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Mo 23.12.2002

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Forschung mit embryonalen Stammzellen - Klonkinder angekündigt

Das Wissenschaftsjahr 2002

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Klonen. Klonen. Klonen. Das Wissenschaftsjahr 2002 ist geprägt von Diskussionen um Ethik und angekündigte Klonmenschen.

Der Bundestag genehmigt den Import von menschlichen embryonalen Stammzellen nach Deutschland. Gleich zwei Forscher berichten, Frauen seien mit Klonbabys schwanger. Daneben erscheinen das weltweit erste Klonkätzchen und die ersten Klonkaninchen nur noch als Randnotiz.

Am 30. Januar beschließt der Bundestag in Berlin, dass Forscher unter strengen Auflagen menschliche embryonale Stammzellen nach Deutschland importieren dürfen. Nach dem Gesetz müssen die Zellkulturen, die aus menschlichen Embryonen gewonnen wurden, jedoch bereits vor dem 1. Januar 2002 angelegt worden sein. Verboten bleibt in Deutschland, menschliche Embryonen zu klonen - ob zu Forschungszwecken oder zur Fortpflanzung.

Umstrittenes Wettrennen

Während sich die Staatenwelt bei den Vereinten Nationen noch nicht auf ein weltweites Klonverbot einigen kann, liefern sich umstrittene Wissenschaftler ein Wettrennen im Ankündigen von Klonkindern: Im April 2002 behauptet der italienische Arzt Severino Antinori, es gebe weltweit drei Klon-Schwangerschaften, und zwar in der sechsten, siebten und neunten Woche. Diese Kinder müssten allerdings - sollte die Aussage der Wahrheit entsprochen haben - spätestens bis zum Jahresende geboren werden.

Ende November sagt Antinori dagegen, das erste Klonbaby werde Anfang Januar zur Welt kommen, zwei weitere würden folgen. Die US- Forscherin Brigitte Boisselier, Mitglied der UFO-gläubigen Raelianer- Sekte, kündigt kurz darauf die Geburt des ersten Klonbabys noch vor Jahresende an. Viele Forscher zweifeln am Wahrheitsgehalt beider Aussagen.

Weltweit heftige Kritik

Die zwei Klonverfechter stoßen aus ethischen und medizinischen Gründen weltweit auf heftige Kritik. So ist seit Januar bekannt, dass das Klonschaf Dolly sehr früh Arthritis hatte. Klonmäuse leben relativ kurz und sind im Alter ungewöhnlich dick. Laut Dolly-Schöpfer Ian Wilmut ist es "fraglich, ob es überhaupt völlig normale Klone geben kann". Die meisten Klontiere sterben noch im Mutterleib oder kurz nach der Geburt.

Im April präsentieren US-Forscher das erste Klonkätzchen. Für diesen erfolgreichen Versuch seien 87 geklonte Embryonen in insgesamt 8 Katzen eingesetzt worden. Kurz darauf stellt ein französisches Team die ersten Klonkaninchen vor. Einen Fortschritt für die Medizin soll das entzifferte Maus-Erbgut bringen. Mit Hilfe von Versuchsmäusen möchten Forscher die Funktion menschlicher Gene verstehen.

Drastisch gesunkene Fischbestände

Während die Labore mit geklonten und gentechnisch veränderten Tieren bevölkert werden, steht es um die Natur schlecht: Auf der weltgrößten Wissenschaftskonferenz schlagen Forscher im Februar in Boston wegen der drastisch gesunkenen Fischbestände Alarm. In den vergangenen 50 Jahren sei der Fang von Kabeljau, Tunfisch, Schellfisch, Seehecht und Flunder um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Die technisch immer ausgefeilteren Fangflotten ließen keine Rückzugsgebiete mehr, um die Bestände zu regenerieren.

Miese Wetteraussichten

Auch die künftigen Wetteraussichten sind mies: Extrem starke Niederschläge im Winter werden in Mittel- und Nordeuropa in den kommenden 100 Jahren bis zu fünf Mal wahrscheinlicher als heute, wie Forscher im Fachblatt "Nature" berichten. Gleichzeitig erhöhe sich die Gefahr extremer Monsunregen im Sommer in Asien. Der Meeresspiegel wird Studien zufolge wegen der raschen Eisschmelze stärker steigen als angenommen. Ein Lichtblick: Die Vegetation am Rand der Sahelzone hat deutlich zugenommen, vermutlich weil mehr Regen fällt und die Bauern das Wasser besser nutzen als zuvor.

Handfester Skandal

Im Jahr 2002 müssen Forscher mehrere Aufsehen erregende Arbeiten zurückziehen: So stellt sich die vermeintliche Entdeckung der chemischen Elemente 116 und 118 als Irrtum heraus. Zudem erweist sich, dass die Beleuchtung der Kniekehlen keineswegs wie behauptet die innere Uhr verstellen kann - die Augen der Probanden waren bei dem Versuch nicht ausreichend abgedeckt. Und für einen handfesten Skandal sorgt der in den USA arbeitende deutsche Physiker Jan Hendrik Schön, der beschuldigt wird, gezielt Ergebnisse manipuliert zu haben. Das Team um Schön zieht zahlreiche Fachartikel zurück, Schön wird entlassen und gibt Auszeichnungen zurück.

Acrylamid in Lebensmitteln

Schwedische Wissenschaftler warnen im April erstmals vor dem Giftstoff Acrylamid in Lebensmitteln. Bislang werden die konkreten Gesundheitsschäden noch untersucht. Ansonsten berichten Mediziner jedoch viel Positives: Die Wirksamkeit von Akupunktur wird von mehreren großen Studien der Krankenkassen wissenschaftlich belegt, vor allem bei chronischen Schmerzen.

Zwei Pharmafirmen stellen einen neuen Wirkstoff gegen Aids vor. T20 soll bereits das Eindringen der Viren in die Zelle verhindern. In Deutschland kommt die erste Grippe-Pille auf den Markt. Rechtzeitig eingenommen soll Tamiflu die Beschwerden lindern und ihre Dauer verkürzen. Eine jahrzehntelange Impfkampagne war bereits erfolgreich: Die Weltgesundheitsorganisation erklärt im Juni Europa als frei von Kinderlähmung.

dpa - Archivfoto: dpa

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Zuletzt geändert am 23. Dezember 2002 11:59 von aj

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