|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
Di 09.04.2002
|
"Hinter der Sonne" - poetisch-aufwühlende Familien-TragödieIm Teufelskreis der Traditionen
Brasilien, Anfang des 20. Jahrhunderts: Im sengenden Sonnenlicht rotiert monoton das riesige Rad einer Zuckerrohrmühle, dessen dunkle Silhouette sich unheilsvoll wie ein schwarzer Schatten am Himmel abzeichnet. Schwerfällig ziehen zwei Ochsen das ächzende Gespann, um das riesige Mühlrad anzutreiben, das Mensch und Tier unerbittlich in Trott hält. Im Teufelskreis alter Traditionen gefangen ist auch der junge Farmersohn (Rodrigo Santoro), der von seinem Vater (José Dumont) den Befehl erhält, den Tod seines älteren Bruders zu rächen. In seinem neuen Kinofilm "Hinter der Sonne" erzählt der preisgekrönte brasilianische Autor und Regisseur Walter Salles ("Central Station") in poetisch-aufwühlenden Bildern die Geschichte einer tragischen Familienfehde: eindringlich, emotional, ergreifend. Die Vorlage zu diesem Kinostoff lieferte der albanische Schriftsteller Ismail Kadaré mit seinem Roman "Der zerrissene April", den Salles in das staubige Binnenland Brasiliens verlegt. Produziert wurde "Hinter der Sonne" in brasilianisch-französisch-schweizerischer Koproduktion von dem sechsfachen Oscar-Preisträger Arthur Cohn ("Der Garten der Finzi Contini", "Sehnsucht nach Afrika"), der bereits als Produzent für "Central Station" verantwortlich zeichnete.
Roadmovie im Preishagel Mit diesem berührenden Roadmovie, das weltweit 55 Filmpreise gewann, darunter den Golden Bären sowie den Goldenen Globe für den besten fremdsprachigen Film, gelang dem brasilianischen Filmemacher 1998 sein internationaler Durchbruch. In seinem neuen Werk setzt sich Salles erneut mit Themen wie Vertreibung und der Suche nach Identität auseinander. Nach seiner Rachetat versucht der junge Held, mit der verfeindeten Familie über eine Beendigung der Blutfehde zu verhandeln. Doch das befleckte Hemd des Toten flattert weiterhin an der Wäscheleine, um ihm vor Augen zu führen, dass seine Zeit beim nächsten Mondwechsel abläuft. Seelischen Beistand leistet ihm nur sein kleiner Bruder (Ravi Ramos Lacerda), mit dem er eines Abends heimlich einen Wanderzirkus im Dorf besucht. Als er sich dabei in eine bezaubernde Akrobatin (Flavia Marco Antonio) verliebt, sieht er die Chance, sein Leben zu ändern. Dreharbeiten bei 40 Grad Hitze im Hinterland Brasiliens Neben erfahrenen Schauspielern engagierte der Regisseur wie bereits in seinen früheren Filmen auch verschiedene Laien. Beim Casting, das sich über ein Jahr hinzog, sprachen mehr als 1500 Menschen vor. Dabei entdeckte Salles sowohl den Jungen Lacerda vom Straßentheater als auch die gelernte Zirkuskünstlerin Antonio. Die Dreharbeiten erfolgten an Originalschauplätzen im Nordosten Brasiliens, wo die Crew bei 40 Grad Hitze tagtäglich 200 Kilometer zurücklegen musste, um zum Set zu gelangen. In diesem kargen Hinterland, wo die Darsteller fast zwei Monate lang lernten, mit Tieren zu arbeiten oder die Zuckerrohrmühle zu bedienen, gab es häufig noch nicht einmal elektrisches Licht. Klassische Tragödie mit epischer Wucht In dem Film entfaltet Salles in stringent komponierten, ausdrucksstarken, Kinobildern eine klassische Tragödie, in der sich das ganze Leben im Kreis zu drehen scheint. Arbeit, Armut und Angst beherrschen den trostlosen Alltag, der die Protagonisten vor die existenzialistische Frage stellt, sich dem Schicksal zu ergeben oder ihrer Selbstbestimmung zu folgen. Mit epischer Wucht hat Salles daraus ein berührendes Drama entwickelt, das durch seine magisch- schönen Momente mitunter fast märchenhafte Züge besitzt. Birgit Heidsiek, dpa |
|
||||||||||||||||||||||||||
|
Zuletzt geändert am 9. April 2002 11:42 von to |
||||||||||||||||||||||||||||