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Mi 18.09.2002

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"Nackt": Doris Dörrie langweilt im Kino
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Spezialistin für Befindlichkeiten junger Leute aus der Mittelschicht

Die Regisseurin und Autorin Doris Dörrie war schon immer Spezialistin für die Befindlichkeiten junger Leute aus jener saturierten westdeutschen Mittelschicht, der die Hannoveranerin selbst entstammt. In ihren Filmen, vom frühen Komödienerfolg "Männer" bis zu ihrem neuen Film "Nackt", der ab 19. September in die Kinos kommt und im Wettbewerb 59. Biennale von Venedig erfolglos lief, hat sie dieses soziale Milieu, das auch das der meisten anderen deutschen Filmemacher ist, immer wieder behandelt. Auch ihr Theaterstück "Happy", dessen Leinwandfassung "Nackt" ist, zeigt mit den drei Paaren Jungmenschen aus dem Zentrum der Gesellschaft.

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Will man Dörrie glauben, dann geht es dort schrecklich langweilig und sinnleer, aber endlos geschwätzig zu. Das ist jedenfalls der Eindruck, der sich nach 100 Minuten gemeinsam mit Emilia, Felix und den anderen aus dem Berlin der Gegenwart einstellt. Schon die viel zu lange geratene Vorstellung jedes einzelnen der drei Paare vor ihrem gemeinsamen Treffen ist reichlich gefüllt mit trivialem Geplapper. Und die jeweils von den drei Männern vorgetragenen Gesangseinlagen, die offenbar von französischen Filmen abgeschaut sind, wirken so aufgesetzt wie Dörries Begründung: "Wenn man Männer singen lässt, ist das so rührend, weil sie sich so nackt zeigen."

Die Dialoge klingen nach Papier

Bei den Schauspielerinnen sind es dann die Körper, die auf dem Höhepunkt der seltsamen Paare-Party dem Filmtitel entsprechend präsentiert werden. Derweil Heike Makatsch sich als Emilia trotzig bedeckt hält und mit den von Benno Fürmann verkörperten Felix herumnörgelt, zeigen Nina Hoss als Charlotte und Alexandra Maria Lara als Annette ihre gepflegten Körper. Sie werden bei ihrer Entblätterung, die so was wie der Höhepunkt des Geschehens sein soll, in Unterhosen umtanzt von Mehmet Kurtulus als Dylan und Jürgen Vogel als Boris. Das Spektakel ist leider nicht viel erotischer als eine Mammographie.

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Aber die Kinder des (vergangenen) Börsenhochs, das Charlotte und Dylan in den Besitz einer grausig ungemütlichen Designer-Wohnung gebracht hat, haben mit Leidenschaft und Tiefe sowieso nichts im Sinn. Das kann schon deshalb nicht anders sein, weil Doris Dörrie selbst nur an der Oberfläche der großen Gefühle und Motive kratzen kann und wohl auch nur will. Zwar gibt es bedeutungsschwere Dialogsätze wie "Interessierst du dich noch für meine Seele?" oder "Ist das alles traurig. Wir sind komplett vorprogrammiert und austauschbar". Aber das klingt nach Papier, vor allem findet Dörrie keine Bilder dafür.

Es geht unentwegt um Haben oder Nichthaben

Denn "Nackt" ist meist nicht mehr als gefilmtes Hörspiel in Kulissen wie aus einem Schülertheater, das einen Almodovar-Film gesehen hat. Eines allerdings zeigt dieses Leinwand-Geplapper sehr deutlich: Es geht immer wieder um materielles Haben oder Nichthaben. Diese Geschöpfe des Geldfetischs mögen endlos um und über ihre Gefühle gründeln, sie sind doch Gefangene ihres tiefsitzenden Verwertbarkeitsdenkens. Für Leidenschaften, für Poesie, wirkliches Glück, wirkliches Leid ist darin kein Platz. Und weil das so ist, langweilt die "Generation Gier" von Doris Dörrie auch dann, wenn sie "Nackt" ist.

Wolfgang Hübner, AP


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Zuletzt geändert am 18. September 2002 11:29 von to

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