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Poker um Bundesliga-TV-Rechte - Netzer traf ARD-Spitze:

Geheimplan: Comeback der Sportschau?

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München - Im Poker um die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga nimmt die Hektik hinter den Kulissen zu: Bevor Günter Netzer als ARD-Kommentator zum Länderspiel gegen Serbien und Montenegro nach Bremen aufbrach, besuchte er am Montag in München die ARD-Spitze - und das gewiss nicht, um über seinen bevorstehenden Kommentar abzusprechen.

Der Geschäftsführer und Miteigentümer des Rechtehändlers Infront war gekommen, um über den Verkauf der Bundesliga-Rechte zu verhandeln. Nachdem SAT.1 wiederholt erklärt hat, die Bundesliga sei nicht mehr als 40 Millionen Euro wert und SAT.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann in der FAZ vom Montag meinte, der Sender könne ohne Fußball auskommen, sucht Netzer nach Alternativen, um seine Ware ins deutsche Fernsehen zu verkaufen.

Heiß gehandeltes Modell

Das im Moment am heißesten gehandelte Modell: Das Comeback der "Sportschau" mit der Zusammenfassung von den sieben Samstagspielen rückt näher. Das DSF, das inzwischen schon Champions-League-Spiele zeigt, berichtet über die beiden Sonntags-Spiele. Aber die Situation ist verfahren: Noch hat der Gläubiger-Ausschuss der insolventen KirchMedia dem Verkauf des DSF an EM. TV/Karlstadt-Quelle nicht zugestimmt und damit sind in diesem Bereich alle Verhandlungen blockiert.

Im Interview mit Sport-Bild (Mittwochausgabe) bestätigte der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Jobst Plog das grundsätzliche Interesse des öffentlich-rechtlichen Senders: "Mit einem vernünftigen, zeitnahen Vorlauf wäre die ARD jederzeit uneingeschränkt in der Lage, zeitnah von der Bundesliga zu berichten." Allerdings schränkt er auch ein: "Wie jeder andere Sender auch würden wir die Liga gerne bei uns haben. Aber: Wir arbeiten mit festen, mittelfristig geplanten Sport-Etats, die wir nicht überschreiten können und wollen."

WM 2006 in einem Aufwasch?

Die ARD befürchtet, ein Aufschrei der Empörung würde durch die Öffentlichkeit gehen, wenn sie um die 60 Millionen für die Rechte bezahlt, die anderen nur 40 Millionen wert sind. Rechtfertigen ließe sich das gegenüber dem Gebührenzahler nur, wenn die ARD gleichzeitig einen Abschluss betreffend die WM 2006 bekanntgeben könnte.

Dort würde die ARD am liebsten die Übertragungsrechte an allen Spielen von Infront erwerben und einzelne Spiele dann weiterverkaufen. Diese Konstruktion aber schmeckt Netzer nicht; er will beide Dinge getrennt verhandelt wissen. Außerdem ist fraglich, wo die 20 Millionen "verrechnet" werden sollen, die bislang von der ARD für die Zweitverwertung bezahlt worden sind. - RTL hält sich aus dem ganzen Poker raus, ist allenfalls an Live-Spielen interessiert.

"Prioritäten formuliert"

"Die ARD hat in Sachen Fußball ihre Prioritäten formuliert, die liegen bei der Übertragung der Fußball-WM 2006 zusammen mit dem ZDF, beim DFB-Pokal und bei den Länderspielen", sagte Plog in Sport-Bild, "diese Ziele werden wir wegen der Bundesliga nicht gefährden. Nur wenn die Bundesliga-Erstrechte innerhalb des geschilderten Etat-Rahmens zu erwerben wären, könnte sich für uns ein Verhandlungsfenster öffnen. Bislang liegt uns aber kein entsprechendes Angebot vor." Eine Erhöhung der Rundfunkgebühren zur Finanzierung des Deals schließt Plog ausdrücklich aus.

Die Zeit drängt

Die Situation bleibt verfahren, aber die Zeit drängt. Bis zum 15. Mai - so der Vertrag zwischen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Buli GmbH, einer hundertprozentigen Infront-Tochter - muss die Buli GmbH eine Bürgschaft über die Zahlung von 290 Millionen Euro an die DFL abgegeben haben. Hat die Buli GmbH aber bis dahin keine Einnahmen - sprich: hat Netzer keine Fernsehrechte verkauft - kann Infront die Tochter kaltlächelnd pleite gehen lassen, würde selber aber die WM-Rechte behalten. Eine Firma in Insolvenz kann keine Bürgschaft mehr abgeben: die Bundesliga-Rechte würden an die DFL zurückfallen, und die Geschäftsführer Straub, Pfad, Müller und Co. müssten selber hausieren gehen, um die Bundesliga zum Fernsehzuschauer zu bringen.

"Panikmeldungen helfen nicht weiter"

Da schon Netzer in diesem Jahr, als SAT.1 noch 80 Millionen Euro löhnte, geschätzte 30 Millionen Euro Verlust gemacht hat, lässt sich leicht ausrechnen, dass die Liga froh sein dürfte, wenn sie bei Eigenvermarktung etwas über 200 Millionen Euro erzielen würde. Wie die 1. und 2. Bundesliga, die im neuen Lizenzierungsverfahren auf Basis von 290 Millionen Euro aus dem TV-Bereich jetzt schon unter Auflagen und Bedingungen ächzt, einen unerwarteten Ausfall von weiteren rund 25 Prozent verkraften soll, weiß im Moment niemand.

DFL-Finanz-Geschäftsführer Christian Müller hatte noch vor zwei Wochen erklärt: "Panikmeldungen helfen nicht weiter. Ich gehe davon aus, dass die Gegenseite vertragstreu bleibt. " Wenn er sich da bloß nicht täuscht...

sid - Montage: rzo

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Zuletzt geändert am 29. April 2003 13:52 von aj

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