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Mi 27.03.2002
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Frauen Afghanistans hoffen auf neue Freiheit:Kabul lüftet den SchleierKabul - Die drei Frauen in Kabul stehen vor ihren Häusern, und sie lachen. Die Lippen sind rot bemalt, die geschminkten dunklen Augen strahlen. Den hellblauen Schleier haben die Frauen der Volksgruppe der Hasara über den Kopf nach hinten geworfen und tragen stolz ihre kleinen Kinder auf dem Arm. Der jahrelang durch ein enges Stoffgitter der Burka vernebelte Blick ist wieder klar auf die Außenwelt gerichtet. Nach der Vertreibung der radikal-islamischen Taliban aus Afghanistan und nach dem Ende der sechsjährigen Schreckensherrschaft der Koran-Schüler über das afghanische Volk, hoffen die Frauen auf eine neue Freiheit. Doch noch nehmen sich nur wenige Frauen die Freiheiten, die ihnen die Regierung unter dem westlich geprägten Paschtunen-Fürst Hamid Karsai anbietet. In den quirligen Straßen der afghanischen Hauptstadt sind Frauen mit unverhülltem Gesicht eine Ausnahme. Die meisten gehen wie zur Zeit der Taliban eingehüllt in die blaue oder graue Burka auf die Straße. "Die Frauen sollten selber entscheiden dürfen, ob sie die Burka tragen wollen oder nicht", sagt die Lehrerin Rogol. "Viele Frauen haben Angst, dass die Repressionen nicht vorüber sind." "Ich fühle mich dann sicherer" Rogol ist wie andere Lehrerinnen aufgefordert worden, die Burka zum Beginn des neuen Schuljahres abzulegen. Doch auch sie trägt das himmelblaue Faltengewand mit der engen Kopfhaube und dem Stoffgitter vor den Augen, wenn sie auf die Straße geht. "Ich fühle mich dann sicherer." Die Erinnerung an den Bürgerkrieg nach dem Abzug der Sowjets Anfang der 90er Jahre, in dem alle Seiten folterten, töteten und vergewaltigten - auch die Parteigänger der jetzigen Machthaber - ist nicht verblasst. Auf den Straßen Kabuls stehen mit Kalaschnikows bewaffnete Männer in Tarnuniformen herum. Es ist nicht immer klar, ob sie zu den Sicherheitskräften der neuen afghanischen Regierung gehören. Dass eine Frau allein auf die Straße geht, ist durchaus keine Selbstverständlichkeit in Kabul. In den Vororten und in den nahen Dörfern sitzen verhüllte Frauen in Gruppen auf den hohen Mauern ihrer Häuser aus ockerfarbenen Lehmziegeln. Verlassen dürfen sie die Häuser nur, um zum nächsten Brunnen zu gehen und Wasser zu holen. "Die Mädchen legen mit zwölf Jahren den Schleier an und werden manchmal schon mit 14 Jahren verheiratet", sagt die Lehrerin Rogol. Der Vater sucht den Bräutigam aus. Eine Liebesheirat ist für viele junge Frauen undenkbar. Gleichberechtigung in der Verfassung von 1964 Afghanistan hofft auf den greisen König Sahir Schah, der jahrzehntelang im römischen Exil lebte. Übergangsregierungschef Karsai will die vom König eingeführte afghanische Verfassung von 1964 wieder durchsetzen. Darin ist die Gleichberechtigung der Frauen festgeschrieben. Auf diese Verfassung setzt auch die afghanische Frauenministerin Sima Samar. In ihr haben die afghanischen Frauen erstmals eine Anwältin in der Regierung. "Ohne die Beteiligung der Frauen wird Afghanistan kein fortschrittliches Land", sagt Samar. Frauen müssten das Recht auf eine freie Berufswahl bekommen und an der Bildung der neuen Regierung beteiligt werden, fordert sie. Mit dem Beginn des afghanischen Neuen Jahres und dem neuen Schuljahr soll auch die Universität wieder geöffnet werden - auch für Frauen. Doch Frauen und Mädchen haben unter den Taliban sechs Jahre Bildung und Schule verloren. Im Juni soll die traditionelle Stammesversammlung (Loja Dschirga) eine umfassendere Regierung für 18 Monate bilden. In jeder Stadt, in jeder Region, in jedem Stamm werden derzeit Abgeordnete ausgewählt. "Damit wir unsere Rechte durchsetzen können, müssen mindestens 25 Prozent der Loja Dschirga-Abgeordneten Frauen sein", so Samar. Neue Freiheit oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen |
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Zuletzt geändert am 27. Maerz 2002 12:04 von aj |
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