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Leichtathletik-EM: Dieter Baumann nach Silber "wunschlos glücklich"

Gedanken kreisen schon um Olympia

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Das Rennen verloren, aber Selbstvertrauen gewonnen: Dieter Baumann musste sich über 10.000 Meter nur dem Spanier Martinez geschlagen geben.

München - Leicht hinkend betrat er nach Mitternacht den Klub des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) im ehemaligen olympischen Radstadion. Körper lädiert, Seele gestreichelt - Dieter Baumann fühlte sich nach seinem Comeback in Silber "wunschlos glücklich".

Dann lief das Video von der letzten Runde des 10.000-m-Rennens, in dem Baumann bei seiner Rückkehr auf die große Meisterschaftsbühne von einer Woge der Begeisterung zum zweiten Platz getragen worden war.

"Wo ist dieser Meter bloß geblieben?", fragte sich der 37-jährige Tübinger beim Betrachten der Videobilder kopfschüttelnd angesichts des immer kleiner werdenden Rückstands, der im Ziel nur noch 22 Hundertstelsekunden auf den in 27:47,65 Minuten siegreichen Spanier Juan Manuel Martinez betrug. Der 30-Jährige verspürte eine Überdosis Glück: "1992 sah ich als junger Athlet den Baumann-Sieg - München ist ein großes Gefühl für mich." Der EM-Dritte Joe Rios war damals ebenfalls im Stadion, Baumann auch für ihn ein Vorbild.

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Voller Entschlossenheit: Dieter Baumann ist zurück auf der internationalen Bühne.

"Ich denke, ich werde bei Olympia starten"

Ins Archiv kommt das Vorbild noch längst nicht. Bei der EM-Vorbereitung in St. Moritz habe er "viel Lauffreude zurückgewonnen", meinte der Schwabe, der sogar bis zu den Olympischen Spielen 2004 weitermachen will: "Ich habe in der Schweiz beschlossen: Nächstes Jahr mache ich eine ganz normale Saison. Und dann ist Athen ja nicht mehr weit. Ich denke, ich werde dort starten." Nächstes großes Ziel ist die WM 2003 in Paris. "Um gegen die Afrikaner eine Chance zu haben, muss ich noch etwas zulegen, um im Spurt bestehen zu können", sagt Baumann: "Ich bin wieder da, aber noch nicht so weit, wie ich kommen will."

Fans mögen "weißen Kenianer"

Das Leichtathleik-Publikum hat den "weißen Kenianer" von der schwäbischen Alb längst wieder ins Herz geschlossen. "600 m vor dem Ziel habe ich das Brodeln langsam wahrgenommen. 500 m vor dem Ziel ein Donnergrollen, dass ich dachte, kommt da jetzt ein Gewitter. Die Stimmung war irre", beschrieb Baumann die Ovationen der Fans. Trotz der "großen Versuchung" verzichtet er auf einen zweiten EM-Start über 5000 m, weil er erst am Tag vor dem 10.000-m-Rennen aus dem Höhentraining in St. Moritz angereist war: "Nach vier bis fünf Tagen fällt man in ein Loch, und genau dann finden die 5000 m statt." Stattdessen will sich Baumann auf das Züricher Golden League-Meeting am 16. August vorbereiten.

Wunden sind verheilt, aber Narben geblieben

Baumanns Leben als Sportler und Privatmann ist knapp drei Jahre nach der Zahnpasta-Affäre und ein halbes Jahr nach Ablauf der Dopingsperre wieder im Lot. Eine schwere Zeit für ihn, seine Frau und Trainerin Isabell sowie die beiden Kinder Jackie (6) und Robert (3) ist überstanden. Die meisten Wunden sind verheilt, aber Narben geblieben. Ob er eine Gratulation von DLV-Präsident Clemens Prokop erwarte, wurde Baumann gefragt: "Es ist mir völlig schnuppe, ob man mir gratuliert. Nur wenn, dann erwarte ich, dass es aufrichtig gemeint ist, und dann freue ich mich, auch wenn es der Kaiser von China ist."

Er sei in einer sehr komfortablen Situation: "Ich muss niemandem etwas beweisen, nur mir selbst und meinem Umfeld - mein Umfeld muss mir sagen: es ist okay, wenn du weiter Leichtathletik machst." Baumann, der Läufer aus Leidenschaft, aus Spaß an der Freude: "Ich habe keinen Wunsch mehr, ich muss keine Medaille mehr machen." Ein weiterer Unterschied zu früher: "Ich muss mich vor dem Rennen viel mehr konzentrieren, richtig einpeitschen. Früher war ich schneller auf 180, jetzt muss ich auf mich einreden."

Von Berthold Mertes, sid - Fotos: dpa


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Zuletzt geändert am 8. August 2002 12:35 von sab

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