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Frustrierter US-Präsident Bush startet Irak-Offensive an der Heimatfront

Kampf gegen sinkende Popularität

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Muss seinem Volk vieles erklären: George W. Bush.

Washington - Das hat es bisher nur ganz selten gegeben: Gleich fünf regionalen Fernsehstationen stand US-Präsident George W. Bush an einem Tag für Interviews zur Verfügung. Es ging hauptsächlich um den Irak, und das erklärt es auch, warum der Präsident sich so auskunftsfreudig zeigte. Die Interviewserie ist Teil einer neuen Offensive der zunehmend von der Irak-Kritik frustrierten US- Regierung an der Heimatfront.

Nachdem die Serie tödlicher Zwischenfälle im Irak einfach nicht abreißen will und mit dem Autobombenanschlag vom Sonntag einen neuen tödlichen Höhepunkt erreicht hat, will Bush den Blick der Öffentlichkeit auf die bereits erzielten Fortschritte beim Wiederaufbau des Landes lenken. Die "Herbstoffensive", wie sie in den US-Medien genannt wird, begann in der vergangenen Woche mit kämpferischen öffentlichen Reden des Präsidenten, seiner Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, seines Vize Richard Cheney und seines Verteidigungsministers Donald Rumsfeld. Die übereinstimmende Botschaft auf eine einfache Formel gebracht: Es ist im Irak nicht so schlimm, wie es aussieht oder anders ausgedrückt, wie es Kritiker und die Medien darstellen.

Negative Berichterstattung verärgert Weißes Haus

Sogar First Lady Laura Bush ließ sich nicht lumpen und rührte die Trommel. Vor einer Gruppe von Richterinnen, die eine Rede zum Thema Gesundheitsfürsorge erwartet hatten, rühmte sie die Politik ihres Mannes, von denen Frauen rund um die Welt profitiert hätten - "Frauen vor allem in Afghanistan und im Irak".

Im Weißen Haus wird schon seit längerer Zeit kein Hehl aus der wachsenden Verärgerung über die Art und Weise gemacht, wie die US- Medien über die Lage im Irak berichten. Sie stürzten sich vorrangig auf negative Ereignisse und täten so, als habe sich im früheren Herrschaftsbereich von Saddam Hussein überhaupt nichts zum Positiven geändert, beklagte zum Beispiel Cheney in einer Rede am vergangenen Freitag, deren Ton von unabhängigen Beobachtern als äußerst scharf bewertet wurde. Cheney ging auch mit politischen Kritikern des Irak- Kurses und den Vereinten Nationen ins Gericht, die beide "nichts tun".

"Positives wird ins Negative verkehrt"

Es sei ganz offensichtlich, dass die US-Regierung versuche, das Heft bei der Darstellung der Irak-Entwicklungen wieder in die Hand zu bekommen, und es sei höchste Zeit dafür, meinten verschiedene republikanische Senatoren wie John Kyl aus Arizona bei Auftritten in sonntäglichen Talkshows. "Es ist einfach nicht hinnehmbar, wie alles Positive ins Negative verkehrt wird." Rumsfeld sieht das ähnlich: "Fragt doch nur Leute, die jetzt im Irak waren. Die Geschichten, die sie erzählen, sind ganz anders als die, die man sonst oft hört."

Politische Experten wie Andrew Kohut vom Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center meinen, dass dem in Umfragen deutlich abgerutschten Bush nur noch begrenzte Zeit bleibt, das Bild in der Öffentlichkeit von der Lage im Irak positiv zu prägen. Der kritische Punkt komme spätestens in sechs Monaten - dann wenn entsprechend dem Rotationsverfahren für die US-Soldaten im Irak frische Kräfte in das Land geschickt werden müssen. Zur selben Zeit etwa dürfte sich im Zuge der Vorwahlen herauskristallisiert haben, welcher Demokrat Bush im November 2004 herausfordern wird.

Wahlkampf-Futter für Demokraten

"Ist die Lage im Irak bis dahin nicht stabiler, müssen sich wieder US-Soldaten auf einen zwölfmonatigen Einsatz fern der Heimat einrichten, dann wird das ein Problem (für Bush)", so Kohut in der "Los Angeles Times". Schon jetzt ist die Irak-Politik des Präsidenten für alle neun demokratischen Präsidentschaftbewerber ein viel genutztes Wahlkampfkanonenfutter - auch für jene, die seinerzeit im Kongress grünes Licht für den Irak-Krieg gegeben hatten. Ihr neues Argument: Sie hätten zwar Ja zur Entmachtung von Saddam Hussein und damit zum Schutz vor möglichen Massenvernichtungswaffen gesagt, aber nicht zur "anhaltenden Kontrolle" des Irak, wie es etwa Bewerber Joseph Lieberman am Montag formulierte.

Auch die jüngste Bildung einer Irak-Stabilisierungsgruppe unter Federführung von Condoleezza Rice zur Beschleunigung des Wiederaufbaus wird von Experten als Teil der neuen Public-Relations- Kampagne der US-Regierung gewertet. Und zugleich als ein Fehltreffer in Sachen Imagewerbung: Dass Rumsfeld übergangen wurde und seinen Ärger darüber öffentlich zum Ausdruck brachte, habe die Zerstrittenheit der US-Regierung in der Irak-Politik nur noch deutlicher gemacht.

Von Gabriele Chwallek, dpa - Foto: dpa

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Zuletzt geändert am 13. Oktober 2003 16:49 von sab

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