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Roman Tipp: Ian McEwan "Abbitte"

Frühe Schuld und späte Reue

Anklicken zum Vergrößern Ian McEwan: Abbitte. Roman - Diogenes Verlag,544 S., 24,90 €

Briony wartet auf den Tod - zu alt, zu verängstigt, zu sehr in den "letzten Rest" ihres Lebens verliebt, weigert sie sich, der trostlosen Realität ins Auge zu sehen. Die alte Frau hat nämlich vor vielen Jahren Schuld auf sich geladen, mit einem einzigen Satz das Glück anderer Menschen zerstört.

Es war an einem heißen Sommertag des Jahres 1936, als die damals 13-Jährige ihrer überhitzten Fantasie folgte und den Geliebten der Schwester eines Verbrechens beschuldigte.

Voll innerer Dramatik und feinsinniger Beobachtung

Der englische Schriftsteller Ian McEwan hat mit seinem neuen Roman "Abbitte" ein Werk voll innerer Dramatik und feinsinniger Beobachtung vorgelegt. Das Buch ist in drei Teile gegliedert, deren stilistische Brüche den Leser zunächst irritieren. Zu Beginn führt uns der Autor in epischer Breite in Brionys Elternhaus und schildert einen Sommertag, der mit einem festlichen Essen zur Begrüßung des heimkehrenden Sohnes endet.

Atmosphäre ist sexuell aufgeladen

Die Atmosphäre ist aufgeladen, und das 13-jährige Mädchen beobachtet Merkwürdiges: Wie ihre große Schwester Cecilia am Brunnen im Park mit Robbie, dem Sohn des einstigen Gärtners, um eine Vase rangelt, wie sie wenig später mit ihm atemlos und eng umschlungen in der dunklen Bibliothek steht. Als es dann dunkel ist, sieht Briony einen Mann sich über Cousine Lola beugen und glaubt in ihm eben diesen Robbie erkannt zu haben. Das Unheil nimmt seinen Lauf, Robbie wird der versuchten Vergewaltigung bezichtigt und abgeführt, eine verzweifelte Cecilia zurücklassend.

Im zweiten Teil: Endzeitstimmung

Im zweiten Teil des Romans wird der Leser unvermittelt in die Brutalität des Krieges versetzt. Robbie ist aus dem Gefängnis entlassen worden, um vier Jahre später in der Hölle von Dünkirchen den Rückzug der Engländer zu erleben. Es herrscht Endzeitstimmung. Das Leben, das zu Beginn der Geschichte so zauberhaft und verheißungsvoll erschien, ist nun reduziert auf die Angst vor dem Sterben. Im dritten Teil des Buches erleben Cecilia und schließlich auch die zur Frau herangewachsene Briony die Schrecken des Krieges - wenngleich getrennt seit dem Eklat - als Hilfsschwestern in Lazaretten.

Letzter Akt der Güte: Liebende bleiben am Leben

Bis zum Schluss des Buches bleibt die Spannung erhalten, denn erst dann wird offenbar, dass Briony die Geschichte im Rückblick erzählt hat. Es ist, schreibt sie am Ende des Buches, ein "letzter Akt der Güte, daß ich meine Liebenden leben lasse" - auch wenn sie eigentlich in den Kriegswirren umgekommen sind und ihr nicht mehr verzeihen konnten.

Susanna Gilbert-Sättele


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Zuletzt geändert am 17. September 2002 11:51 von to

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