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MDR: "Ein Kessel DDR" verspricht die ganze Wahrheit über die DDR

Wer das Schlechte vergisst, wird dumm

Leipzig - Die Show-Treppe darf nicht fehlen. Nachdem Brummbär Gunther Emmerlich und Sportass Franziska Schenk heruntergeschlendert sind, begrüßt Emmerlich das Publikum mit "Freundschaft". Als Schenk auf russisch "Druschba" antwortet, schmunzeln die 300 Zuschauer bei der Aufzeichnung der MDR-Ostalgieshow "Ein Kessel DDR" in Leipzig das erste Mal.

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Die beiden Moderatoren Franziska Schenk und Gunther Emmerlich sitzen vor einer Videoleinwand mit dem Logo der MDR-Show "Ein Kessel DDR". Ausgestrahlt wird die erste von vier geplanten Shows am Freitag (22. 08. 2003) im MDR- Fernsehen.

Passend geht's mit einem Marx-Zitat weiter: "Lachend nimmt die Menschheit Abschied von der Vergangenheit", sagt Emmerlich. Am Freitag ab 21.00 Uhr ist die Premierensendung im MDR-Fernsehen zu sehen.

Nicht nur "Friede-Freude-Eierkuchen"

Den Anspruch der Show macht Emmerlich mit einem Ausspruch von Erich Kästner noch deutlicher: "Wer das Gute vergisst, wird böse, wer das Schlechte vergisst, wird dumm." Denn laut MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Vietze will man die DDR weder verherrlichen noch wehmütig zurückblicken. Der "Kessel DDR" solle keine Kopie der Glanz- und Gloria-Show "Ein Kessel Buntes" aus DDR-Tagen sein. Und so hat der Sender eine Gästerunde zusammengestellt, die mit Fußballidol Peter Ducke, dem 1977 ausgebürgerten Kinoliebling Eva Maria Hagen und dem in Halle an der Saale geborenen Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) viele Facetten der DDR abdeckt.

Dem Vorwurf, nur Friede-Freude-Eierkuchen zu zeigen, will sich der MDR in Abgrenzung zur am Sonntag ausgestrahlten "Ostalgie-Show" des ZDF nicht aussetzen. Und tatsächlich - Ehrengast Hans-Dietrich Genscher sagt nach der Aufzeichnung: "Die Sendung ist ein sehr wichtiger, ernsthafter Beitrag zum Verständnis der DDR, sie kehrt nichts unter den Tisch". Der MDR sei stärker am Kern geblieben als das ZDF. Laut Moderator Gunther Emmerlich wird man auch in den nächsten Sendungen "sicher nicht acht Olympia-Sieger einladen, die dann nur einen Halbsatz sagen dürfen", wie es das Zweite getan habe. Der "Kessel DDR" werde beweisen, dass die Vergangenheit vielschichtiger gewesen sei als beim ZDF dargestellt.

Mit versteckter Kamera den DDR-Zustand gefilmt

So liegt der Schwerpunkt der Premierensendung nicht nur auf positiven Erinnerungen. Eva Maria Hagen erzählt von der "Schizophrenie" der damaligen Zeit. Sie habe anfangs Männer wie Stalin für Götter gehalten, die die Welt retten würden. Auch nach dem Mauerbau wollte Leinwandidol Hagen den Staat weiter unterstützen, nur habe sie sich immer wieder "an den Kopf gefasst", dass man nun in Berlin beispielsweise nicht mehr ins Westkino gehen konnte. Von Hagens späterer Ausbürgerung erfährt der Zuschauer im Interview aber nichts, der einzige Hinweis kommt über einen kurzen Einspielfilm. Moderator Emmerlich: "Es geht natürlich nicht, die ganze Welt in dreieinhalb Minuten zu beschreiben." Denkanstöße gebe man aber auf jeden Fall, vielleicht würden Talkshows die Themen noch vertiefen.

Im "Kessel DDR" darf dennoch über den Arbeiter- und Bauernstaat gelacht werden. Die versteckte Kamera wirft einen Blick in ein Restaurant im Jahr 2003: Die Gäste werden erst nach langem Warten platziert, der Blick in die Speisekarte bietet kaum Auswahl. Als der Kellner nach der Bestellung aus der Küche zurückkommt und nur Sättigungsbeilagen und die ukrainische Soljanka anbietet, fühlen sich die Veräppelten endgültig an die DDR erinnert. Entzaubert wird zudem das Geheimnis um den angeblichen Amateur-Leistungssport: "Ich hatte zwar eine abgeschlossene Lehre als Dreher, musste aber nie in dem Beruf arbeiten. In Wirklichkeit hatte ich den ganzen Tag nur Fußball im Kopf und trainierte ständig", erzählt Ex-Fußballer Peter Ducke.

Staatsmännische Worte von Genscher

Im politischen Teil der Sendung darf Hans-Dietrich Genscher noch einmal staatsmännische Töne sprechen. Der Spruch "Ex oriente lux", der ihm schon zu Flak-Helfer-Zeiten im Zweiten Weltkrieg eingetrichtert worden sei, habe sich 1989 endlich bewahrheitet: Die "friedlich errungene Freiheit" habe tatsächlich das Licht aus dem Osten gebracht und das Ansehen Deutschlands in der Weltgemeinschaft entscheidend verbessert.

Florian Treiß, ddp - Foto: dpa


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Zuletzt geändert am 21. August 2003 17:03 von mwege

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