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"The Good Thief": Jordans stilvolles Remake eines Melville-Krimis

Paraderolle für Nick Nolte

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Drogensüchtiger Gentleman-Langfinger: Nick Nolte als "The Good Thief"

Vor 48 Jahren hat der französische Krimispezialist Jean-Pierre Melville mit "Drei Uhr nachts" seinen ersten Gangsterfilm gedreht - mit seiner melancholischen Stimmung und dem Fatalismus der Helden enthielt er bereits die Schlüsselelemente von Melvilles späteren Meisterwerken.

Nun hat der irische Regisseur und Romanautor Neil Jordan ("The Crying Game") den Stoff sehr frei bearbeitet und mit einer internationalen Starbesetzung nochmals verfilmt. Das Ergebnis ist ebenso stilsicher wie amüsant.

Vom Glück und allen guten Geistern verlassen

Der amerikanische Glücksspieler und Dieb Bob verbringt seine alten Tage in Südfrankreich. Vom Glück und immer öfter von allen guten Geistern verlassen, treibt er in der Halbwelt von Nizza ziellos durch zwielichtige Bars. Huren, Zuhälter und Dealer sind seine ständigen Begleiter, ebenso wie eine notorische Pechsträhne, die zusammen mit dem Drogenkonsum seine Ersparnisse aufzehrt.

Hoffen auf den letzten großen Coup

Ein letzter großer Coup soll die Wende bringen. Mit seinem Freund Raoul und dem Computergenie Vladimir stellt er ein Team zusammen, mit dem er den legendären Casino-Safe von Monte Carlo knacken will - dies jedoch nur zum Schein, als Ablenkungsmanöver für einen verwegeneren Raubzug. Doch wird sich auch Bobs alter Freund, der Polizist Roger, so einfach täuschen lassen? Und kann er der mysteriösen Junghure Anne trauen?

Szenenwechsel: Nizza und Monte statt Paris und Deauville

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Faszinierendes Ganovenpaar: Bob und die charmante Anne

Im Vergleich zum Melville-Original hat Jordan wichtige Veränderungen vorgenommen. Die Handlung spielt nun in Nizza und Monte Carlo statt in Paris und Deauville. Jordan lässt Bob gerne plaudern, während der bei Melville meist schwieg. Der alte Bankraub-Plot wurde durch einen raffinierten Kniff variiert und erweitert.

Rasant-cleverer Ganovenfilm mit altmodischem Kern

Mit dem stimmungsvollen Soundtrack von Elliot Goldenthal und der geschmeidigen Kameraführung des zweifachen Oscar-Preisträgers Chris Menges ergibt das einen cleveren Ganovenfilm, der trotz seiner modernen Einkleidung und seiner rasanten Exposition im MTV-Stil den altmodischen Kern mit der Romantisierung des charismatischen Anti-Helden nicht verbergen kann.

Eindrucksvoller Nolte mit mimischem Minimalismus

Jordans bester Schachzug war die Besetzung der Titelrolle mit dem faltenreichen Nick Nolte, der in der Rolle des drogensüchtigen Gentleman-Diebs mit mimischem Minimalismus seinen Ruf als überaus wandlungsfähiger Charakterdarsteller eindrucksvoll bestätigt.

Dem US-Star steht in der kanadisch-britisch-französischen Koproduktion ein starkes internationales Ensemble zur Seite, das von den französischen Kinostars Tcheky Karyo und Gérard Garmon sowie der jungen Georgierin Nutsa Kukhianidze angeführt wird. Kukhianidze war dem Regisseur in der Rolle einer bezaubernden Nymphe in der georgische Romanze "27 Missing Kisses" von Nana Djordjadze aufgefallen. In der Glanzrolle eines abgedrehten Computerfreaks mit musikalischen Höhenflügen ist der serbische Filmemacher und Schauspieler Emir Kusturica zu bewundern.

Europäische Antwort auf US-Kinohit "Ocean's Eleven"

Als europäische Antwort auf den Kinohit "Ocean's Eleven" konzipiert, erreicht "The Good Thief" trotz der brillanten Leistung Noltes zwar nicht die Eleganz und den Witz des Soderbergh-Films und auch nicht die Meisterschaft früherer Jordan-Filme wie "The Crying Game" oder "Mona Lisa". Gleichwohl bereitet die stilsichere Inszenierung mit ihren pointierten Dialogen allemal Vergnügen, so dass man mit Sympathie verfolgt, wie Bob nochmal die Kurve kriegt und mit der charmanten Anne ein faszinierendes Ganovenpaar bildet. Der Schluss allerdings schielt denn doch zu offensichtlich auf eine harmonische Lösung.

Reinhard Kleber, ddp


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Zuletzt geändert am 8. Oktober 2003 14:01 von to

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