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Fr 27.12.2002

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Genetische Kopie der Mutter

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Die 46-jährige Chemikerin Boisselier ist Chefin des US-Unternehmens Clonaid mit Sitz in Las Vegas (Nevada). Auch sie gehört der Raelianer-Sekte an.

Angesichts der Zweifel an der angeblichen Geburt des ersten Klon-Babys will die Raelianer-Sekte das Mädchen von einem unabhängigen Gutachter überprüfen lassen. Dies kündigte Boisselier am Freitag in Hollywood im US-Bundesstaat Florida an. Innerhalb von "acht oder neun Tagen" würden die Ergebnisse vorliegen. Sollten sich ihre Angaben als richtig erweisen, wäre die Menschheit in eine neue Ära eingetreten: Erstmals wäre ein Kind nicht mehr das Ergebnis einer genetischen "Mischung" aus Vater und Mutter, sondern die identische Reproduktion eines Elternteils.

Die Raelianer-Sekte glaubt, dass Klonen den Menschen das ewige Leben ermöglicht. Nach ihrer Vorstellung landeten vor 25.000 Jahren Außerirdische auf der Erde und erschufen Mensch, Tier und Pflanze durch Klontechnik aus toter Materie. Die Sekte zählt nach eigenen Angaben 55.000 Anhänger und wurde 1973 von dem "Rael" genannten Franzosen Claude Vorilhon gegründet, der heute in Kanada lebt.

Wettlauf der Forscher

Neben Clonaid arbeiten unter anderen auch Forscher um den US-Mediziner Panos Zavos und ein Team um den italienischen Gynäkologen Severino Antinori an einem Klon-Baby. Antinori hatte Ende November die Geburt des ersten Klon-Babys für Anfang Januar 2003 angekündigt. Er äußerte gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA Zweifel an der Geburt des Klon-Babys der Raelianer. Deren Ankündigung sei nicht "wissenschaftlich" belegt.

DFG-Sprecherin vermutet Sensationshascherei

Auch DFG-Sprecherin Eva-Maria Streier sagte, grundsätzlich glaube sie die Nachricht aus den USA nicht. Sollten die Angaben Boisseliers doch stimmen, dann wäre es "völlig unverantwortlich, es überhaupt versucht zu haben". Sie vermutete hinter der Ankündigung Sensationshascherei. Nach bisherigen Erkenntnissen hätten zwischen 200 und tausend Frauen zur Verfügung stehen müssen, um eine Klonschwangerschaft zu ermöglichen. Die wissenschaftliche Methode sei noch nicht ausgereift, betonte Streier. Auch aus moralischen Gründen lehne die DFG das Klonen ab. Die Produktion eines identischen Wesens sei Selbstzweck und Egoismus.

Experten warnen vor unabsehbaren Folgen

Beim Klonen wird der Kern einer Zelle eines Lebewesens in eine fremde Eizelle eingesetzt, aus der dann eine exakte Kopie dieses Lebewesens entstehen soll. Experten warnen vor unabsehbaren Folgen des Klonens von Menschen. Frankreich und Deutschland haben bei den Vereinten Nationen eine Initiative gegen das Klonen von Menschen eingebracht.

Klonverbot für Menschen gefordert

Die DFG forderte erneut ein weltweites Klonverbot für den Menschen. Dieses war eigentlich schon unterschrifsreif, scheiterte aber kürzlich vor allem an einem Streit zwischen den USA und Großbritannien. Während Washington strikt für ein Verbot von reproduktivem und therapeutischen Klonen ist, will London eine Tür für das therapeutische Klonen - also für medizinische Zwecke - offen lassen.

"Wird dieser Mensch normal sein?"

Der bekannte französische Gentechnik-Forscher Axel Kahn erklärte seinerseits, es gebe bislang "absolut keine Beweise" dafür, dass die Behauptung der Raelianer-Sekte wahr sei. Solange dieser Beweis ausstehe, sollte die Erklärung Boisseliers als "reine Propaganda" betrachtet werden. Zur Überprüfung ihrer Angaben müsste der "genetische Code" des Babys erstellt und dann mit dem Erbgut des mutmaßlichen Elternteils verglichen werden, sagte Kahn im Rundfunk weiter.

Der US-Experte William Muir warnte vor späteren Fehlentwicklungen des Babys, sollte es tatsächlich geklont sein. Der Professor für Gentechnik an der Purdue University in Indiana stellte die wohl alle bewegende Frage: "Wird dieser Mensch normal sein?"

AFP - Archivfotos: dpa

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Zuletzt geändert am 27. Dezember 2002 15:50 von aj

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