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Mi 07.08.2002

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zurückblättern  ... Brehmes Gegner formieren sich

Nach Angaben der Oppositionsgruppe um den Rechtsanwalt Andreas Kirsch wird derzeit eine Unterschriftenaktion unter den rund 10 500 Mitgliedern des 1. FC Kaiserslautern gestartet, um das notwendige Votum von mindestens 400 Stimmen für eine außerordentliche Generalversammlung zu erreichen. Sollten die Gegner der derzeitigen Führungsspitze dort im Aufsichtsrat eine Mehrheit erhalten, soll es sofort personelle Konsequenzen geben: Abgesetzt werden sollen Vorstandschef Jürgen Friedrich, Vorstandsmitglied Gerhard Herzog und Cheftrainer Andreas Brehme. Kirsch: "Mit diesem Trainer werden wir nicht mehr zusammenarbeiten - er ist für uns untragbar".

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Seltener Glücksmoment: Die FCK-Kicker hatten in der Vorbereitung wenig Grund zur Freude.

Marschall soll Sportdirektor werden

Installiert werden soll als erster Angestellter in Führungsfunktion der ehemalige Bundesliga-Torjäger Olaf Marschall, der seine "generelle Bereitschaft" erklärte, der neuen Führungsmannschaft als Sportdirektor anzugehören. Marschall, der sich mit seinen Aussagen sichtlich zurückhielt, will anschließend auf die Suche nach einem kompetenten und voll verantwortlichen Trainer und Brehme-Nachfolger gehen. Die FCK-Opposition geht davon aus, dass eine Entscheidung über einen Führungswechsel frühestens Ende September fallen wird. Die neue Führungsmannschaft kann dann satzungsgemäß Ende Oktober installiert werden.

Friedrich: Ich hätte mit Rehhagel zurücktreten sollen

Als Kontrastprogramm zu den dunklen Wolken und verbalen Donnerschlägen über dem Betzenberg hat sich Jürgen Friedrich in diesen Tagen demonstrativ eine große Vase mit Sonnenblumen auf seinen Schreibtisch stellen lassen. Doch das langstielige Gewächs hat den Frust des Vorstandschefs des kriselnden Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern erst so richtig aufblühen und eine bittere Erkenntnis reifen lassen. "Ich hätte vor zwei Jahren mit meinem Freund Otto Rehhagel aufhören müssen, damit es einen richtigen Knall gibt. Das ich das nicht gemacht habe, war ein Fehler", gesteht Friedrich.

Besonders wurmt den "erfahrenen Menschen" (Friedrich über Friedrich), dass auch er dieses Umfeld, dieses immer wiederkehrende und selbstzerstörerische FCK-Phänomen aus persönlichen Diffamierungen und Beleidigungen bislang nicht in den Griff bekam. Seit Jahren wurde unter der Regie von Friedrich versucht, die hausgemachten Probleme mit wechselnden Besetzungen auf und neben dem Feld zu lösen. "Doch alle Leute, die das versucht haben, sind gescheitert - auch ich", betont der Lauterer Chef frustriert und muss resignierend feststellen: "In der neuen Saison ist noch kein Ball gerollt und trotzdem wird schon alles in Schutt und Asche gelegt." Wie jedes Jahr eben, "the same procedure", unerklärlich und "immer wieder irritierend".

Rückendeckung für Teamchef Brehme

An vorzeitige Kapitulation denkt "Atze" Friedrich aber nicht - trotz der Attacken gegen seine Person, trotz der Ankündigung der Opposition "Unser FCK", die Vereinsspitze zu stürzen und für den umstrittenen Andreas Brehme einen neuen Teamchef zu installieren. "Ich habe die letzten sechs Jahre für alles Verantwortung übernommen und werde das auch weiterhin tun", kündigt der seit 1977 für den FCK in führender Position tätige Ex-Profi trotzig an.

Dass er die Brocken noch vor seinem für Ende 2003 angekündigten Rückzug hinschmeißt, scheint unwahrscheinlich, aber nicht undenkbar. Friedrich: "So emotionale Dinge sollte man nie ausschließen." Zumal er sich weiter hinter Brehme stellt ("Ich werde ihn unterstützen. Gespräche mit Falko Götz hat es nicht gegeben") und bei einer etwaigen Entlassung des Ex-Nationalspielers diesmal anders reagieren könnte als vor zwei Jahren beim Abgang von Rehhagel.

Hoffen auf Trotzreaktion in der Mannschaft

Denn neben Brehme machen viele Kritiker vor allen Dingen den Vorstandsvorsitzenden für die Pleiten, Pech und Pannen verantwortlich. Die endlose Hängepartie mit Youri Djorkaeff oder die Begnadigung des wegen sexueller Nötigung verurteilten Hany Ramzy bescherten Friedrich den Ruf des "Umfallers".

In unruhigen Zeiten wie diesen - nach dem vorzeitigen Scheitern im UI-Cup, den schwachen Leistungen in den Testspielen und der Entlassung von Trainer Reinhard Stumpf - kann Friedrich nur noch auf die Trotzreaktion der Mannschaft hoffen. Wie im vergangenen Jahr, als die "Roten Teufel" trotz Unruhe im Umfeld und schlechter Prognosen mit einem Rekord von sieben Siegen in Folge spektakulär in die Saison starteten.

Brehme: "Es macht mir noch Spaß"

Doch die Vorzeichen sind drei Tage vor dem Saisonstart beim VfB Stuttgart am Samstag denkbar schlecht. Kritiker vergleichen die Stimmung auf dem Betzenberg sogar schon mit der im Abstiegsjahr 1996. Zudem sind Leistungsträger wie Marian Christow (Kreuzbandriss), Thomas Hengen (Knieprobleme), Alexander Knavs, Lincoln oder Neuzugang Christian Timm (alle Muskelfaserriss) angeschlagen. "Ich hoffe, noch elf gesunde Spieler zu finden. Wir haben momentan die Seuche", klagt Teamchef Brehme, der trotz des enormen Drucks noch Freude an seinem Job bekundet: "Es macht mir Spaß. Ich habe es noch nicht bereut, diesen Posten übernommen zu haben." Kontrastprogramm ist in diesen Tagen auf dem "Betze" gefragt.

sid, dpa - Fotos: dpa

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Zuletzt geändert am 7. August 2002 12:37 von sab

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