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Fr 23.08.2002

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"Bella Martha" begeistert auch die Amis

Viel Lob für deutsche Film-Kost in Hollywood

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San Francisco - "Das ist wie Weihnachten", meint die deutsche Regisseurin Sandra Nettelbeck über ihre mehrwöchige Tour durch die Vereinigten Staaten, ungeachtet der sommerlichen Hitze in San Francisco, Seattle, Hawaii und Hollywood.

Im Gepäck der gebürtigen Hamburgerin befindet sich ihr erster Kinofilm, die romantische Komödie "Bella Martha", die in Deutschland bereits im Frühling, begleitet von viel Kritikerlob, in den Kinos zu sehen war und nun in den USA anläuft. "Mostly Martha", wie der Film in Amerika heißt, beschert der 36-Jährigen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten lauten Applaus, glänzende Kritiken, Angebote und Premierenfeiern, wie es Deutsche in Hollywood selten erleben.

Eine Filmkritikerin der "New York Times" schwärmt von einer "sprühenden" Komödie, die mit einer Prise Tragik gekonnt gemischt wurde. Die Fachzeitschrift "Variety" glaubt, dass "Mostly Martha" die bisherigen Vorbehalte gegen unterhaltsame "deutsche Kost" in den USA aufbrechen könnte. Eine Zuschauerin in San Francisco war ganz überrascht, dass die deutschen Dialoge "wirklich schön" klangen - die Komödie über die Karrierefrau Martha (Martina Gedeck), eine von ihrem Beruf besessene Chefköchin eines Hamburger Edelrestaurants, die sich schließlich in ihren italienischen Kollegen verliebt, wird in den USA mit Untertiteln serviert.

Nettelbeck hatte ihr Handwerk in USA gelernt

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Sandra Nettelbeck

"Ich bin erst gestern Nacht angekommen und fliege heute noch nach Los Angeles", stöhnte Sandra Nettelbeck beim Interview in San Francisco. Da bleibt keine Zeit, die neuen Gourmet-Restaurants in ihrer US-Lieblingsstadt auszuprobieren. In San Francisco hatte sie von 1987 bis 1992 die Filmhochschule besucht. "Alles was ich übers Filmemachen weiß, habe ich in Amerika gelernt", meint die Hamburgerin. "Besonders das Drehbuchschreiben, was hier zum wichtigsten Handwerk gehört und in Deutschland immer noch ein bisschen stiefmütterlich behandelt wird." Nach 10-jähriger Amerika- Pause ist Nettelbeck total überrascht, dass die US-Bürger zwischenzeitlich den Appetit für Gourmet-Kost entdeckt haben.

Wenn sich die Fotografen auf den Koch stürzten...

"Es ist doch Klasse, wenn man ausgerechnet mit so einem Film in ein Land kommt, wo die Leute eine richtige Ess-Macke entwickelt haben und Köche plötzlich zur Prominenz gehören", freut sich die Filmemacherin. Bei der Premierenfeier in New York musste die Regisseurin feststellen, dass sich die Fotografen nicht nur auf sie, sondern auch auf den bekannten Koch eines Edelrestaurants stürzten. Mit den Gepflogenheiten der Filmbranche kennt sich die Deutsche jetzt aus. In Hollywood mache sie die "Evian-Tour", verrät Nettelbeck. Damit sind die zahllosen Meetings mit wichtigen Leuten gemeint. "Dann bist du bei Disney, Warner und Paramount und triffst Leute zum 'let's have Lunch'", erklärt die Regisseurin, die ihren Werbefeldzug "nett, aufregend und spannend" findet.

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Doch Nettelbeck macht sich keine großen Hollywood-Illusionen. Natürlich wäre ein Angebot reizvoll, aber die Maschinerie in Amerika sei schwerfällig und bei vielen Versprechungen käme nichts heraus, meint die Deutsche. Am meisten reizen sie in Amerika "die vielen unfassbar guten Schauspieler", ohne jedoch ihre Lieblingsdarsteller beim Namen zu nennen. Schließlich will sie niemanden ausgrenzen, den man vielleicht später einmal für einen Film gebrauchen könnte. Und weil sie keine "100 Millionen Dollar-Filme" drehen will, fühlt sich Nettelbeck in Europa weiterhin am wohlsten. Am liebsten möchte sie mit dänischen Kollegen arbeiten, die sie "toll und innovativ" findet.

Lücke in den USA: Einfache Storys sind Mangelware

Was den Erfolg von "Mostly Martha" betrifft, so glaubt die Filmemacherin auch in Amerika eine Marktlücke gefunden zu haben. Einfache Geschichten, die einen gleichzeitig zum Weinen und zum Lachen bringen, sind ihrer Meinung nach Mangelware. "Romantic Comedy" ist ihr Lieblingsgenre, und da sind es vor allem zwei amerikanische Streifen, die sie bewundert: "Besser Geht's Nicht" und "You Can Count On Me". Das sind Geschichten - genau wie "Mostly Martha" -, mit denen man sich identifizieren kann, glaubt Nettelbeck, "egal ob man Amerikaner oder Deutscher ist".

Barbara Munker, dpa


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Zuletzt geändert am 23. August 2002 16:39 von tea

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