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Irak: Tuwaitha lebt mit der Angst vor radioaktiver Katastrophe

"Was ist mit dem gelben Pulver?"

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Ein Inspektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) inspiziert am 10. Juni 2003 die Atom- Anlage El Tuwaitha bei Bagdad. Es wurden Bodenproben entnommen. Darüber, ob und wie viel gefährliches radioaktives Material bei den Plünderungen nach Kriegsende abhanden gekommen ist, gibt es noch keine gesicherten Angaben.

Tuwaitha - Mit der Furcht vor radioaktiver Verstrahlung steht Abdul Jaber Jassin, der neben der geplünderten irakischen Atomanlage Tuwaitha wohnt, auch nach dem Besuch ausländischer Experten weitgehend allein da.

"Was ist mit dem gelben Pulver, das die Männer aus einem Behälter der Anlage in den trockenen Bachlauf gekippt haben", fragt sich der 51 Jahre alte Landwirt. Das Gefühl, neben einer strahlenden Zeitbombe zu leben, lässt ihn nicht los. Tatsächlich könnte das Pulver "Yellow Cake" sein, ein Zwischenprodukt bei der Gewinnung spaltbaren Urans.

"Die hörten nicht"

Es ist nicht so, dass Plünderer nicht auch gewusst haben, dass sie mit dem Feuer spielten, als sie im April nach dem Sturz des Regimes über die vorher streng abgeschirmte Atomanlage herfielen. Ein Arzt aus der Nachbarschaft habe ausdrücklich gewarnt, Behälter aus der Anlage zu benutzen, sagt Abdul Jaber. "Er hat sogar gesagt, ich gebe euch Geld für andere Eimer. Die hörten nicht", sagt er. Später jedenfalls sei daraus sogar Milch verkauft worden.

Es waren die Tage, als plündernde Iraker verlassene Behörden und Staatsbetriebe nach technischen Geräten, nach Wertgegenständen und Waffen absuchten. US-Soldaten sahen einige Tage lang nur zu, auch als Krankenhäuser und Schulen ausgeraubt wurden. Erste Meldungen über Plünderungen an der etwa 20 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Atomanlage ließen allerdings weltweit Alarmglocken klingeln, weil radioaktive Stoffe in falsche Hände geraten sein könnten.

Greenpeace: Tausendfach über dem Normalwert

Doch habe sich nahezu das gesamte nukleare Material aus Tuwaitha wieder eingefunden, berichten Medien unter Berufung auf Kreise der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO). Ein Team der Organisation hat die Anlage untersucht, sich öffentlich aber nicht geäußert. Zugang zu den Menschen im Ort hat sie von der Besatzungsmacht nicht bekommen. Auch eine Delegation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwies in Bagdad bei Fragen zu Tuwaitha an lokale WHO-Mitarbeiter.

Ein Team der Umweltschutzorganisation Greenpeace hat aber in den vergangenen Tagen das Gebiet untersucht. Die radioaktiven Werte lägen bis zu tausendfach über dem Normalwert. In einem Haus nahe der Anlage sei der Wert sogar zehntausend Mal höher. "Würde so ein nukleares Desaster in einem westlichen Land passieren, wären hier schon Schwärme von Experten und Entsorgungsteams am Werk und die Menschen erhielten medizinische Hilfe", sagt Greenpeace-Sprecher Wolfgang Sadik.

"Das ist eine verseuchte Gegend"

Der Direktor des Krankenhauses in Tuwaitha, Abdulla Karim, ist seit den Tagen der Plünderung höchst alarmiert. Mit Reihenuntersuchungen und Bodenproben könne die Gefahr geklärt werden. Die Besatzungsmacht müsse handeln. "Das ist eine verseuchte Gegend. Niemand kümmert sich darum. Ich meine, es muss Evakuierungen geben, Beschränkungen für die Landwirtschaft und das Weiden des Viehs", sagt er.

"Wir hören Berichte von Leuten, die von radioaktiver Strahlung Verbrennungen haben. Sie trauen sich aber nicht ins Krankenhaus, weil sie Strafe für die Plünderungen fürchten", sagt der Direktor. "Niemand sieht diese Leute. Aber es gibt sie. Das ist nach den Geschehnissen logisch." Auf öffentliches Mitleid brauchen verstrahlte Plünderer in dem Land nicht hoffen. Im Gegenteil äußern sich Iraker überzeugt, es habe nicht die Falschen getroffen.

dpa - Archivfoto: dpa

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Zuletzt geändert am 24. Juni 2003 13:17 von aj

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