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Wie hochwassergeschädigte Werke geschützt werden können:

Nasse Bücher in die Tiefkühltruhe

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Mitarbeiter der Prager Stadtbücherei kümmern sich um rund 20.000 einzigartige historische Bücher, die durch das Hochwasser in der tschechischen Hauptstadt beschädigt wurden.

Berlin - Die neue Stadtbibliothek Pirna galt seit ihrer Eröffnung vor gut drei Jahren als eine der schönsten ihrer Art in Sachsen. 60.000 Medien standen den Nutzern zur Verfügung. Dann kam die Flut und vernichtete mit einem Schlag nicht nur den liebevoll restaurierten gotischen Saal, sondern auch Bücher, CDs, DVDs und Computer.

Pirna ist kein Einzelfall: In ihrer Existenz bedroht sind auch die Stadtbibliotheken Grimma, Döbeln, Eilenburg, Riesa, Meißen und Bad Schandau, die insgesamt weit über 250.000 Medien verloren.

Wenigstens einige Bücher und Akten könnten gerettet werden - wenn sie fachgerecht behandelt werden. "Sie müssen wie ein Brotlaib sofort eingefroren werden, um sie zu konservieren und den Verfallprozess zu stoppen", erklärt Mechthild Kronenberg, Geschäftsführerin des Deutschen Museumsbundes. Ansonsten setzten sie Schimmel an und würden zerstört.

Schnell reagieren

Die Experten fürs Einfrosten sitzen im Leipziger Zentrum für Bestandserhaltung (ZFB). Rund 20 Tonnen an feuchten Büchern und Akten sind seit der Katastrophe hierher gebracht worden. Sofort seien neue Lagerräume und Kühlhäuser angemietet worden, um der Masse Herr zu werden, sagt Geschäftsführer Manfred Anders. Kapazitäten für weitere Notfälle seien noch reichlich vorhanden.

Es geht um Stunden, vielleicht sogar Minuten. "Je länger man wartet, desto schlimmer sind die Folgen", erklärt er. Farben und Tinten könnten auslaufen, Bindemittel die Seiten verkleben. Am schlimmsten sei, dass feuchte Bücher bei den derzeitigen Temperaturen bereits nach einem Tag zu schimmeln begännen. Der Pilz sei nicht nur schlimm für die Bücher, sondern auch gesundheitsschädlich.

"Schock verdauen und in Ruhe überlegen"

Deswegen sollten nicht nur die Verantwortlichen von Bibliotheken und Archiven, sondern auch Privatleute erst einmal alle nassen Bücher und Akten einfrieren. Eine handelsübliche Tiefkühltruhe ab minus 18 Grad reiche dafür völlig aus. "Danach kann der Schock verdaut werden und sich jeder in Ruhe überlegen, welche Bücher er wirklich retten will." Zudem könnten so die Tage überbrückt werden, bis die Straßen wieder befahrbar seien und die Materialien zur weiteren Behandlung nach Leipzig gebracht werden könnten.

Einzeln in Plastikfolien verpacken

Bevor die Werke eingefroren werden, muss jedoch der Schlamm abgespült werden. "Am besten, man hält sie am Buchrücken unter kaltes Wasser", erklärt Anders. Danach müssten sie einzeln in Plastikfolien gepackt und dann gekühlt werden.

Das Leipziger Zentrum, nach Angaben von Anders in diesem Bereich weltweit einmalig, bearbeitet die Bücher und Akten dann in ihren Gefriertrocknungsanlagen. Wenn die Bücher getrocknet sind, können sie von Restauratoren wieder geglättet werden. Eigentlich könne jedes Buch restauriert werden, sagt Anders. Allerdings kostet allein der Trocknungsvorgang mindestens fünf Euro pro Exemplar. Die vollständige Wiederherstellung kann dann sogar einen vierstelligen Betrag kosten.

Auskunft gibt das ZFB unter 0341/2598925 oder unter der Hotline 0800-KATASTROPHE Auskunft. Damit sind die Buchstaben auf der Telefontastatur gemeint, also 0800/52827876743.

Infos im Internet:

  • http://www.zfb.com/
  • http://www.museumsbund.de/

    AP - Archivfoto: AP

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    Zuletzt geändert am 22. August 2002 13:04 von aj

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