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Keine Siege, keine Freunde: Tennis-Profi Nicolas Kiefer im Tal der Tränen

Jedem Hoffnungsschimmer folgt der Absturz

Hamburg - Diesmal war es mehr als bloß eine neuerliche Erstrunden-Niederlage. Die Augen traurig, den Blick starr nach vorn gerichtet, dachte Nicolas Kiefer wehmütig zurück an die Anfänge als Tennis-Profi.

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Der Verzweiflung nahe: Nicolas Kiefer.

"Als Grand-Slam-Sieger der Junioren, da war ich von Siegen verwöhnt", sagte der 24-Jährige nach dem 4:6, 5:7 gegen den dreimaligen French-Open-Sieger Gustavo Kuerten (Brasilien) zum Auftakt des Masters-Turniers am Hamburger Rothenbaum. Es klang fast schon wie das Resümee am Ende einer siebenjährigen Karriere, doch Resignieren kommt für den Niedersachsen überhaupt nicht in Frage.

"Innerlich brodelt es bei mir"

"Ich weiß, dass ich im Moment nicht mein bestes Tennis spiele. Aber ich bastel' mir mein Spiel wieder zusammen. Langsam wird es besser", erklärte er. Die Durchhalteparolen haben sich nach der achten Erstrunden-Pleite der Saison und der 13. Niederlage im 16. Match verbraucht. Schwere Auslosungen gegen gesetzte Spieler und Probleme mit dem Handgelenk will Kiefer selbst nicht als Entschuldigung gelten lassen: "Ich habe ja Geduld, aber irgendwann platzt mir der Kragen. Innerlich brodelt es bei mir." Die Auftritte in Dubai, Indian Wells und zuletzt in München, wo der einstige WM- Halbfinalist (1999) wenigstens die erste Runde überstand, dürfen höchstens als zarter Silberstreif gewertet werden. Jedem minimalen Hoffnungsschimmer folgte der Absturz zurück ins Tal der Tränen.

Schulterklopfer sind rar geworden

Vorbei sind die Zeiten, "in denen ich umringt war von Schulterklopfern und falschen Freunden. Das merke ich auch an meinem Handy". Das stumme Telefon habe aber auch seine guten Seiten: "So bleibt mir jetzt mehr Zeit." Das Bemühen, in jedem Pech auch ein kleines Glück zu sehen, fällt ihm freilich immer schwerer. Unendliche Traurigkeit klingt durch, wenn er fast trotzig sagt: "Aus all dem habe ich viel gelernt, es hat mich reifer gemacht."

Halt finde er vor allem in der Familie, bei der Freundin und den echten Freunden, die auch in der schwersten Zeit seiner Laufbahn zu ihm halten. Zweieinhalb Jahre nach seiner WM-Teilnahme und dem Sturm auf Weltranglisten-Platz 4 braucht Kiefer aber mehr denn je kompetente Berater. Doch eine Zusammenarbeit mit einem Mental-Trainer kommt für ihn nach wie vor nicht in Frage. Er vertraut weiter seinem drei Jahre älteren Coach Farid Bentaous: "Es gibt keinen Grund, etwas zu ändern. Ich muss die Bälle richtig treffen, und das nicht nur in einem Spiel. Dann geht es auch wieder aufwärts."

Trotz aller Rückschläge noch Spaß am Tennis

Der junge Coach aus der Pariser Akademie von Erfolgstrainer Bob Brett hat die Wende bei Kiefer noch nicht erreichen können. Vielleicht ist Daviscup-Kapitän Michael Stich erfolgreicher, wenn er in der kommenden Woche beim World Team Cup in Düsseldorf intensiv mit dem "Sorgenkind" arbeiten kann. "Die Daviscup-Woche in Zagreb hat mir viel gebracht. Im Team puschen wir uns nach vorn. Michael hat die Erfahrung und weiß, wie es läuft", sagte Kiefer, der trotz aller Rückschläge noch Spaß auf dem Platz hat: "Und das ist doch entscheidend."

Von Andreas Bellinger und Ines Reichelt, dpa


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Zuletzt geändert am 15. Mai 2002 14:41 von sab

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