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Acht Tote bei Blutbad im Gemeinderat
Grafik: Die Pariser Vorstadt Nanterre
Psychologe: Amoklauf gehen meist Demütigungen voraus

Sportschütze läuft Amok mit drei Pistolen - Acht Tote und viele Verletzte

Blutbad im Gemeinderat von Nanterre

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Die Polizei sperrt den Tatort ab.

Nanterre - Beim Morgengrauen liegen die acht Toten noch im Rathaussaal von Nanterre, inmitten von Blutlachen und Patronenhülsen. "Der Täter ist methodisch vorgegangen, das hörte gar nicht auf", erzählt ein sozialistischer Ratsherr, der dem Massaker verletzt entkommen ist.

Premierminister Lionel Jospin sagt nach einer Besichtigung des Tatorts, der 33-jährige Täter habe "völlig unzusammenhängende" Aussagen gemacht. Mehrere Augenzeugen sprechen von einer Wahnsinnstat, die um 01.11 Uhr in der Nacht zum Mittwoch verübt wurde. Mit zwei Faustfeuerwaffen hat der Sportschütze nach einer mehrstündigen Ratssitzung auf die Abgeordneten und Bürger der Vorstadt im Westen von Paris geschossen.

Der Amokschütze hat eigenen Angaben zufolge aus persönlichen Motiven gehandelt: Er habe sich in seiner Haut "sehr unwohl gefühlt" und seinem Leben ein Ende setzen wollen, sagte der 33-jährige Richard Durn nach Angaben der Polizei am Mittwoch bei seiner Vernehmung in Paris.

"Ich musste jemanden töten"

Der Sportschütze sagte den Angaben zufolge weiter aus, er habe sich aus der Gesellschaft ausgeschlossen gefühlt und "existieren" wollen. "Dafür musste ich jemanden töten". Er habe Lust gehabt, "zu sterben und mein Leben zu beenden". Durn sollte noch in der Untersuchungshaft von einem Psychiater untersucht werden.

"Er war sehr ruhig; ich musste mitansehen, wie meine Nachbarn zusammenbrachen", sagt der sozialistische Ratsherr, der mit einer Schussverletzung am Arm ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Schilderungen der Überlebenden machen klar, dass es hätte noch schlimmer kommen können: "Als er zum zweiten Mal nachlud, stürzten sich ein paar kräftige Leute auf ihn und er wurde überwältigt", berichtet eine Frau, die dem Massaker nur um Haaresbreite entging. 20 Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht. Weitere 22 Zeugen der Bluttat werden psychologisch betreut.

Zwei Neun-Millimeter-Pistolen und eine Smith and Wesson

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Nach der Tragödie: Die Menschen trösten sich.

In der ersten Aufregung nach dem Gemetzel meinten einige Augenzeugen, der Mann habe mit einer Maschinenpistole geschossen. Am frühen Morgen erklärt jedoch die Polizei, der Täter sei ein Sportschütze und habe drei Faustfeuerwaffen bei sich getragen - zwei Neun-Millimeter-Pistolen des österreichischen Herstellers Glock und eine Smith and Wesson 357 Magnum. Der Polizei war der Täter, der bei seiner Mutter in Nanterre gemeldet ist, bislang nicht bekannt. Aber es gibt Hinweise, dass er in psychologischer Behandlung war. Die Teilnehmer der Sitzung erinnern sich, ihn schon häufiger in den Beratungen des Stadtparlaments gesehen zu haben.

Knapp vier Wochen vor den Präsidentschaftswahlen schießen nach dem Massaker von Nanterre sofort die Spekulationen ins Kraut, die Tat könne politisch motiviert sein. Schließlich richtete der Täter seine Todesschüsse auf gewählte Volksvertreter und unter den Toten sind mehrere kommunistische Ratsherren. Aber in den ersten Stunden nach dem Massaker gewinnt diese Hypothese keine klaren Konturen. Jospin spricht von einer "völlig unsinnigen Tat", auch der konservative Staatschef Jacques Chirac von "mörderischem Wahnsinn".

"Das ist eine Entgleisung in amerikanischer Manier"

Der liberale Präsidentschaftskandidat Alain Madelin erinnert daran, dass solche Taten meistens von der anderen Seite des Atlantiks vermeldet werden. "Das ist eine Entgleisung in amerikanischer Manier", sagt Madelin. Zugleich müssen aber viele daran denken, dass sich ein ähnliches Drama genau vor sechs Monaten im Schweizer Kanton Zug ereignete, als ein Einzeltäter im Kantonsrat vierzehn Volksvertreter erschoss und 14 andere Teilnehmer der Sitzung verletzte, bevor er Selbstmord verübte.

Täter schrie: "Tötet mich! Tötet mich!"

Der 33-Jährige aus Nanterre hat das von ihm angerichtete Gemetzel überlebt. Zwar schrie er nach dem Bericht eines Augenzeugen mehrfach: "Tötet mich! Tötet mich!" Aber er wurde am Ende von den Überlebenden überwältigt und von der Polizei zum Verhör nach Paris gebracht. Schon kurz nach dem Morgengrauen wird seine Wohnung durchsucht. Die Polizei stellt fest, dass er einen Waffenschein hatte und die tödlichen Schusswaffen korrekt gemeldet waren. Zwischen den Leichen in Nanterre sind Dutzende Ermittler damit beschäftigt, den genauen Hergang des Massakers zu rekonstruieren, das für immer mit dem Namen von Nanterre verbunden bleiben wird.

AFP - Fotos: dpa, AP


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Zuletzt geändert am 27. Maerz 2002 11:29 von aj

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