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2. Liga: Leise Töne vor Derby zwischen Eintracht Frankfurt und Mainz 05

Der Gegner wohnt nur näher dran

Mainz - Sechs Derbys gab es bisher in der Zweiten Bundesliga zwischen der Frankfurter Eintracht und dem FSV Mainz 05. Sechs Mal war das Brimborium vorher größer als es die Partien auf dem Rasen später wert waren. Viel Hype, wenig Highlights. Diesmal herrscht eine trügerische Ruhe vor dieser Partie, in der es für Fans und Profis fast mehr ums Prestige geht als um die Tabellensituation. Doch ein paar Nebengeräusche gibt es schon, die darauf hindeuten, dass der Rhein- Main- Schlager am Freitag (19 Uhr) im Waldstadion halt doch kein alltägliches Spiel ist.

Der Blick auf die offizielle Homepage der Frankfurter Eintracht zeigt: Ganz ohne Störfeuer geht's nicht im Rhein- Main- Derby. "...die Meenzer sin jo nette Kerle, in ihrem Job sind se ach eschte Perle, aber kicke konnte die Meenzer noch nie...", dichtet dort ein unbekannter Meister. "Na, gut", sagt Jürgen Klopp nach der Lektüre dieser vom Versmaß her nicht völlig überzeugenden Zeilen, "vielleicht können wir ja zeigen, dass dem nicht so ist."

Klopp: "Ich keine großen Parolen raushauen"

Das siebte Derby zwischen der Frankfurter Eintracht und dem FSV Mainz 05 in dieser Zweiten Fußball- Bundesliga bietet im Vorfeld wenig Propaganda. Was möglicherweise auch daran liegt, dass die Situation beider Klubs in dieser Runde nicht so gravierend anders ist als früher. "Ich möchte nicht die großen Parolen raushauen", sagt der 05- Trainer. "In den vergangenen Jahren ist vorher stets ohne Ende gebabbelt worden, und nachher gab es Spiele, die man sich auch hätte sparen können."

Besonders der Hype vor dem 0:0 im April im Waldstadion hat Klopp in unangenehmer Erinnerung behalten. "Das Spiel war vorher schon gelaufen, wir mussten eigentlich nur noch auf den Platz." Diesmal soll im Aufeinandertreffen nach Ansicht des Mainzer Coaches "einzig und alleine das Spiel im Vordergrund stehen. Wir betrachten es als eine Partie gegen einen Gegner, der lediglich näher dran wohnt als andere."

Wirbel hatte zuletzt Mainzer gebremst

Die Rivalität zwischen den Fans, das nicht sonderlich freundliche Verhältnis der Mainzer zu Eintracht- Coach Willi Reimann - alles kein Thema für Jürgen Klopp. Und der 35- Jährige tut gut daran, sich aufs rein Faktische zu beschränken, denn der ganze Wirbel hat besonders seiner Mannschaft nie gut getan. Meist waren es die 05er, die auf Grund der Situation merklich verkrampft auftraten, wogegen die Außergewöhnlichkeit des Ereignisses den Frankfurtern meist den nötigen Leistungsschub gab.

"Wenn wir überhaupt einen Grund zur Motivation bräuchten", sagte Klopp, "dann den, die langweilige Statistik auszugleichen." Der Wunsch, nach fünf Unentschieden und einer Niederlage den ersten Sieg zu landen. Der 05- Trainer will im Waldstadion nicht anders auftreten als in St. Pauli oder in Burghausen. "Wir wollen dem Spiel unseren Stempel aufdrücken", sagte der 35- Jährige, "ich erwarte nicht mehr als in anderen Spielen auch, ich erwarte aber, dass wir zeigen, was wir können und mit schwierigen Situationen umzugehen verstehen."

Respekt vor der Eintracht ist groß

Klopp erwartet zudem einen Sieg. Nicht wegen der Tabellensituation (die Eintracht steht auf einem Aufstiegsplatz, die 05er drei Zähler dahinter). Die Tatsache, dass sich der Sieger vorne einnistet - "das spielt für mich keine Rolle", erklärt der Coach. Die Leistung, die Arbeit in dieser Trainingswoche, die will Klopp mit einem starken Auftritt und einem Erfolgserlebnis bestätigt sehen.

Keine andere Mannschaft hat der Coach so oft gesehen, wie das Team mit dem Adler auf der Brust. Der Respekt ist groß. "Die Eintracht gehört zu den drei Top- Favoriten. Dieser Rolle sind sie bisher gerecht geworden. Vielleicht, weil niemand das von ihnen erwartet hat." Sein Team sei jedoch im Waldstadion auf alle Besonderheiten vorbereitet. Die 05er versuchen, alles über die Zweikampfe zu regeln, auf keinen Fall passiv aufzutreten, nach vorne richtig Druck zu entwickeln - wie in der zweiten Halbzeit gegen Aachen. "Dann kriegen wir auch genügend Chancen", weiß Klopp.

Kampf um die Vormachtstellung im Rhein-Main-Gebiet

Denn bei allen Qualitäten, die das Eintracht- Team in dieser Runde präsentiert hat, bei aller mannschaftlicher Geschlossenheit und individueller Fähigkeiten, "niemand hat bisher dort so gespielt, wie wir uns das vorstellen." Der 05- Coach ist sich sicher: "Wenn wir die Mannschaft sind, die wir sein wollen, dann ist es sehr unangenehm gegen uns zu spielen." Und da keiner besser weiß als Klopp, wie sehr vor allen Dingen die Fans diese Partie als Prestigeobjekt betrachten, gibt es dann doch ein kleines Störgeräusch vom Bruchweg. "Wir versuchen ja den Fans jeden Gefallen zu erfüllen. Dann gehört von mir aus auch dazu, dass es um die fußballerische Vormachtstellung im Rhein- Main- Gebiet geht."

Jörg Schneider, Mainzer Rhein-Zeitung


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Zuletzt geändert am 21. November 2002 15:20 von sab

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