[an error occurred while processing this directive]
IVWPixel Zählpixel

  Ticker    Tabellen    US Sports    Sportfoto    Übersicht 

Home     Kontakt     Site Map  

[?] [?]

Fußball-Welt trauert - Kameruns Nationalspieler brach auf Feld zusammen

Foes tragischer Tod wirft viele Fragen auf

Paris - Trauer und Bestürzung in der ganzen Fußball-Welt, aber auch viele offene Fragen: Der tragische Tod von Kameruns Nationalspieler Marc-Vivien Foe am Donnerstagabend hat einen Schatten über den Konföderationen-Cup in Frankreich gelegt, den sportlichen Stellenwert des Turniers völlig in den Hintergund gedrängt und viele Rätsel aufgegeben.

Anklicken zum Vergrößern
Dramatische Szenen in Lyon: Marc-Vivien Foe wird vom Platz getragen, Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg.

Nach einer Autopsie am Freitag wurde ein Herzschlag als Todesursache ausgeschlossen, zudem sei bei der Untersuchung nichts Untypisches festgestellt worden. Durch weitere Blutanalysen und toxikologische Tests erhoffen sich die Gerichtsmediziner in den nächsten Tagen genauere Aufschlüsse darüber, was zum plötzlichen Tod des 28-Jährigen geführt hat.

Spieler und Offizielle unter Schock

Die Nachricht vom Tod des beliebten Profis hat Spielerkollegen und Offizielle in einen Schockzustand versetzt. "Die Fifa und die gesamte Familie des Fussballs sind zutiefst bestürzt über diese unglaubliche Tragödie", sagte Fifa-Präsident Sepp Blatter: "Im Namen aller spreche ich der Familie von Marc-Vivien Foe, seinen Angehörigen, dem kamerunischen Fußball und seinem Verein mein aufrichtiges Beileid aus und möchte sie in diesen schmerzlichen Stunden unserer vollen Unterstützung versichern. Unser Sport hat einen bemerkenswerten Menschen und Spieler verloren."

Bluttest hatte keine Unregelmäßigkeiten ergeben

Foes Leiche wurde am Freitag in der Gerichtsmedizin von Lyon obduziert. Fifa-Arzt Alfred Müller und Jean Marcel Ferret, "Doc" der französischen Nationalmannschaft, wollten einen Pulsaderriss als mögliche Ursache für den plötzlichen Tod des 28-Jährigen nicht ausschließen. Foe hatte nach offiziellen Fifa-Angaben zwei Tage vor dem Spiel über Durchfall geklagt und sich deshalb einem Bluttest unterzogen, der aber keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten oder eine Infektion ergab. Dem Spieler wurden NaCL und Immodium verabreicht. Am Mittwochabend habe sich Foe wieder gut gefühlt, wie Kameruns Mannschaftsarzt ausrichten ließ.

Anklicken zum Vergrößern
Trauer auch bei den Fans von Manchester City, wo Foe zuletzt unter Vertrag stand.

Unterdessen wies die Fifa am Freitagmittag Spekulationen zurück, die Versorgung im Stadion wäre unzureichend gewesen: "Die Erste-Hilfe-Station verfügt über eine angemessene medizinische Ausstattung, wie sie ein Krankenhaus zur Verfügung hat." Die Reanimation sei sofort eingeleitet worden, nachdem Foe zuvor mit Sauerstoff versorgt worden und an eine Infusion angehängt worden sei.

45-minütige Reanimation ohne Erfolg

Die Sport-Tageszeitung L'Equipe hatte einen kamerunischen Herzspezialisten zitiert, der unter den Zuschauern war und sich darüber gewundert hatte, dass nicht schon auf dem Spielfeld mit Herzmassagen begonnen worden sei. Mehrere Zeugen bestätigten, dass Foe noch lebte, als er vom Platz getragen wurde, was auch die Fifa bestätigte.

Der dreifache Familienvater war 16 Minuten vor Ende des Halbfinales, das Kamerun mit 1:0 (1:0) gegen Kolumbien gewann, zusammengebrochen und nach 45-minütigen Reanimationsversuchen auf der Krankenstation im Stadion gestorben. Der deutsche Schiedsrichter Markus Merk (Kaiserslautern) hatte das Spiel nach einer sechsminütigen Unterbrechung wieder angepfiffen.

Kamerun will zum Endspiel antreten

Kameruns Spieler, die die Nachricht beim Auslaufen erfuhren, ließen sich wie vom Blitz getroffen auf den Rasen fallen und weinten hemmungslos. In Paris, wo vor dem zweiten Halbfinale, das Frankreich gegen die Türkei mit 3:2 (3:1) gewann, vor dem Anpfiff eine Gedenkminute eingelegt wurde, liefen Frankreichs Nationaltrainer Jacques Santini und einigen Spielern die Tränen übers Gesicht. Santini hatte Foe bei Olympique Lyon trainiert und mit ihm vor zwei Jahren den Ligapokal gewonnen, ehe Foe auf die britische Insel ausgeliehen wurde.

Mohamed Iya, Präsident des kamerunischen Verbandes, bestätigte am Freitag nach Rücksprache mit seinem Sportminister, dass die Nationalmannschaft am Sonntag in Paris zum Endspiel gegen Frankreich (21.00 Uhr/live in Eurosport) antritt. Das Team flog am Freitag von St. Etienne nach Paris in ein Trainingszentrum, das normalerweise von Frankreichs Rugby-Nationalmannschaft genutzt wird.

Kritik am Modus des Turniers

Sepp Blatter stattete unterdessen Foes Witwe, die im Norden von Lyon lebt, einen Beileidsbesuch ab. Der Fifa-Präsident regte an, den nächsten Konföderationen-Pokal 2005 in Deutschland nach Marc-Vivien Foe zu benennen. Dem müsste das Exekutiv-Komitee auf seiner Sitzung am Samstag in Paris offiziell zustimmen. Unterdessen regte sich erste Kritik am Modus des Turniers mit Spielen alle zwei Tage am Ende einer langen Saison und bei hochsommerlichen Temperaturen. Fifa-Kommunikationsdirektor Markus Siegler wies diese Argumente barsch zurück: "Ich finde es zynisch und ungerecht, solche Spekulationen anzustellen, bevor die genaue Todesursache bekannt ist." In Kamerun fielen die üblichen Siegesfeiern mit Hupkonzerten und Autokorsos aus. Nach dem Schlusspfiff blieben die Fans an den Fernsehern, um über Foes Schicksal informiert zu werden. Nach der Todesnachricht legte sich bleierne Trauer über das Land. Das Fernsehen unterbrach sein Programm für eine Sondersendung. Über einen nationalen Trauertag wird noch nachgedacht.

Von Rainer Kalb, sid - Foto: dpa


Zum SeitenanfangZum Seitenanfang

 Suche in RZ-Online

 RZ

Web


[?]

Zuletzt geändert am 27. Juni 2003 14:16 von sab

» Artikel druckenDruckversion
» Artikel empfehlen
» Schriftgröße einstellen
» Impressum