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"Das Wunder von Bern" im Kino - Melodram und Fußball-Historie

Faszinierende Aufarbeitung von Zeitgeschichte

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22 Auserwählte auf dem Weg ins Stadion: Die Szenen des 54´er-Endspiels wurden akribisch genau nachgespielt.

Es war die Zeit, als noch Brieftauben die Ergebnisse von Auswärtsspielen ins Ruhrgebiet brachten. Es war die Zeit, als Kinder ihre Väter nicht kannten, weil die noch jahrelang nach dem Ende des Grauens in Kriegsgefangenschaft gehalten wurden. Es war die Zeit, als Deutschland geächtet war.

Von dieser Zeit erzählt verdichtend der neueste Film von Sönke Wortmann "Das Wunder von Bern". Zur Premiere am Mittwoch in Essen hat sich sogar Bundeskanzler Gerhard Schröder angesagt, was durchaus ein Indiz dafür ist, dass diese 7,5 Millionen Euro teure Produktion ein ganz besonderer Film ist.

Matthias Lubanski (Louis Klamroth), 11 Jahre alt, hat in Helmut Rahn (Sascha Göpel) seinen Ersatzvater gefunden. Für ein paar Groschen darf Matthias dem "Boss" die Tasche tragen. Eines Tages erklärt Rahn ihm: "Du bist mein Glücksbringer. Ohne Dich treffe ich nicht."

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Hauptdarsteller: Matthias Lubanskis Vater (Peter Lohmeyer) findet sich nach seiner Rückkeher aus der Kriegsgefangenschaft nur schwer zurecht.

54´-er Weltmeister als Ratgeber

Der richtige Vater (Peter Lohmeyer) kehrt aus der Sowjetunion zurück, findet sich in Deutschland nach zehn Jahren Kriegsgefangenschaft nicht zurecht, will Unsicherheit durch Strenge ersetzen. Erst, als das Finale in Bern ansteht, erkennt der Vater, dass ein Umbruch stattfindet, der auch Konsequenzen bis in die Familien haben muss. Er fährt mit seinem Sohn nach Bern, weil doch sonst der Rahn nicht trifft... Die beiden kommen zur zweiten Halbzeit an, Matthias schmuggelt sich bis an die Seitenlinie (damals ging das noch!) und rollt bei einem Ausball Rahn den Ball zum Einwurf zu. Kurz danach fällt das 3:2...

Die verkürzte Inhaltsangabe liest sich platt und lässt auf ein simples Melodram schließen. Tatsächlich ist der Film vielfältiger, tiefer. Wortmann ("Kleine Haie", "Der bewegte Mann") hat noch mit Fritz Walter reden können, wurde von Horst Eckel und Ersatztorhüter Heinrich Kwiatkowski beraten, um Gespräche, Spielszenen, Charaktere und das Innenleben der Mannschaft möglichst authentisch darstellen zu können.

Berner Wankdorf-Stadion wieder aufgebaut

Der frühere Spieler der Spielvereinigung Erkenschwick, heute 44 Jahre alt, hat unter 80 Schauspielern jene 22 ausgesucht, die am besten Fußball spielen konnten - und ist stolz darauf, dass alle Spielszenen für den Film authentisch nachgestellt werden konnten.

Da das Wankdorf-Stadion zur Zeit der zwei Monate dauernden Dreharbeiten bereits gesprengt war, wurde es bei einem Rollrasenhersteller den Bedürfnissen der Filmemacher entsprechend wieder aufgebaut. 300 Komparsen mimten das Publikum, wurden in achtmonatiger Nachbearbeitung dank digitaler Technik zu den vieltausendköpfigen Zuschauern, die das "Wunder von Bern" live erleben durften.

Berufskritiker haben dem Film vorgeworfen, die Nachkriegszeit zu rosarot zu malen. Ein Fußballfan hingegen stellt fest, dass das vermeintlich nur live zu erlebende Ereignis Fußball durchaus auch zu einer dramaturgischen Klammer in einem Melodram und einer Aufarbeitung von Zeitgeschichte werden kann, ohne an Faszination zu verlieren. Dem Film wäre zu wünschen, dass jene Millionen, die ein Länderspiel am Fernsehen verfolgen, auch mal wieder den Weg ins Kino entdecken.

Von Rainer Kalb, sid - Fotos: dpa

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Zuletzt geändert am 14. Oktober 2003 10:11 von sab

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