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Frankfurter Buchmesse endet mit Aussteller- und Besucher-Plus

"Durch die Branche ist ein Ruck gegangen"

Noch schnell ein Buch ergattern: Am letzten Tag auf der Frankfurter Buchmesse schlägt traditionell die Stunde der Schnäppchenjäger.

Frankfurt/Main - Mehr Aussteller und mehr Besucher bei der Frankfurter Buchmesse: Zum Abschluss der weltgrößten Bücherschau erwartete Buchmessen-Direktor Volker Neumann eine "Initialzündung" für das in den vergangenen beiden Jahren stagnierende Gewerbe. "Ich habe ein Gefühl, dass ein Ruck durch die Branche gegangen ist", sagte Neumann. Er habe die Buchmesse als "fröhliches Bücherfest" erlebt.

Bis Sonntagabend - einen Tag vor Ende der Buchmesse - wurden 273 000 Besucher gezählt. Das ist ein Plus von knapp 8 Prozent. Sein selbst gestecktes Ziel von 15 Prozent Plus hat Neumann damit allerdings nur halb erreicht. Insgesamt präsentierten auf der Messe 6 638 Aussteller (plus 4 Prozent) aus 102 Ländern 335 000 Titel präsentiert.

"Event"-Charakter kam bei Besuchern gut an

An den sechs Messetagen waren rund 1 000 Autoren vertreten - mehr als je zuvor auf der Buchmesse. Rund 150 Schriftsteller hatte allein Russland als diesjähriger Ehrengast mitgebracht. Neu war die Ausdehnung der Publikumstage auf den Freitag und Montag und der damit einhergehende stärkere "Event"-Charakter der Messe. So lockte der in Berlin lebende russische Schriftsteller Wladimir Kaminer fast 5 000 Menschen zur "Russendisko". Literaturnobelpreisträger Günter Grass ließ seine Hüften vor fast 1000 Menschen bei einer Lesung aus seinen "Letzten Tänzen" kreisen. Auch die neuen Veranstaltungsforen für die Verlage wurden laut Neumann gut angenommen.

König der sechstägigen Messe war jedoch - wie einst im Boxring - Muhammad Ali. Sein stummer Auftritt zur Vorstellung des "größten Buches der Welt" als Hommage an den schwer kranken Ali wurde zu einem bewegenden Moment im PR-Bücherrummel.

Nicht alle Verlage teilen Optimismus

Als König der PR erwies sich einmal mehr "Pop-Titan" Dieter Bohlen. Er nutzte den Rummel um die zahlreichen Einstweiligen Verfügungen gegen sein neues Buch geschickt aus und hielt seine Buchpräsentation ohne Buch ab - dafür mit einem ironischen Seitenhieb gegen seinen früheren Partner Thomas Anders. Der hatte mit seiner Klage mit dafür gesorgt, das Bohlens Bücher nur passagenweise geschwärzt und mit dem werbeträchtigen Aufkleber "Zensiert" auf der Messe zu sehen waren.

Neumanns Optimismus wird nicht von allen Verlagen geteilt. In einer sagte etwa Verleger Klaus Wagenbach, er rechne nicht mit einer raschen wirtschaftlichen Erholung. "Bei vielen Verlagen ist das noch ein Stück weit Wunschdenken", sagte auch die Sprecherin des Ratgeberverlags Gräfe und Unzer, Claudia Uhr. "Aber Gejammer gab es lange genug. Da ist der Versuch gut, den Kopf aus dem Sand zu nehmen." Vor allem stark spezialisierte Kleinverlage sowie Großverlage beurteilten die Aussichten für das wichtige Weihnachtsgeschäft zuversichtlicher.

Tendenz zu einer "ungeheuren Spezialisierung auf die Spitzentitel"

Die Tendenz zu einer "ungeheuren Spezialisierung auf die Spitzentitel" setze sich allerdings fort, sagte der Cheflektor des Frankfurter Eichborn Verlags, Matthias Bischoff. Der Strukturwandel in Verlagen und im Buchhandel sei noch lange nicht abgeschlossen. Eichborn profitiert derzeit von dem autobiografisch inspirierten Romandebüt von Wolfgang Joop. Der Modedesigner war einer der zahlreichen "Promis" aus der Entertainment-Branche, die auf der Buchmesse für ihre Bücher warben - darunter auch Manfred Krug, Daniel Küblböck und Bohlens Ex-Freundinnen Verona Feldbusch und Nadja Abd El Farrag.

Über den früheren Publikumsandrang auf der Messe waren vor allem viele ausländische Aussteller wenig glücklich. Auch sie durften ihre Stände erst am Montag abbauen, obwohl sich das Publikum praktisch ausschließlich in den deutschen Hallen drängte. Doch an dieser Regelung will Neumann auch im nächsten Jahr mit dem Gastland Arabische Welt nicht rütteln.

"Spagat" zwischen Arbeits- und Publikumsmesse

Beim "Spagat" zwischen Arbeits- und Publikumsmesse will Neumann jedoch die Bedingungen für die Fachbesucher, die dieses Jahr wieder zahlreicher vertreten waren, weiter verbessern. Die ersten Tage der Messe, der weltweit bedeutendsten für die Handel mit Lizenzrechten, sollen möglichst "eventfrei" gehalten werden, sagte Neumann. Mit dem Übersetzerzentrum und den zahlreichen Fach-Foren habe die Messe in diesem Jahr bereits wichtige neue Impulse erhalten. Andererseits fühlten sich die Übersetzer wie auch manche Verlage vom Lärm ihrer Nachbarn - etwa das Filmforum mit seinem Messekino - gestört. Im kommenden Jahr sollen die Stände dank Vorbucher-Rabatten deutlich billiger werden. "Der Anmeldesturm ist ganz gewaltig", sagte Neumann.

Von Thomas Maier, dpa - Foto: dpa

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Zuletzt geändert am 13. Oktober 2003 16:33 von sab

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