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Loriot zum Dozenten der Berliner Universität ernannt:

Professor ante Portas

Berlin - Seine Ernennung zum Honorarprofessor nimmt Vicco von Bülow alias Loriot mit jener ironischen Verdrehung ins Absurde hin, die ihn unverwechselbar macht: "Es ist mir in 80 Jahren nicht gelungen, mich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren, die man als Beruf bezeichnen kann", sagte der Humorist in seiner Dankesrede an der Universität der Künste Berlin.

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Dass er im Wintersemester an der Universität Lehrveranstaltungen im Fach "Theaterkünste" anbieten werde, sei in einem gewissen Sinne unvermeidlich gewesen, fügte Loriot hinzu. Schließlich habe es in seiner Familie seit jeher "eine gefährliche Schwäche" gegeben - den Hang zur Bühne. In einem sei er der seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Offizierstradition seiner Familie treu geblieben: Den Menschen etwas vorzumachen.

Neigung zu "interessanten Gedächtnislücken"

In der akademischen Feierstunde gab Loriot dem amüsierten Publikum einen kleinen Vorgeschmack darauf, was die Studierenden von ihm erwarten dürfen, dämpfte aber zugleich zu hohe Erwartungen: "Menschen zwischen dem achten und neunten Lebensjahrzehnt" neigten zu "interessanten Gedächtnislücken", die sich auch im Lehrsaal bemerkbar machen könnten. Dies habe aber zugleich einen Vorteil, denn das gemeinsame Schließen dieser Lücken festige "den Zusammenhalt zwischen Lehrenden und Lernenden", versprach der 79-Jährige ein anregendes Unterrichtsklima.

Loriot räumte ein, dass er auf die Anfrage der Berliner Universität nach einer Lehrtätigkeit seinerseits zögerlich reagiert habe. Nachdem er einen spontanen Freudenausbruch unterdrückte, habe er sich schließlich "in einem schwachen Augenblick" einverstanden erklärt. Allerdings plagten ihn immer noch Bedenken. Denn der Universität sei es gelungen, mit ihm "das Durchschnittsalter ihrer Professoren bedrohlich anzuheben".

Legt "Verkleinbürgerlichung unserer Gesellschaft" bloß

Dass die Berliner Universität mit Loriot nicht einfach nur einen ausgewiesenen Könner von Inszenierungen und eine populäre Figur im Lehrkörper wünschte, deutete in seiner Laudatio der Gründungsrektor des Berliner Wissenschaftskollegs und Freund Loriots, Peter Wapnewski, an. Loriot lege in seinem Schaffen die "Verkleinbürgerlichung unserer Gesellschaft" bloß. Wapnewski zeigte sich demonstrativ irritiert darüber, dass Loriot einer Umfrage zufolge neben Richard von Weizsäcker sowie einem gewissen "Jauch" und einem "Gottschalk" zu den "bekanntesten Deutschen" gehöre. So schloss Wapnewski seinen Lobgesang konsequent mit einem verballhornten, an Gummibären-Fernsehwerbung erinnernden Lobgesang: Loriots bisheriges Wirken mache froh - "als Professor mach' es ebenso!" Das Auditorium jubelte.

Skurrile Bühneneinlagen

Überhaupt bewiesen die Veranstalter ein sicheres Händchen, um den richtigen Ton für die Feierstunde zu treffen. Sowohl der von Studierenden und Lehrenden der Fakultät Musik vorgetragene musikalische Rahmen als auch die skurrilen Bühneneinlagen zweier mit Masken ausgestatteter Butler vermittelten eben jenen feinen Hauch gezielter Loriot'scher Schrägheit. Das Wintersemester an der Universität der Künste dürfte sich auf einen Lehrmeister des Lebens freuen, dem allzu strenges professorales Gepränge fehlt und der dafür andere Qualitäten hat - zum Beispiel "Überzeugungstreue, auch Altersstarrsinn genannt", verriet Loriot schon einmal.

Peter Leveringhaus (ddp), dpa; Foto: dpa

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Zuletzt geändert am 1. Juni 2003 19:06 von jo

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