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Do 31.07.2003
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Neues Trend-Event: Flash-Mobs passieren überall und scheinbar spontan:Und plötzlich fängt das Hüpfen an
Berlin - Um 18.07 Uhr spannt der Mann auf dem Potsdamer Platz seinen bunten Regenschirm auf. Das ist das Zeichen, auf das alle gewartet haben. Etwa 50 Menschen hüpfen und klatschen auf sein Kommando. Nach fünf Minuten ist am Mittwoch in Berlin der erste so genannte Flash Mob zu Ende. Flash Mobs sind Menschenmengen, die anscheinend blitzartig entstehen, absurde Dinge tun und nach wenigen Minuten wieder verschwinden. Ort und Zeit der Aktion werden im Internet bekannt gegeben. Das Phänomen kommt aus den USA und hat sich innerhalb weniger Wochen nach Europa und nun auch in mehrere deutsche Städte ausgebreitet. Erster Flash Mob traf sich in einem New Yorker Kaufhaus Die ersten kleinen Massenaufläufe dieser Art fanden US-Medien zufolge im Juni in New York statt - organisiert als Kunstperformance mit dem Namen "The Mob Project". Etwa 100 Menschen, so heißt es, versammelten sich in der Teppichabteilung eines Kaufhauses um einen einzigen großen Teppich. Den verwirrten Verkäufern erzählten sie, sie gehörten zu einer Kommune außerhalb New Yorks und seien auf der Suche nach einem neuen Liebesteppich. Die Instruktionen dazu hatten sie erst kurz zuvor per Handzettel bekommen. Seither hat der Mob sich selbstständig gemacht. Die ersten Flash Mobber haben in San Francisco, Texas, Minneapolis und Boston zahlreiche Nachahmer gefunden. Sie haben auf Kommando geklatscht, gerufen und getanzt. Einfach so, ohne Sinn und Botschaft. Soziologen sprechen von einer neuen sozialen Bewegung Schon sprechen die ersten Netzkultur-Theoretiker von einer neuen sozialen Bewegung. "Jeder kann da sein Stück herein interpretieren", sagt Rolf Kunz, der Mann mit dem Regenschirm, der am Mittwoch den ersten Berliner Mob zusammenrottete. "Es könnte als Rückeroberung des öffentlichen Raums verstanden werden oder einfach nur als Spaßhappening." Es gehe darum, Gemeinschaft mit Unbekannten zu erleben.
Kurz vor 18.00 Uhr waren die 50 Berliner Teilnehmer um einen Brunnen am Potsdamer Platz geschlichen, auf der Suche nach dem Regenschirm und nach Mitstreitern. "Es geht darum zu demonstrieren, dass viele Leute über das Internet zusammengetrommelt werden können", sagt Flash Mobber Daniel Loske. Es mache ihm einfach Spaß, "Leute zu verarschen". Jene Leute, die nicht wissen, wie ihnen geschieht, als plötzlich eine Gruppe von Unbekannten wie von Geisterhand geführt Gymnastikübungen auf dem Platz vollführt. Noch überraschter allerdings sind die Menschen über die zahlreichen Fernsehteams, die das Freilufttheater filmen. "Die Aktion müsste geheimer sein. Undercover, wie in den USA. So ist es keine Überraschung mehr", ärgert sich Loske. Das subversive Element der spontan im Internet geschaffenen Gemeinschaft sei damit dahin. Internet-Gemeinde befürchtet Kommerzialisierung der Mobs Organisiert wurde der erste Berliner Flash Mob - anders als in den USA - von einem Radiosender. Das hat in der Internetgemeinde für Unruhe gesorgt. Von "Kommerzialisierung" ist abfällig die Rede. Zumal ein Internet-Aktivist die erste Berliner Aktion eigentlich für Freitag vor dem Kaufhaus des Westens (KaDeWe) angekündigt hatte. Andere rufen im Internet (www.flashmob.twoday.net) zu Spaßaktionen am Wochenende oder in der kommenden Woche in Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt und zahlreichen anderen deutschen Städten auf. Und täglich kommen neue hinzu. Friederike Böge, Reuters |
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Zuletzt geändert am 31. Juli 2003 13:14 von mwege |
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