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"Die Mutter": Michell schildert außergewöhnliche Liebesbeziehung

Seniorin mit jungem Liebhaber

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Ein grauhaariger reicher älterer Herr mit einer blutjungen Freundin - diese Konstellation begegnet Lesern bunter Hochglanzpostillen allenthalben. Wenn sich jedoch eine Seniorin einen Liebhaber zulegt, der sehr viel jünger ist, erregt das noch immer Aufsehen.

Einen solchen Fall schildert Regisseur Roger Michell in dem sensiblen britischen Drama "Die Mutter", das mit dem Schauspielerduo Anne Reid und Daniel Craig erstklassig besetzt ist. Eine nachdenklich machende Geschichte über Menschen, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben starren gesellschaftlichen Normen widersetzen.

May und Toots, beide um die 60 Jahre, fahren mit dem Zug nach London, um ihre Kinder und Enkel zu besuchen. Genervt von der Hektik der Großstadt, bemerken sie rasch, dass ihr Sohn Bobby außer für sein Geschäft kaum Zeit hat und sie den Enkelkindern fremd bleiben. Als Toots plötzlich einem Herzanfall erliegt, will May nicht in die leere Wohnung zurück. Kurzerhand quartiert sie sich bei Bobbys Familie ein.

Nicht als "unsichtbare alte Lady" versauern

Getrieben von der Angst, den Rest ihres Lebens als "unsichtbare alte Lady" zu versauern, beginnt sie eine Affäre mit dem Handwerker Darren. Der ist gerade dabei, im Haus ihres Sohnes einen Wintergarten anzulegen - und unterhält außerdem eine lockere Liebesbeziehung zu ihrer labilen Tochter, die sich als Schriftstellerin versucht.

In seinen Romanen und Drehbüchern hat der aus Pakistan stammende und in Großbritannien lebende Hanif Kureishi schon mehrfach auf vortreffliche Weise der britischen Klassengesellschaft einen kritischen Spiegel vorgehalten. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen Kinofilme wie "Samy und Rosie tun es" und "Mein wunderbarer Waschsalon". Diesmal schildert er in seinem Drehbuch das stille Leiden einer Frau, die geplagt von Versagensangst und sozialem Anpassungsdruck rebelliert, um endlich auch einmal eine Portion Egoismus auszuleben.

Subtile Schattierungen im amourösen Beziehungsgeflecht

Das bekannteste Werk von Regisseur Roger Michell ist der Londoner Komödienknüller "Notting Hill" mit Julia Roberts und Hugh Grant. Anders als in dieser flotten und leichtfüßigen Filmromanze setzt er diesmal auf leise Töne sowie subtile Schattierungen im familiären und amourösen Beziehungsgeflecht.

Anne Reid spielt die sympathische May, die für ihr spätes Erwachen das Zerbrechen ihrer Familie in Kauf nimmt, mit Verve und bewundernswerter Hingabe. Daniel Craig hält als sexuell abenteuerlustiger Darren mit unklarer familiärer Zielsetzung tapfer mit.

Die bis in Nebenrollen stimmig besetzte Inszenierung packt schon in den ersten Minuten und hält die Spannung problemlos über fast zwei Stunden. Ohne Ausflüchte ins Plakative illustriert das einfühlsame Familiendrama eindringlich das Recht älterer Menschen auf ihre eigene gelebte Sexualität und ein bisschen Glück, auch wenn es nur für kurze Zeit sein sollte.

Reinhard Kleber, ddp


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Zuletzt geändert am 8. Oktober 2003 17:16 von to

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