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zurückblättern  ... Henry Rono: Vom Weltrekordler zum Kofferträger

Das begnadete Naturtalent verlor im Alkoholrausch alle Unterlagen über seine Konten, auf denen er in einigen europäischen Städten den Großteil des stattlichen Vermögens deponiert hatte. "Er weiß nicht mehr, wo er sein Geld eingezahlt hat, und schon gar nicht, unter welchen Nummern die Konten geführt werden", sagt Jos Hermens. Der Manager von Rono-Nachfolger Haile Gebrselassie (Äthiopien) war am 11. Juni 1978 sechs Kilometer lang Tempomacher bei Ronos Wiener 10.000-m-Weltrekord von 27:22,5 Minuten.

"Er kommt an sein Geld nicht mehr heran"

Kenia-Kenner Robert Hartmann bestätigt: "Henry kommt an sein Geld nicht mehr heran. Nur wenig von seinen Gagen hat er in Afrika investiert, wo seine Mutter eher ärmlich lebt. Ganz in ihrer Nähe ist übrigens Wilfred Bungei zu Hause, Ronos Neffe, der nicht erst seit seiner Steigerung auf 1:43,05 Minuten in diesem Jahr das größte 800-m-Talent überhaupt ist."

Angefangen hatte Ronos unglaubliche Serie am 8. April in Pullman/US-Bundesstaat Washington. Dort, wo er im Oktober 1976 ein später abgebrochenes Studium der Wirtschafts-Psychologie begonnen hatte, steigerte der bis dahin völlig unbekannte Nandi den 5000-m-Weltrekord auf 13:08,4 Minuten. Fünf Wochen später, am 13. Mai 1978, riss Rono trotz erbärmlicher Technik in 8:05,4 Minuten auch die Bestmarke über 3000 m Hindernis an sich. Die Welt sprach fortan vom Wunderläufer.

"Der Mann, der nicht langsam laufen konnte"

Nach dem Wiener Weltrekord brach endgültig die Rono-Mania aus. Alle anderen Weltklasse-Leichtathleten waren im Vergleich zu dem "Mann, der nicht langsam laufen kann", nur Statisten. Seine Serie krönte Rono Ende Juni in Oslo mit 7:32,1 Minuten über 3000 m. Die vier Weltrekorde auf diesen Distanzen, inzwischen längst überholt, hatte selbst Finnlands Laufidol Paavo Nurmi nicht zur gleichen Zeit unter einen Hut gebracht.

Fortan wurde Rono von allen Veranstaltern gejagt. Den guten Rat von Freunden, höchstens einmal pro Woche zu starten, schlug er schnell in den Wind und lief nach der alten Weisheit, dass sich Talent nur selbst zerstören kann, im 48-Stunden-Takt ins Desaster.

Niedergang setzte sich kontinuierlich fort

Bald litt Rono, absolut beratungsresistent, unter Verfolgungswahn, glaubte gar, sein Trainer John Japlin wolle ihn umbringen. Kenias Olympiaboykott ersparte ihm 1980 in Moskau eine mögliche Blamage. Ein Jahr später schaffte Rono noch einmal ein großes Comeback. Nach meist dreimal Training am Tag über drei Monate steigerte er 1981 in Knarvik seinen 5000-m-Weltrekord auf 13: 06,2 Minuten.

Doch der Niedergang setzte sich fort. Rono wurde zum Watschenmann, den die Meeting-Chefs für stattliche Gagen überall präsentierten - und den fast jeder Gegner mal schlagen durfte. 1986 brachte er sich noch einmal in erstaunliche Form zur Marathonzeit von 2:19:12 Stunden.

Verband musste ihn aus Gefängnis freikaufen

Bald war Rono der tragische Held. Die Kontodaten hatte er längst verloren und vergessen. Unter falschem Namen mietete er sich in Hotels ein und zahlte die Rechnungen nicht. Er wurde wegen Betruges verhaftet, der Leichtathletik-Weltverband IAAF musste ihn einmal aus dem Gefängnis freikaufen.

Henry Rono war mit Emil Zatopek und Paavo Nurmi auf alle Fälle vergleichbar. "Wahrscheinlich hatte er größeres Talent", sagt Zeitgenosse Jos Hermens über den Nandi. Hollands früherer Stunden-Weltrekordler ist sicher: "Wenn Henry Rono gut gemanagt worden wäre, hätte er wie Haile Gebrselassie zehn Jahre lang Weltrekorde laufen können." Und möglicherweise hätte dann auch einer für ihn die Nummern der geheimen Konten notiert.

Von Gerd Holzbach, sid


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Zuletzt geändert am 24. Juni 2003 15:43 von sab

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