IVWPixel Zählpixel

  Kino    Musik    Lifestyle    Reise    Übersicht 

Home     Kontakt     Site Map  

[?] [?]

In "Pollock" porträtiert Ed Harris ein schwieriges Genie

Eine Tropfenspur auf der Leinwand

Anklicken zum Vergrößern

Wer ein Maler sein will, der braucht neben einem Pinsel eine Flasche und willige Frauen, der säuft und hurt und benimmt sich in Gesellschaft unmöglich. So will es das Klischee spätestens seit dem Ohrabschneider van Gogh, und dabei macht auch die Filmbiografie Pollock", die am 6. Juni anläuft, keine Ausnahme.

Gleich zu Beginn liegt Jackson Pollock besoffen auf der Treppe in einem heruntergekommenen Mietshaus in Greenwich Village, New York; sein Bruder stützt ihn. Und solange jemand da war, der den manisch-depressiven, alkoholsüchtigen Maler stützte, konnte dieser sich entfalten. In dem Moment, in dem die junge Malerin Lee Krasner ihren Kopf neugierig in Pollocks Atelier streckt und beschließt, das verwirrte Genie unter ihre mütterlichen Fittiche zu nehmen, beginnt Pollocks Karriere im New Yorker Kunstbetrieb.

Lee Krasner, die ihre eigene Arbeit zurückstellt, übernimmt das Kommando: Sie heiratet Pollock, zieht mit ihm in ein heruntergekommenes Bauernhaus in den East Hamptons auf Long Island, das sie liebevoll renoviert. Sie vergrault seine Trinkkumpane und knüpft unermüdlich Kontakte zu Kritikern und Galeristen. 1949 erscheint im "Life Magazine" eine Reportage über Pollock, in der er als der bedeutendste amerikanische Maler seiner Zeit bezeichnet wird.

Der Ruhm bekommt dem Genie nicht

Doch der Ruhm bekommt dem psychisch labilen Genie nicht; er beginnt wieder zu trinken, hat junge Geliebte, Krasner zieht sich von ihm zurück. Als sie alleine nach Europa reist, ist sein Ende nur zu vorhersehbar. Von 1941 bis zu Pollocks Tod im Jahre 1956 reicht diese Filmbiografie, und ungefähr genauso lange hat sich der Schauspieler Ed Harris mit dem Pollock-Stoff beschäftigt, sich dem Maler, dem er ähnlich sieht, auch innerlich anverwandelt.

Kein depressives Künstlerportrait sondern außergewöhnlich schöner Film

Harris, zuletzt in "A Beautiful Mind" zu sehen, ist ein mehrfach oscar-nominierter Schauspieler, der bisher Geheimtipp-Status hatte. Seiner souveränen und konzentrierten Debüt-Regie ist es zu verdanken, dass "Pollock" eben nicht eines jener typischen depressiven Künstlerporträts ist, sondern ein außergewöhnlich schöner Film.

Hypnotische Wirkung

Anklicken zum Vergrößern

Zwar ist Pollock ein unglücklicher, von inneren Dämonen gequälter Mensch, doch Harris geht es vor allem darum, Pollocks von alltäglichen Kümmernissen befreiten Schaffensprozess einzufangen. Dafür hat Harris Malen gelernt, und die langen Einstellungen, in denen der somnambule Pollock den Pinsel über die Leinwand schwingt, der Augenblick, in dem er seine bahnbrechende "Drip"-Technik entwickelt, bei ein mit Farbe übergossener Pinsel eine organische Tropfenspur auf der Leinwand hinterlässt, haben hypnotische Wirkung.

Nicht "er" malt, sondern "es" malt

Nicht `er" malt, sondern `es" malt. Und die Faszination dieses Tuns vermittelt sich, besser als in jedem anderen Maler-Film, auch dem wenig kunstinteressierten Zuschauer. Dabei kommen die Hintergründe jener Epoche absichtlich zu kurz; Harris wirft nur Streiflichter über die bewegte Nachkriegskunstszene, in der Pollock, der abstrakte Expressionist, zunächst einer von vielen war.

Beiläufige Details erhellen kunsthistorische Hintergründe

Die Beziehungen zu seinen berühmten Rivalen wie Willem DeKooning, zur divenhaften Galeristin Peggy Guggenheim und dem Kritiker Clement Greenberg, der Pollock ebenso "machte" wie umgekehrt, muss man entweder vorab wissen oder selbst erahnen. Ebenso wie Pollocks kunstgeschichtliche Bedeutung für New York, das Paris als Kunsthauptstadt ablöste.

Aber Harris und seinem hervorragenden Darstellerensemble gelingt es, durch beiläufige Details Pollocks Weggenossen genauer zu charakterisieren als durch langatmige Erklärungen oder gar sentimentale Ausrufezeichen.

Verdieneter Oscar an Marcia Gay Harden

Marcia Gay Harden erhielt für ihre Darstellung der ebenso sympathischen wie dominanten Lee Krasner verdientermaßen den Oscar. Auch ihre symbiotische Beziehung zu Pollock wird vorwiegend durch das Nichtgesagte spannend. Überhaupt ist `Pollock" ein Film über die Kunst der Auslassung, in dem Worte - besonders Interpretationen von Gemälden - wie Ballast erscheinen und den wortkargen Pollock sichtlich nerven.

`11. Gebot": "Du sollst nicht lärmen"

Der Dichter und Maler Robert Gernhardt postulierte einmal ein bedenkenswertes `11. Gebot": "Du sollst nicht lärmen", - und genau daran erinnert der Stil dieses Films, ein trotz aller menschlichen Tragik berauschendes und zugleich entspannendes Seherlebnis.

Birgit Roschy, AP


Zum SeitenanfangZum Seitenanfang

 Suche in RZ-Online

 RZ

Web


 Was läuft im Kino? 

 Was läuft sonst? 


[?]

Zuletzt geändert am 3. Juni 2002 11:12 von to

» Artikel druckenDruckversion
» Artikel empfehlen
» Schriftgröße einstellen
» Impressum