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Fr 22.11.2002

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Eminem: Skandalrapper erkämpft Respekt
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Vom "Kulturfeind Nummer Eins" zum "amerikanischen Idol":

Skandal-Rapper Eminem erkämpft Respekt

Anklicken zum Vergrößern Ernsthafter Schauspieler: Eminem (hier eine Szene aus "8 Mile" mit Brittany Murphy)

Die Proteste besorgter Eltern konnten es nicht verhindern: Eminem ist das neue Idol der USA. Mit seinen sexistischen und Gewalt verherrlichenden Texten zählt der weiße Skandal-Rapper seit Jahren zu den ganz Großen in der Hip-Hop-Szene. Inzwischen zollen ihm aber sogar seriöse Kritiker Respekt.

Gerade noch als "Kulturfeind Nummer Eins" gebrandmarkt, lobt die US-Presse den fünffachen Grammy-Preisträger als sozialkritischen "Ghetto-Poeten" und "Exportschlager der USA". Auch bei der Verleihung der "MTV European Music Awards" räumte Eminem in Barcelona gleich drei Mal als Sänger ab - in seiner Heimat wird er derweil schon als neuer Schauspielstar gefeiert.

Anklicken zum Vergrößern Auf dem Weg zum "normalen" Künstler: Eminem

Eminem, vor 30 Jahren als Marshall Bruce Mathers geboren, verbrachte seine Jugend in einem finsteren Armenviertel der Autostadt Detroit. Um sich Respekt im Ghetto zu verschaffen, rappte der Einzelgänger bei so genannten "Freestyle-Battles" um die Wette. Eminem gewann die Schlacht, bekam einen Plattenvertrag und verkaufte in den drei Jahren seiner Karriere weltweit mehr als 16 Millionen Platten.

Das bleibt: Texte entfachen Entrüstungsstürme

Seine Texte haben seitdem immer Stürme der Entrüstung ausgelöst. Schwulen- und Frauengruppen protestierten mehrfach gegen die diskriminierende Sprache, aber auch tausende Briefe konnten die Grammy-Nominierung im vergangenen Jahr nicht verhindern. Eminem weiß, wem er den seinen Erfolg zu verdanken hat: Seine Auszeichnungen als bester männlicher Sänger, bester Hip-Hop-Künstler und für das beste Album widmete der Künstler in Barcelona seinen Fans, ohne die er "nichts" wäre.

Presse zieht Vergleiche mit Dylan und Elvis

Setzt die US-Presse ihre derzeitigen Lobgesänge fort, könnte der blonde Rapper bald hoffähig werden. Das "New York Times Magazine" sieht in ihm schon eines der neuen "amerikanischen Idole", die die Massen unter anderem durch ihre Coolness und ihren Reichtum faszinieren. Die Zeitung "USA Today" findet in Eminems Musik Ansätze des 68-er-Idols Bob Dylan, andere ziehen Vergleiche mit Elvis Presley, der sich wie Eminem als Weißer erfolgreich einen "schwarzen" Musikstil zu eigen gemacht habe. Dasselbe sagen auch schwarze Rapper über ihren Konkurrenten - allerdings aus Wut, dass der Weiße sich in ihr Revier gewagt hat. Und das "New York Times Magazine

Ein netter Schwiegersohn wird er wohl nie

Anklicken zum Vergrößern

Von einem Image als netter Schwiegersohn ist Marshall Mathers gleichwohl noch weit entfernt. Bereits zweimal wurde er wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt, eine Bewährungsstrafe bekam er wegen Gewalttätigkeit gegen einen Mann, der seine damalige Frau Kimberley küsste. Seine eigene Mutter führt einen Prozess wegen Verleumdung gegen ihn. Und viele Amerikaner verübeln ihn heute noch, dass er nach den Terroranschlägen von New York in einem seiner Videos als Osama bin Laden verkleidet auftrat.

Auch als Schauspieler eine "Ausnahmeerscheinung"

Eminem ist all das relativ egal. Er feilt an seiner zweiten Karriere: Als hätte er sich vorgenommen, mit 30 Jahren einen wenigstens halbwegs seriösen Beruf zu ergreifen, stürzte er sich mit Eifer in seine erste Rolle als Schauspieler - und übertraf auch damit sämtliche Erwartungen. Der mit autobiografischen Elementen gespickte Film "8 Mile" über einen Jungen aus dem Ghetto landete gleich nach seinem Erscheinen letzte Woche auf Platz eins der US-Kinocharts. Produzent Brian Grazer ist beeindruckt von der Disziplin und Arbeitswut des Rappers und nennt ihn eine "Ausnahmeerscheinung".

Eminem wird reifer - und sein Publikum zieht nach

  • www.eminem.com
  • Er habe sich künstlerisch weiter entwickeln wollen und habe zeigen wollen, dass er gereift sei, sagte Eminem dem "New York Times Magazine". Das ziehe wohl ein älteres Publikum an. Tatsächlich strömen inzwischen auch "ältere" Fans in die Konzertsäle. Auf den letzten Konzerten zählte immerhin schon rund ein Drittel der Zuschauer mehr als 25 Jahre.

    Brigitte Dusseau, AFP

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    Zuletzt geändert am 22. November 2002 11:42 von to

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