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WHO-Experte berichtet nach China-Reise über SARS:

Ärzte als "Superspreader"?

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Polizisten in Peking tragen Mundschutz.

Wiesbaden - Im brechend vollen Saal blieben die Plätze neben Wolfgang Preiser leer. Der WHO-Mitarbeiter aus Frankfurt kommt gerade von einer mehrwöchigen Reise durch China zurück, wo er Ursprung und Ausbreitung der Lungenkrankheit SARS erforscht hat.

Mit Mundschutz betrat er am Dienstag die Bühne bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden, um den Kollegen Bericht zu erstatten. Die Maske nahm er beim Vortrag ab - Preiser ist sicher, sich nicht angesteckt zu haben.

Schneeballartig verbreitet

Gerade Ärzte waren es, die zur weltweiten Ausbreitung der Krankheit beigetragen haben. Einen Nephrologen aus der chinesischen Provinz Guangdong, wo SARS im November 2002 zum ersten Mal auftrat, rechnet Preiser zu den so genannten "Superspreadern" (Superstreuer). Das sind Menschen, die ohne ersichtlichen Grund besonders viele andere anstecken. Der Arzt wohnte in Hongkong im Hotel, wo er mehr als 100 andere Menschen infizierte, die SARS dann schneeballartig weitertrugen.

Der SARS-kranke Arzt aus Singapur dagegen, der am 15. März von New York kommend in Frankfurt auf die Isolierstation kam, lief tagelang krank in New York herum, ging essen, besuchte einen Kongress - und steckte dennoch niemanden an, wie der Leiter der Frankfurter Isolierstation, Hans-Reinhard Brodt berichtete, der den Mann später behandelte. Dass dieser Patient keine menschliche Virenschleuder war, beweist schon die Tatsache, dass er selbst in der Isolation nur eine der beiden ihn begleitenden Frauen angesteckt hat, die andere nicht.

"Überwiegender Teil in Kliniken infiziert"

Ob durch Superspreader oder ohne - inzwischen sind auf Preisers Landkarten erschreckend große große Gebiete der Welt rötlich eingefärbt. Ein helles Rosa steht für solche, in die der Erreger eingeschleppt wurde, ohne dort weitere Infektionen auszulösen. Dunkelrot sind Gebiete, in denen Erkrankte andere angesteckt haben wie in China. Auch Kanada und - wenig bekannt - die USA sind auf Preisers Karte rot gefärbt. "Der weit überwiegende Teil der Menschen wurde in Kliniken infiziert."

Keine Therapie

In Frankfurt gelang es im März, das zu verhindern. Brodt berichtete beim Internistenkongress minutiös, wie das Team vorging, eine Sekundärinfektion zu verhindern. Hunderte Interessierte hörten zu, um gerüstet zu sein, falls sie mit SARS konfrontiert werden. Eine wirksame Therapie konnte ihnen Brodt nicht anbieten: "Es gibt keine." Man könne nur die Symptome kurieren, es im Anfangsstadium mit einem antiviralen Medikament versuchen, zusätzlich Antibiotika geben und vor allem: verhindern, dass Infizierte weitere Menschen anstecken. Daher wirbt Brodt auch für Mundschutzmasken in Arztpraxen.

Die Entwicklung einer Impfung wird "mindestens zwei Jahre" dauern, musste der Frankfurter Virologe Prof. Hans Wilhelm Doerr die Kollegen enttäuschen. Auch eine spezifische Therapie ist nicht in Sicht: "Die Suche nach antiviral wirksamen Substanzen gestaltet sich schwierig. Das ist alles bisher enttäuschend verlaufen." Selbst für die Wirksamkeit des häufig eingesetzten Ribavirin gebe es keine Nachweise im Labor.

Viele Fragen bleiben offen

Viele Fragen zu SARS seien auch nach seiner Reise noch offen, gestand Preiser ein. Was unterscheidet die Superspreader von anderen? Kann man das Virus tragen und verbreiten, ohne selbst zu erkranken? Wie lange ist man nach einer Heilung anteckend? Wieso sind so wenig Kinder betroffen? Und: woher genau kommt der Erreger? "Der Schlüssel zu all diesen Fragen liegt in Guangdong."

Der Schlüssel zur Eindämmung der Krankheit liegt hingegen in allen Ländern mit SARS-Patienten. In China müssen Reisende bei vielen Gelegenheiten Gesundheitserklärungen ausfüllen, die dann aber ungesehen abgeheftet werden, wie Preiser berichtete. Er habe stets den Drang verspürt, bei der Frage nach Fieber und Husten "ja" anzukreuzen, "nur um zu testen, was passiert. Ich bin sicher: nichts".

dpa - Foto: dpa

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Zuletzt geändert am 29. April 2003 15:19 von aj

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