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Mo 30.09.2002
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Volltreffer: "Kick it like Beckham" - anglo-indische FußballkomödieZwischen Sari und Fritz-Walter-Gedächtnishosen
Im Schlafzimmer der 18-jährigen Jess lächelt ein Glatzkopf mit Ohrring aus dem Poster. Im Wohnzimmer der Familie schaut ein bärtiger Inder in Öl unergründlich in die Runde. Starfußballer David Beckham gegen den Hausguru: Noch steht's 0:0 in der britischen Multi-Kulti-Komödie "Kick it like Beckham", doch es ist klar, dass die zwei Heiligen unter einem Dach bald in den Zweikampf treten. Jess, Tochter einer indischen Familie in einem Londoner Vorort, kann ihrer Leidenschaft für Fußball nur heimlich frönen. Ihre traditionsbewussten Eltern wären schockiert, wenn sie ihre Tochter im Park beim gemeinsamen Bolzen mit Jungs erwischen würden. Als die Fußballerin Jules Jess bei ihren rasanten Pässen beobachtet und zum Probetraining mit einem Frauenfußballteam einlädt, wird aus dem Hobby Ernst. Jess, die Ballkünstlerin
Immer öfter schleicht sich Jess daheim fort, um mit anderen Mädels unter der Obhut des Trainers zu kicken. Dass Jess sich als Ballkünstlerin entpuppt, ihr die empörte Familie auf die Schliche kommt und der Sari dann doch gegen die Fritz-Walter-Gedächtnishosen eingetauscht werden darf, ist zwar so sicher wie das Koriander im Curry: Doch die Vorhersehbarkeit der Komödie tut dem Spaß daran keinen Abbruch. Besser als das "Kick it" im eingedeutschten Filmtitel beschreibt das englische "Bend it" die Zielrichtung dieser Multi-Kulti-Sportkomödie: Wenn man die Regeln so geschickt biegt wie Fußball-Ass Beckham seine Knie, reißen weder Kreuzbänder noch Familienbande. Tiefergehende Probleme werden unter den Teppich gekehrt Im fußballverrückten Großbritannien war die leichtfüßige Komödie, die auf weibliche Teens und Twens zugeschnitten ist, ein Kassenschlager. Denn anstatt die ost-westlichen Unterschiede grimmig zuzuspitzen, illustriert die anglo-indische Regisseurin Gurinder Chadha auf so sanftmütige wie lebensnahe Art die komischen Seiten des alltäglichen "Culture Clashs" und seiner verstohlenen Arrangements. Tiefergehende Probleme werden unter den Teppich gekehrt, auf dem alle tanzen, - wie es sich in einem indisch gefärbten Film so gehört. Und so liegt nicht nur ein Hauch von Bollywood über der lebhaften Handlung, in der abwechselnd - manchmal auch gleichzeitig - gestritten, gedribbelt und gefeiert wird. Wie kriegt man einen Mann ab: Mit Kochen oder aufblasbarem BH
Als die zukünftigen Schwiegereltern von Schwester Pinky voll bigotter Entrüstung die Hochzeit abblasen, weil Jess öffentlich einen Jungen geküsst hat, hängt der Haussegen schief. Dabei hat Jess der kurzhaarigen Jules nur einen Abschiedskuss gegeben. Ihre Freundschaft sorgt für einen weiteren Running Gag, der zeigt, dass auch weiße Briten die Aufgeklärtheit nicht gepachtet haben: In absurder Missdeutung eines Krachs beider Mädchen um den schmucken Trainer hält Jules Mutter ihre Tochter für eine Lesbe. Überhaupt die Mütter! Wenn Mrs. Bahmra die Stimme erhebt und Jess zum Kochenlernen an den Herd scheucht, damit sie einen Mann abkriegt, und wenn Mrs. Paxton aus gleichem Grund ihrer Tochter einen aufblasbaren BH kaufen will, bleibt kein Auge trocken. Die indische Matrone und die weiße Mittelschicht-Tussi bringen ihren Töchtern noch mehr Widerstände entgegen als die Väter. Komische Missverständnisse Komische Missverständnisse und spritzige Dialoge bringen zusätzlich zu den temporeichen Ballwechseln Schwung in die Handlung. Fast sind es zu viele Anspielungen und Episoden, die Chadha in ihren munteren Emanzipationsfilm packt. Den bitter-süßen britischen Erfolgsfilmen wie "Ganz oder gar nicht" oder "Billy Elliot" kann diese eher harmlose Komödie zwar nicht das Wasser reichen. Aber nach dem Abpfiff fühlt man sich glänzend unterhalten - selbst wenn man immer noch nicht weiß, was "abseits" ist. Birgit Roschy, AP |
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Zuletzt geändert am 30. September 2002 13:14 von tea |
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