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Mo 23.09.2002
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"Bibi Blocksberg" im Kino: Corinna Harfouch glänzt als Hexe mit SchuhtickWenn Hexen sich die Kugel geben
Die kleine Hexe Bibi hat geschafft, was Medizinmänner meist vergeblich versuchen: Durch ihre nonchalant herbeigezauberte Regenwolke rettet sie zwei Kindern in einem brennenden Haus das Leben. Bibi kriegt die Ehrennadel der Stadt - doch noch mehr freut sie sich über eine Einladung zum Blocksberg, wo sie zur Voll-Hexe erklärt und wo ihr eine besonders wertvolle Kristallkugel verliehen werden soll. Das findet Bibi, die sowieso lieber in die Kugel als in die Glotze schaut, ganz toll. Auch Mutter Barbara, ebenfalls von Hexengeblüt, ist entzückt über die Ehrung. Wer sich dagegen nicht freut, ist Bibis Papa, der wegen seiner hexenden Verwandtschaft von seinem Chef schräg angeschaut wird. Und die eifersüchtige Hexe Rabia könnte sich vor Wut sowieso in den dicken Hintern beißen. Kleine Schwester von Harry Potter
Unwissenden Erwachsenen wird Bibi Blocksberg wie die kleine Schwester von Harry Potter erscheinen. Dabei ist die Figur, die Mitte der 80er Jahre entstand, viel älter und erfolgreicher als Potter. Bis heute wurden allein 33 Millionen Audiokassetten verkauft. Laut Statistik besitzt also nahezu jeder zweite Deutsche eine Bibi-Blocksberg-Kassette; eine Fernsehserie gibt es außerdem. Strapazierte Eltern können wohl Bibi Blocksbergs Abenteuer ebenso mitsingen und -beten wie die Zielgruppe, die aber "nur" aus Mädchen besteht - was vielleicht der Grund dafür ist, dass "Bibi Blocksberg" erst jetzt ins Kino kommt. Unordentliches Hexenhaus mit wuchernden Garten Harry Potters Schatten liegt auch über den Special Effects, die erwartungsgemäß ungelenker ausfallen als beim britischen Big-Budget-Zauberlehrling. Wenn Bibi und Barbara via Blue Screen auf dem Besen über die Wälder reiten, merkt auch das kurzsichtigste Gör, das da was nicht stimmt. Auch die Felsen der in der Studiohalle aufgebauten Blocksberg-Höhle wirken nicht sehr belastbar. Liebevolle Details und originelle Hingucker findet man aber in Rabias exzentrischer Behausung. Gelungen ist auch Bibis Heim, eine verwinkelte alte Villa und anheimelnd unordentliches Hexenhaus mit wuchernden Garten, wo sich jedes Kind pudelwohl fühlen würde.
Sentimentale Nebenhandlung Und dieses harmonische Universum ist das Problem des Films, zu dem die Autorin Elfie Donnelly selbst das Drehbuch geschrieben hat. Nicht nur wegen der süßlichen Musiksoße, sondern auch, weil Bibi nicht frech genug ist. Die kleine Sidonie von Krosigk als Bibi ist ein niedliches Mädchen, dem jegliche Renitenz abgeht. Statt sich auf ihren Kampf gegen Rabia zu konzentrieren, vertrödelt die Geschichte außerdem viel Zeit in einer sentimentalen Nebenhandlung mit Bibis Freund Florian, der in der Kristallkugel nach seiner Rabenmutter sucht. Zur gemütvoll-altväterlichen Stimmung passt auch Ulrich Noethen, nicht erst seit "Das Sams" auf kleinmütige Heinz-Rühmann-Rollen geeicht, der den geplagten Vater spielt. Corinna Harfouch - wunderbar hysterisch und der Star des Films
Für Bibis fehlenden Schabernack jedoch springt Corinna Harfouch als Rabia mit Schwung in die Bresche. Die Hexe mit Schuhtick - 20 Paar rote Stöckel bunkert sie in ihrer Burg - die auf hohen Hacken und ihrem zu XXL-Größe ausgepolsterten Hintern einherstolziert, ist wunderbar hysterisch und der Star des Films. Als Vorbild schien Glenn Close aus "101 Dalmatiner" gedient zu haben, doch Harfouchs schrille Metamorphosen, die sie zum Beispiel als Putzfrau, Landlady und Managerin vorführen, sind viel komischer. Sie kriegt zwar dauernd was auf die Perücke, doch zumindest einer ihrer Zaubereien hat Pfiff: "Hex, hex" lässt sie im Computer des Vater die korrekten Zahlenreihen des Buchhalters wie betrunken umherpurzeln und verweist den binären Allmachtsanspruch ins Reich weiblicher Magie. So was kann sich nur eine Frau ausdenken. Birgit Roschy, AP |
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Zuletzt geändert am 23. September 2002 13:45 von tea |
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