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So 22.06.2003
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Rau ruft in Israel zur Beendigung der Gewalt auf - Ziel:"Friedliche Nachbarschaft zweier Staaten"
Jerusalem - Bundespräsident Johannes Rau hat sich am Sonntag in Jerusalem eindringlich für ein Ende der Gewalt in Nahost ausgesprochen. Nach einem Gespräch mit dem israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav sagte Rau, "eine Beendigung der Attentate, für die es keinerlei menschliche Begründung gibt, ist gegenwärtig das Wichtigste". Der internationale Friedensplan weise einen Weg in die Zukunft. "Es ist ein steiniger Weg, aber am Ende könnte die friedliche Nachbarschaft zweier Staaten stehen", sagte Rau. Er bekräftigte, Deutschland wolle gemeinsam mit anderen europäischen Staaten und den USA alles tun, damit aus der Perspektive eine Realität werde. Katzav würdigte Rau als "großen Freund Israels" und lobte seinen energischen Kampf gegen den Antisemitismus. Europa könne bei der Bekämpfung des Terrors eine wichtige Rolle spielen, sagte er. Die radikal-islamische Hamas-Bewegung rufe weiter offen zur Zerstörung Israels auf. Sie müsse daher "total boykottiert werden". Menschen schilderten Sorgen und Ängste
Rau war am Morgen aus Jordanien angereist, wo er an der Eröffnung der Sonderkonferenz des Weltwirtschaftsforums teilgenommen hatte. Zunächst besuchte er in Bethlehem im Westjordanland die christliche Talitha-Kumi-Schule und anschließend das Caritas Baby Hospital in der Stadt. Beide Institutionen werden aus Deutschland massiv unterstützt. Mit Repräsentanten der palästinensischen Autonomiebehörde traf Rau nicht zusammen. In der Schule und im Krankenhaus schilderten ihm die Menschen ihre Sorgen und Ängste angesichts der andauernden israelischen Besatzung. Seit Beginn der Intifada im September 2000 haben beide Einrichtungen stark unter dem Konflikt zu leiden. "Leuchtturm von Frieden und Verständigung"
In Jerusalem besuchte Rau die Hand-in-Hand-Schule, die sich für die Verständigung zwischen jüdischen und arabischen Schülern einsetzt. Dort traf er den langjährigen Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek (92), den Rau als "Leuchtturm von Frieden und Verständigung im Heiligen Land" würdigte. In der vor sechs Jahren von Kolleks Jerusalem-Stiftung gegründeten Schule werden die Schüler auf Hebräisch und Arabisch unterrichtet, um die friedliche Koexistenz beider Völker zu fördern. Erstes Museum für verfolgte Kunst eröffnet
Am frühen Abend eröffnete Rau gemeinsam mit Präsident Katzav in der Hafenstadt Aschdod das weltweit erste Museum für verfolgte Kunst und bezeichnete dabei die Erinnerung an den Holocaust als wichtigste Aufgabe seiner Generation. "Wir müssen unseren Kindern immer wieder erklären, was geschehen ist und wie es dazu kommen konnte", sagte Rau. Bei seinem Staatsbesuch in Israel vor drei Jahren habe er in der Knesset gesagt: "Wenn die Zeitzeugen gestorben sind, muss das Wissen sicher in die Hände der Jugend übergeben worden sein." In dem Museum wird die umfangreiche Kunstsammlung des Kölner Ehepaares Kenda und Jacob Bar-Gera ausgestellt. Die Kollektion umfasst unter anderem Werke der russischen Nonkonformisten sowie deutsche Künstler, die von den Nationalsozialisten verboten waren. Das Kölner Ehepaar hat in mehr als 30 Jahren Kunst der in der damaligen Sowjetunion verfolgten russischen Nonkonformisten sowie Arbeiten deutscher Künstler, die unter den Nationalsozialisten als "entartet" verfolgt wurden, gesammelt. Außerdem zählen Werke der unter dem faschistischen Regime Spaniens verfolgten Künstler zur Sammlung. Kenda Bar-Gera, deren Mann Jakob im Januar gestorben ist, hatte das Ghetto von Lodz und das KZ Auschwitz überlebt. "Trotz des Schrecklichen, das Ihnen Deutsche angetan haben, haben Sie meinem Land und seinen Menschen wieder die Hand gereicht", sagte Rau. dpa - Fotos: dpa |
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Zuletzt geändert am 22. Juni 2003 18:13 von aj |
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