoda hatte zunächst nur die Volksschule besucht und erst als Verwaltungsbeamter im hessischen Treysa (heute Schwalmstadt) in der Abendschule die Mittlere Reife nachgeholt.

Reuters - Archivfoto: AP

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Zuletzt geändert am 21. Februar 2002 16:29 von aj

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