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Erdbeben im Nordwesten Irans: Roter Halbmond spricht von 222 Toten

Opfer meist Frauen und Kinder

Der Vater arbeitete auf dem Feld, als das Beben seine Hütte zerstörte und seine achtjährige Tochter Sangireh tötete

Changureh - Bei dem schweren Erdbeben im Norden Irans sind nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond zwar wesentlich weniger Menschen ums Leben gekommen als ursprünglich befürchtet, unter den Opfern befanden sich aber viele Kinder, Frauen und einige ganz alte Männer, die nicht zur Arbeit auf die Felder gegangen waren.

Ein Sprecher des Roten Halbmondes sagte am Sonntag im iranischen Staatsfernsehen, bei dem Beben am Vortag seien 222 Menschen getötet worden. Zuvor war die Zahl der Toten auf 500 geschätzt worden. Das Beben der Stärke 6,3 hatte dutzende Dörfer im Nordwesten Irans dem Erdboden gleichgemacht. Augenzeugen berichteten, sie hätten allein in einem Ort mehr als 100 Leichen gesehen.

Das Bundesentwicklungshilfeministerium bot Iran unterdessen Nothilfe für die Erdbebenopfer in Höhe von 500.000 Euro an. Iran hatte sich zuvor zur Annahme von humanitärer Hilfe nicht-staatlicher US-Organisatoren bereit erklärt, jedoch ein Hilfsangebot der US-Regierung ignoriert.

Männer arbeiteten auf den Feldern

Das Beben im Nordwesten Irans hatte eine Stärke von 6,3 auf der Richter-Skala erreicht. Unter den Opfern befanden sich vor allem Kinder, Frauen und ältere Männer, da die Jüngeren am Samstagmorgen während des Bebens auf den Feldern arbeiteten. Das Epizentrum lag bei der Ortschaft Awadsch rund 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Teheran. Nach Angaben des Roten Halbmondes wurden insgesamt 5000 Häuser komplett zerstört, 25.000 Menschen seien obdachlos geworden. Durch die mindestens vier Nachbeben habe es weitere Schäden gegeben.

Niedrige Lehmhütten halten Erdstößen nicht stand

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Hütten aus Lehm und Holz boten keinen Schutz: Opfer klagen über schleppend anlaufende Rettungsmaßnahmen

In der Region zwischen Teheran und dem Kaspischen Meer leben die Menschen überwiegend in niedrigen Lehmhütten, die Erdstößen zumeist nicht standhalten. Die örtlichen Behörden in der Region teilten mit, mehr als 1500 Menschen seien verletzt worden. Fast 60 Dörfer um Awadsch seien durch die Erdstöße verwüstet worden, meldete die Nachrichtenagentur IRNA. In dem 3600 Einwohner zählenden Ort Awadsch war nach Angaben der örtlichen Behörden im Krankenhaus mit seinen 100 Betten kein Platz mehr frei. "Sie bringen jede Minute mehr Menschen, aber wir können das nicht mehr schaffen", sagte ein Behördenvertreter.

Roter Halbmond sorgt für Wasser, Zelte und Decken

Bis zum Sonntag wurden nach Angaben des Roten Halbmondes mehr als 1000 Zelte, 2500 Decken und Feldküchen in die Region gebracht. Die Armee übernahm die Versorgung mit Trinkwasser. Zugleich wurden Tetanus-Impfungen vorgenommen und angesichts von Temperaturen von über 30 Grad Vorkehrungen zur Seuchenbekämpfung getroffen.

150 Leichen auf dem Dorfplatz von Changureh

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Verzweifelte Trauer: "Ich habe alle verloren."

In dem Dorf Changureh, 30 Kilometer nördlich von Awadsch, lagen rund 150 in Decken gehüllte Leichen auf einem Platz. In den Straßen waren vor den Häusern weitere Leichname aufgereiht. Dorfbewohner trugen auf Leitern und alten Türen Tote zu einem Hügel, um sie dort zu bestatten. Die Bewohner beklagten, dass die Hilfskräfte zu langsam seien.

"Sahen statt des Dorfes nur Staub"

In Esmailabad, zehn Kilometer nördlich von Awadsch, verlor der zwölfjährige Mohsen seine ganze Familie. Stumm blickte er auf die Reste des eingestürzten Hauses. Während er zur Schule ging, starben seine Mutter, sein Vater, seine Großmutter, seine drei Schwestern und sein Bruder. In der Nachbarschaft sagte ein Mann: "Wir rannten nach draußen und sahen statt des Dorfes nur Staub." Ein anderer Mann klagte: "Ich habe alle verloren."

Hilfsangebote aus dem Ausland

Staatspräsident Mohammad Chatami sprach den Familien sein Beileid aus und beauftragte das Innenministerium mit der notwendigen Hilfe. Bundespräsident Johannes Rau sprach Chatami auch im Namen des deutschen Volkes sein Beileid aus. Er versicherte, dass der Iran bei der Linderung der Not auf die Hilfe Deutschlands zählen könne. Außenminister Joschka Fischer bot seinem Amtskollegen jede mögliche Hilfe an.

Iran akzeptiert nicht-staatliche Hilfe aus USA

US-Präsident George W. Bush erklärte: "Menschliches Leiden kennt keine politischen Grenzen." Die USA seien bereit, "den Menschen im Iran zu helfen, wenn es notwendig ist und gewünscht wird." Irans Innenminister Abdolwahed Musawi-Lari erklärte, sein Land nehme Hilfe von nicht-staatlichen Organisationen in den USA an. Die Offerte der US-Regierung ließ er unerwähnt. Iran hat den Iran gemeinsam mit Nordkorea und dem Irak als "Achse des Bösen" bezeichnet, die den internationalen Terrorismus fördere.

Parisa Hafezi


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Zuletzt geändert am 23. Juni 2002 14:31 von to

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