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Di 03.09.2002
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"Lushins Verteidigung" - John Turturro als gebrochenes Schach-GenieZwei Herzen schlagen in der Brust
Sein Name ist Alexander Lushin, und auf die Frage, wie lange er bereits Schach spiele, weiß er präzise zu sagen: 9263 Tage, vier Stunden und fünf Minuten. Das entspricht einem Vierteljahrhundert, in dem sich das weltfremde Genie Zug um Zug von der sozialen Außenwelt verabschiedet hat. In Marleen Gorris' Film "Lushins Verteidigung" nach Vladimir Nabokovs gleichnamigen Roman verkörpert John Turturro diesen besessenen Schachgroßmeister. Einen von seiner Obsession getriebenen und gebrochenen Mann, der eine zweite Leidenschaft entdeckt - die Liebe zu Natalia (Emily Watson). Zwischen Schachturnier und Eheschach Im Sommer 1929 steht Lushin bei einem Schachturnier in Italien vor der größten Herausforderung seines Lebens. Er wird sich nicht nur einem Angstgegner stellen müssen, der ihn in eine dramatische Defensive treibt, sondern auch den Intrigen gesellschaftlicher Snobs. Er hat sich in die junge Russin Natalia (Emily Watson) verliebt. Unbeholfen in sozialen Strategien hat er sie auf direktem Wege davon in Kenntnis gesetzt. Und auch Natalia fühlt sich zu dem Exzentriker hingezogen und düpiert den Wunschkandidaten ihrer Eltern. Als selbstbewusste junge Frau entzieht sie sich den in ihren Kreisen üblichen Eheschach-Partien, folgt ihren Gefühlen und ihrer Faszination für Lushins mentales Universum. Vergangenheit überschattet die neue Liebe "Lushins Verteidigung" ist auch die Geschichte einer unmöglichen Liebe, die kurz und intensiv ist und der kein glückliches Ende beschieden ist. Sie ist begleitet von Euphorie und Verzweiflung, immer wieder eingeholt von der Vergangenheit, die in den düsteren Bildern der Rückblenden heraufzieht. Von Bezugspersonen im Stich gelassen Lushins Kindheit erleben wir in der erdrückenden Atmosphäre einer großbürgerlichen Familie. Beherrscht vom gefühllosen Vater, vom Leidensterror der kränkelnden Mutter, die früh starb. Einziges Licht in dieser Trostlosigkeit war die junge, lebensbejahende Tante. Von ihr hat der einsame Junge das Schachspiel gelernt. Sie hat ihn verlassen wie später auch sein Lehrer. Als Mentor und Manager hatte der sich des Wunderjungen angenommen, ihn ausgenutzt und schließlich fallen lassen. Jener Valentinov (Stuart Wilson) wird anlässlich des Turniers wieder auftauchen und die Qualen des von Versagensängsten gepeinigten Schachgenies noch vergrößern. Nach zahlreichen Frauenfilmen kommt jetzt ein Männerporträt Nach einer langen Reihe von Frauenfilmen hat sich Marleen Gorris hier nun der Geschichte eines emotional traumatisierten Mannes angenommen. Verglichen mit der feministischen Radikalität ihrer Filme aus den Achtzigern ("Die Stille um Christine M.", "Die gekauften Frauen") kommt dies einem Quantensprung gleich. In versöhnlicher Gelassenheit hatte die Filmemacherin Mitte der Neunziger in "Antonias Welt" die Entwicklung dreier Frauengenerationen beschrieben. In "Mrs. Dalloway" (1997, mit Vanessa Redgrave) adaptierte sie Virginia Woolfs "Stream of Conciousness", dem sich eine Dame der Gesellschaft während ihrer Festvorbereitungen überlässt. Ein Mann zwischen zwei Passionen Zu dieser von aufsteigenden Erinnerungen überwältigten Gegenwart ist "Lushins Verteidigung" das männliche Äquivalent. Gorris' zweite Literaturverfilmung ist trotz des konventionellen Romanstils jedoch ungleich dramatischer. Gereizt habe sie an "Lushins Verteidigung" zu zeigen, wie zwei Passionen einen Mann zerreißen können, sagt die Regisseurin. Schwer zu sagen, ob ihr das ohne einen so eindrucksvollen Lushin wie John Turturro gelungen wäre. Ricarda Schrader, dpa |
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Zuletzt geändert am 3. September 2002 18:19 von to |
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